Luftmuseum

Besuch am Samstag, 18.2.2018, ca 1,5 Std. Das 2006 gegründete Luftmuseum zeigt im gotischen ‚Klösterl‘ auf drei Ebenen mit ca 650 qm Fläche meist künstlerisch ambitionierte Ausstellungsstücke zum Thema Luft. Träger des Museums ist der private Verein ‚Luftmuseum e.V.‘ mit dem Künstler Wilhelm Koch als ’spiritus rector‘ und Museumsleiter.

’16-Ventiler‘ (vorne, Teil), ‚Luftdusche‘, ‚Pneu-Thron‘, ‚Dreh-Bar‘ (hinten von rechts)
Foto: Gerd Walther

Luft ist nicht umsonst weiblich – lebensnotwendig und zudem unbeschreiblich multi-tasking-fähig“, heißt gleich beim Eingang der erste Satz der Texttafel einer ‚Riech-Bar‘ mit in (Keramik-)Flaschen eingeschlossenen unterschiedlichen Düften. Daneben steht seit 2017 eine ‚Papierfliegermaschine‘, die nach Einwurf von 20 Cent einen Flieger baut. Abgesehen davon, dass die Maschine defekt war, geht mir nicht ganz auf, warum man zum Bau von Papierfliegern eine Maschine braucht. Und leider haben auch Papier und Bauanleitungen für evtl. ungewöhnliche Flugmodelle gefehlt, was den Defekt hätte ausgleichen können. Aber vielleicht will man das nicht, denn es ist viel verboten im Luftmuseum, wie man an der Kasse ausführlich gesagt und in jedem Raum zu lesen bekommt. Ab und an darf man auf ein Knöpfchen drücken. Es macht dann Pifff oder sonstwie und es bewegt sich etwas ein bisschen oder auch nicht.

Während in der Eingangsebene neben Genanntem Sonderausstellungen Platz finden, beginnt die eigentliche Ausstellung im 1. Obergeschoss mit dem sog. ‚airparc‘, einer Leihgabe von ca 15 – 20 Objekten, die 2004 von Wilhelm Koch und anderen erbaut worden waren. Wer nun in einem Luftmuseum viel Leichtigkeit erwartet, Luftiges eben, wird enttäuscht sein. Stahlblech dominiert, dazu Gummi der dicken Art, wie man ihn dünn von Luftballons her kennt. Dazu ist die Haupteigenschaft der ausgestellten Exponate ‚groß‘ und ’schwer‘. Filigran, einfallsreich und witzig, zum Mitmachen mit Aha hätte ich mir das Museum gewünscht, aber das ist nicht seine Stärke. Da ist etwa ein ‚Luftdusche‘ benanntes Monster, aus der nach Kopfdruck Luft kommt. Man kennt das zu Hause klein als Fön. Oder daneben ein ebenso monströser ‚Pneu-Thron‘ aus Gummi und Stahl, „ein luftgepolsterter Thron für den König der Lüfte“. Hinsetzten war nicht erlaubt. Oder die ‚Einkaufstütenorgel, die trotz ihrer Monstrosität vielleicht interessant geklungen hätte, wenn sie funktioniert hätte. Ein ‚Luftröhrenraum‘ beherbergt um die doch eher dürftige Installation ‚Herbstwind‘ (auf Knopfdruck weht ein Wind Kunststoffblätter eines ebensolchen Baums mehr schlecht als recht in einem Glaszylinder) umgebaute Laubbläser. Mich hat’s nicht umgehauen, Originalität und Witz halten sich in Grenzen. Karl Valentin würde sich wohl (wie ein Ventilator) im Grab umdrehen.

Auf irgendwelche Mitmach-Möglichkeiten der oft kleinen Besucher (wie auch der Erwachsenen) – es waren mehrere Familien mit kleinen Kindern da – über bisweiliges Knopfdrücken mit Pifff oder auch gar nichts verzichtet man. Dabei gibt es Unmengen schöner, anschaulicher und auch ohne großen Aufwand mit Hilfe der Eltern selbst durchzuführender Experimente. Ein Blick ins Internet z.B. zum ‚Haus der kleinen Forscher‘ beim ‚Thema Luft‘ gäben hier Anregungen, wenn man denn wollte.

‚Luftdurchwirbler‘, Ventilatorensammlung (Auswahl)
Foto: Gerd Walther

Im Aufgang zum 2.Obergeschoss liegt die einzige luftig-leichte Rauminstallation, Max Streichers ‚Schlafende Körper‘. Geht doch. Aber dann folgt gleich wieder ein Technik-Monster, der ‚Luftflipper‘. Stand leider nur defekt herum. Sonst bietet das Geschoss sehr viel Werbung der Sponsor-Firmen neben einem Regal mit 9 alten Staubsaugern und 10 Ventilatoren, meist so aus den 1950ern. Auf einem Monitor liefen einige Werbefilme mit dem HB-Männchen: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ In diesem Raum hängen auch Fotos und Texte zum ‚Turm der Winde‘, der um etwa 100 v. (Chr.) in Athen errichtet wurde und dort immer noch steht. Seinen Namen erhielt er von den 8 Reliefs antiker Windgötter, die damals noch durchgängig männlich waren.

Um im Bild zu bleiben: das Luftmuseum will originell sein, ist aber meist nur sehr angestrengt und bietet viel heiße Luft – eine Luftnummer. Das gotische Gebäude ist schön.

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Ein Gedanke zu “Luftmuseum

  1. Am 26.2.2018 erhielt ich folgende Mail von Herrn Wilhelm Koch, die ich folgend ungekürzt wiedergebe.
    Angefügt war ein Auszug der Süddeutschen Zeitung vom 2.2.1017 mit 18 ungewöhnlichen Museen weltweit, darunter auch das Luftmuseum.

    Sehr geehrter Walther,

    für Ihren „Fränkischen Museumsboten“ haben Sie laut Ihrem Mail unser Museum besucht.

    Zur Vertiefung unseres ehrenamtlich geführten Museum möchte ich Ihnen noch einen Text zukommen lassen von

    PROF. DR. VOLKER FISCHER
    Studium der Kunstpädagogik, Germanistik, Linguistik und Kunstgeschichte in
    Kassel und Marburg. 1979 Promotion. 1980/81 Kulturreferent der Stadt
    Marburg. 1981-94 stellvertretender Direktor des Deutschen Architektur-
    Museums in Frankfurt am Main. 1994 – 2013 Kurator der Design-Abteilung am
    Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. 1992 – 2013
    Honorarprofessur an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Zahlreiche
    Ausstellungen und Veröffentlichungen mit den Schwerpunkten Architektur,
    Design und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

    Das Amberger Luftmuseum – Entwicklung, Gründung, Programmatik

    Das Amberger Luftmuseum verdankt sich einer Initiative des Amberger Künstlers Wilhelm Koch. Bereits während seines Studiums in München hatte er sich mit Luft
    als bildnerischem Material beschäftigt. Er pumpte Gummischläuche von Fahrrädern, Autos und Traktoren auf und formte aus ihnen ineinander verschlungene Skulpturen.
    Folgerichtig kann man ihn als Luftbildhauer begreifen, der das immaterielle Medium
    Luft in gestaltete Formen bringt und sie so sichtbar und fassbar macht. Eine erste institutionelle Organisation dafür war das von ihm 1995 konzipierte temporäre Schaudepot „Gummeum“, welches ab 1999 – 2001 nochmals drei Jahre in Kallmünz
    Im Landkreis Regensburg residierte und in dem er seine eigenen Gummiskulpturen ausstellte. Durch Kontakte zu dem großen und auch künstlerisch ambitionierten Druckluftunternehmen Festo konnte Wilhelm Koch dann 2004 unter dem Titel „Airparc“ in deren „Airtecture“- Traglufthalle in Esslingen zwei Dutzend Skulpturen realisieren und ausstellen, die zwei Jahre später als Nukleus für das Amberger Luftmuseum dienten. Dazu gehören ein fliegender Teppich und eine Einkaufstüten-orgel, eine Luftdusche und ein Luftbrunnen, eine Orgelsäule und eine Luftharfe, ein Pneu- Thron und eine Druckluftuhr, ein Luftalphabet, eine perpetuierende Rohrpost und ein „Herbststurm“ auf Knopfdruck. Diese Objekte, meist Metallrahmen mit eingespannten aufgeblasenen Gummischläuchen und -häuten wirken leicht martialisch, aber immer ironisch gebrochen. Sie verdeutlichen die skurrile Komik und Lakonie dieses Künstlers und Organisators, die an Marcel Duchamp, René Magritte oder Francis Picabia erinnert, aber auch an Köpenickiaden im Geiste Karl Valentins.

    2016 konnte das 2006 eröffnete Museum sein zehnjähriges Bestehen feiern. Es befindet sich im ältesten Gebäude Ambergs aus dem 14. Jahrhundert am Eichenforstplatz unmittelbar am Fluss Vils, welches „Engelsburg“ hieß und wegen seiner gotischen Hauskapelle auch als „Klösterl“ bekannt ist. Ursprünglich war dieses Gebäude mit seinem gotischen Stufengiebel als Pfalzgrafenschloss Teil der kurfürstlichen Residenz. Der Vornutzer des Hauses war das Archäologische Museum
    der Oberpfalz Amberg, welches 2005 in das städtische Museum Amberg integriert wurde. Als 2006 das Luftmuseum die Räumlichkeiten bezog, waren mithin Klima-
    technik und Heizung bereits vorhanden. Die Restaurierung des Gebäudes bein-
    haltete dann allerdings die Freilegung der massiven Balkendecken aus dem 16.
    Jahrhundert, die Verlegung eines anthrazitfarbenen Natursteinbodens, den Rückbau des historischen Treppenhauses und der neutrale weiße Kalkanstrich der Wände. Die historischen Farbfassungen eines gotischen Raumdurchgangs und der gotischen Hauskapelle wurden denkmalpflegerisch präzise wiederhergestellt. So hat der Bau heute innen und außen die professionelle Dignität eines klassischen Kulturdenkmals.

    Die Stadt Amberg stellt diese historischen Räumlichkeiten zwar mietfrei zur Verfügung, aber die Unterhaltungskosten betragen 90.000 Euro jährlich. Das Luftmuseum verfügt über drei Stockwerke mit über 650 qm Ausstellungsflächen. Es thematisiert in seiner Dauerausstellung drei museumspädagogische Schwerpunkte:

    Lufterfahrungen, Lufttechnologien und Luftvariationen. Hier wird das Medium Luft mit wissenschaftlicher, künstlerischer, aber auch ironischen Kraft sichtbar und hörbar, erlebbar und begreifbar. In den zehn Jahren seines Bestehens hat das Museum mit großem Spürsinn und überbordender Neugier etwa 80 Wechselausstellungen über Kunst, Design, Architektur und Technik im Kontext von Luft gezeigt. Statistisch sind das pro Vierteljahr jeweils zwei Ausstellungen. Auch die gotische Hauskapelle wird regelmäßig für Sonderinstallationen genutzt.

    Luftkünstler aus Deutschland, Kanada und Japan, den Niederlanden, Finnland und England, aus Frankreich und der Schweiz, aus Österreich, Slowenien und Russland wurden vorgestellt. Da reicht die Bandbreite von Luftaufnahmen aus extremer Höhe über bionische Flugobjekte bis zu aufblasbaren Messehallen der englischen Designergruppe „Inflate“ und den ephemeren „breathing architectures“ des berühmten japanischen Architekten Kengo Kuma. Immer geht es dem Museum und seinem Gründer um Lern-, aber auch um Unterhaltungseffekte im Sinne von „Ideenwirbeln und Gedankenstürmen“, wie einmal in einem Presseartikel über das Haus gesagt wurde.

    Im ersten und zweiten Stock wird eine ständige Ausstellung mit oft partizipatorischen Luftskulpturen und Luftbildern, Luftinstallationen und Bildschirmpräsentationen gezeigt, in die auch die erwähnten frühen, von Festo gesponserten Skulpturen von Wilhelm Koch integriert sind. Es sind häufig ironische Statements zu Aspekten der Luft, wie manche Titel bereits nahelegen. In diesen Kontext gehören auch drei pseudoarchäologische Steinabdrücke von Koch, in denen er in der Art von Fossilien luftgefüllte ehemalige Kinderschwimmteile aus Plastik unter dem von ihm kreierten Epochenlabel „Aero-Tertiär“ zeigt, welches angeblich vor 6,8 Millionen Jahren begonnen habe und bis heute anhalte. Kreativität und augenzwinkernde Chuzpe halten sich dabei die Waage und stellen auch diese Objekte in die Tradition von Marcel Duchamp und Karl Valentin.

    Zudem werden auch technische Objekte verschiedener Lufttechnikfirmen, die sich mit Wärme, Kälte, Klima und Lüftung befassen, ausgestellt. Turbinen und Propeller, Ventilatoren und Gebläse, Windräder und Presslufthämmer, Kompressoren und Heißluftmotoren, Staubsauger und Handtrockner werden ebenso gezeigt wie Exponate zur Meteorologie, Luftfahrt oder Luftverschmutzung. Außerdem verfügt das Museum über eine Präsenzbibliothek mit ca. 400 Bänden, eine Duftbar- Installation sowie hinter dem Haus über eine solarbetriebene Lufttankstelle für Fahrräder.

    Träger des Museums ist ein eingetragener Verein mit den Vorständen Wilhelm Koch, Oskar Lottner und Roland Wochnick. Das Museum wird ehrenamtlich betrieben und beschäftigt bis jetzt lediglich eine von der Kommune finanzierte Volontärin. Allerdings stehen die Chancen gut, daraus eine reguläre Geschäftsstelle zu machen. Über 30 Sponsoren aus der mittelständischen Wirtschaft, vor allem „Luftfirmen“ aus Amberg, die z.B. luftgefederte Sitze, Druckluftwerkzeuge und –kupplungen, Warmluft-kollektoren und Luftfilter herstellen, gehören zu den Förderern. Viele ehrenamtliche Helfer sowie drei „Luftlehrerinnen“, über 120 Mitglieder eines Museumsvereins, knapp 15 individuelle Sponsoren, zwanzig Unternehmen und die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern ermöglichen den laufenden Betrieb dieses kulturgeschichtlichen Spezialmuseums, welches inzwischen auch international renommiert ist und einige bedeutende Preise für seine Aktivitäten bekommen hat.

    Charakteristisch für dieses Haus ist aber neben den vielen spannenden Wechsel-ausstellungen auch seine Vernetzung in der Stadtgesellschaft. Es hat 80 Luftmuseumstage, 10 Luftboottreffen und zahlreiche Vorträge über Phänomene der Luft, über zeitgenössische und historische Architektur und aktuelles Design veranstaltet. Ebenso gibt es regelmäßig Musikveranstaltungen sowie ein umfangreiches pädagogisches Programm. Unter dem Label „Fliegendes Klassenzimmer“ veranstalten drei Luftlehrerinnen museumspädagogischen Unterricht. Bis heute haben mehr als 100.000 nationale und internationale Besucher das Museum angeschaut und weit über 1000 Führungen und über 160 Kinder-geburtstagfeiern fanden hier statt. Das bedeutet etwa 12.000 Besucher pro Jahr, d.h. 40 – 50 pro Tag. Dies entspricht der Auslastung mancher großstädtischer Museen mit 15 – 20 Angestellten.

    Das jedes Jahr im Frühling veranstaltete Luftmuseumsfest konzentriert innerhalb einer Woche jeweils dutzende von Freiluftveranstaltungen im gesamten Stadtgebiet, die das kulturelle Angebot der Stadt ebenso mit prägen und erweitern wie eine regelmäßige „Luftklangmeile“. Dazu gehört auch ein jährliches Luftboottreffen für Alt und Jung mit stylischen Fahrten auf der Vils sowie alle zwei Jahre am Ende der Sommerferien eine die ganze Altstadt einbeziehende „Luftnacht“, für deren Konzept das Museum einen nationalen Marketing- Preis erhalten hat.

    So ist dieses Museum intensiv in der Stadt Amberg vernetzt und hat vielfältige Kontakte zu seinen Bürgern. Vor allem trägt es auch auf intensive Weise zum Image der Stadt bei, die sich nach einer Idee von Wilhelm Koch als einziger Ort weltweit „Luftkunstort“ nennt. Dieser Begriff, der seit 2010 geschützt ist, hat mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus Furore gemacht. Die Amberger sind sehr stolz auf dieses Alleinstellungsmerkmal, welches nicht nur ein kultureller Mehrwert, sondern auch ein ganz handfester Standortvorteil ist. Viele engagieren sich für das Museum. Das Museum vermag offensichtlich, ein Ort moderner Sinnstiftung zu sein, der mit Witz, Ironie und Phantasie viele Menschen nicht nur als Besucher, sondern auch als Mitstreiter gewonnen hat. Eine wesentliche Stärke des Gründers ist seine Fähigkeit, als talentierter Propagator und Motivator mit insistierender Beharrlichkeit und konzilianter Chuzpe Leute zu begeistern und einzubinden.

    Das Amberger Luftmuseum ist eines der aktivsten und kreativsten Spartenmuseen Deutschlands, von denen es gerade in diesem Land Hunderte gibt, vom Schokoladenmuseum bis zum Oldtimer- Museum, vom 1950er Jahre- Museum bis zum Zeppelin- Museum, vom Museum für Esskultur bis zum Schifffahrts- Museum.
    Die „Süddeutsche Zeitung“ hat das Luftmuseum einmal zu den zehn attraktivsten
    Museen überhaupt gezählt. Generell hat dieses Museum eine große publizistische Resonanz, nicht nur auf allen Kanälen des bayrischen Fernsehens und Rundfunks,
    sondern etwa auch durch Berichte in der „Neuen Züricher Zeitung“, der „Zeit“, den Nürnberger Nachrichten“ oder der „Bayerischen Staatszeitung“. Insgesamt wurden bis heute über das Luftmuseum mehr als 150 Radio- und TV- Beiträge gesendet und über 100 Presseartikel publiziert. Das Museum ist darüber hinaus in über zehn regionalen und nationalen Reiseführern präsent und hat für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen, u.a. einen Innovationspreis, erhalten.

    Es spricht für die Tragfähigkeit, Popularität und Prominenz dieser Institution, dass sich 2016 gleichzeitig zwei Verfasser mit architektonischen Planungen und Konzepten für einen Neubau des Luftmuseums beschäftigt haben. Beide Vorschläge könnten kaum unterschiedlicher sein.

    Der erste Entwurf ist eine freche, den historischen Stadtraum komplett ignorierende Blob- Architektur in der Denktradition von Zaha Hadid und Greg Lynn, die wie ein Ufo auf dem Spitalgelände der Altstadt gelandet zu sein scheint. Dieses Konzept stammt von dem Architekturbüro Berschneider + Berschneider aus Pilsach/Neumarkt in der Oberpfalz und wurde dem Museum zur Luftnacht 2016 als Geschenk überreicht. Obwohl dieser skizzenhafte Entwurf für einen Erweiterungsbau, an dem sich alle Mitglieder des Architekturbüros unentgeltlich beteiligt haben, an utopische Szenarien der 1960er Jahre etwa der englischen Architektengruppe Archigram ebenso erinnert wie an die Nierentisch- Ära der 1950er Jahre, zeigen die Grundrisse und Schnitte dieser organischen, biomorphen Gebäudeblase einen durchaus planerischen Pragmatismus. Um einen gekurvten asymmetrischen Erschließungskern entfalten sich auf mehreren Geschossen amöbenhaft frei fließende Ausstellungsflächen, die lediglich durch grazile, in einem Raster angeordnete Stützen ihre Statik erhalten. Es handelt sich also um eine für die wechselnden Museumsanforderungen gut bespielbare Raum-komposition. Ihr ist allerdings vor allem durch die äußere Form dieses mit poliertem Edelstahl verkleideten Dragee , in dem sich die Bauten der historischen Altstadt spiegeln würden, ein störrischer Manifest- Charakter eingeschrieben. Von ferne erinnert der Entwurf, jedenfalls in den Grundrissen, durchaus an Le Corbusiers Kapelle Notre- Dame- du- Haut in Ronchamp (1955).

    Demgegenüber nimmt sich der zweite Entwurf eines neuen Luftmuseums von Anna Schießl, einer gebürtigen Ambergerin, der als Abschlussarbeit an der Technischen Hochschule München in der Fakultät Architektur im Wintersemester 2016/2017 entstanden ist, mit einem moderaten Funktionalismus bis zur Unauffälligkeit zurück. Er situiert drei übereinander liegende Baukörper mit unterschiedlichen Höhen so geschickt inmitten der historischen Altstadt in unmittelbarer Nachbarschaft der Spitalkirche und der neu erweiterten Wirtschaftsschule „Friedrich Arnold“ auf dem ehemaligen Bürgerspital- Gelände, dass er mehr wie eine Komplettierung und Ergänzung des historischen Baubestandes wirkt. Obschon die Architektin die Ausstellungsflächen auf 1900 qm plus 600 qm für Lager- und Archivräume im Verhältnis zur bisherigen Fläche vervierfacht hat, wirkt der Baukörper mit seiner unterschiedlichen, kubisch gestaffelten Höhen für die Ausstellungsräume, die Verwaltungsräume, die Bibliothek und die Archivflächen sowie einem integrierten Café wie ein gewachsenes Ensemble. Mit großer architektonischer Raffinesse und vielen klugen Details in den Grundrissen und Fassaden, den offenen Galerien mit doppelgeschossigen Luft-räumen und vor allem auch in der stadträumlichen Einbindung in den umgebenden Freiraum, der auch neu entdeckte Reste einer mittelalterlichen Stadtmauer zu integrieren weiß, kann dieser Entwurf überzeugen. Er wurde im Luftmuseum am Eichenforstgässchen ausgestellt und fand sowohl die Zustimmung des Museumsleiters wie jene der Stadt Amberg.

    In Ihrem Mail nennen Sie am Schluß Ihre Zugriffszahlen.

    Das sind die aktuellen Daten des Luftmuseums:

    Gesamtbesucherzahlen
    2017: 189249 Besucher

    Tendenz steigend:
    2018 (01.01. – 21.02.2018)
    ca 21000 Besucher durchschnittlich pro Monat

    2017:
    ca 15770 Besucher durchschnittlich pro Monat

    Ein paar weitere Zahlen:
    In den vergangenen 12 Jahren seines Bestehens hatte das LUFTMUSEUM
    – ca. 100.000 Museumsbesucher
    – ca. 1400 Führungen von Erwachsenengruppen, Schulklassen, Kindergärten, etc.
    – ca. 200 Kindergeburtstage im Luftmuseum
    – ca. 80 LUFTSAMSTAGE (Kunstvermittlung im Luftmuseum)
    – elf Luftboottreffen
    – acht Weihnachtsmärkte
    – über 94 Wechselausstellungen (jährlich mindestens acht Sonderausstellungen) im Erdgeschoß
    und der gotischen Hauskapelle, in denen es zeitgenössische und internationale Positionen aktueller Kunst, Architektur, Design und Technik zeigte
    – es gibt Vorträge über zeitgenössiche Kunst, Architektur und Design
    – wir bieten ein Live-Musikprogramm mit außergewöhnlichen und z.T. einzigartigen Klangerlebnissen, so z.B. beim „Orgel-Konzil“, Koflgschroa oder die „Aerophonie“ mit einer eigenen
    Luftmuseums Komposition
    – wir zeigen nationale und internationale Aussteller (aus Kanada, Japan, Niederlande, England, Finnland, Slowenien, Österreich, Schweiz, Frankreich etc.)
    – uns besuchen überregionale und internationale Besucher

    Das LUFTMUSEUM ist ganzjährig geöffnet.

    Das LUFTMUSEUM
    – den Museumspreis der Mittelbayerischen Zeitung Regensburg 2009
    – den dm-Markt Preis Deutschland 2009 „Sei ein Futurist“ für das museumspädagogische Konzept der Luftlehrerinnen im „Fliegenden Klassenzimmer“
    – den Förderpreis der Internationalen Bodenseekonferenz für innovative Kulturvermittlung, St. Gallen 2009
    – den SIEMENS Förderpreis der Metropolregion Nürnberg 2013.

    Die regionale und überregionale Berichterstattung ist umfassend und medienübergreifend. Im Bayerischen Fernsehen gab es eine Vielzahl von kurzen und längeren Berichterstattungen, u.a. ein 25 minütiges Museumsportrait, eine Live-Sendung der Abendschau aus dem Museum etc. Im Radio gab es auf BR1, 2 und 5 unzählige Berichte über das Museum und unsere Sonderausstellungen und Veranstaltungen, u.a. sendete der „Zündfunk“ live – ON AIR – aus dem Museum.
    Neben der Mittelbayerischen Zeitung, dem neuen Tag und den Nürnberger Nachrichten berichten die Bayerische Staatszeitung, die Süddeutsche Zeitung, die Neue Züricher Zeitung und diverse Fachzeitschriften wiederholt über unsere Aktivitäten. Die Ausschnitte füllen Ordner und tragen dazu bei, dass das überregionale Interesse und unser Bekanntheitsgrad sehr groß sind. Das Luftmuseum wird oft stellvertretend für Amberg als sehenswerte Attraktion in Publikationen genannt – aktuell im Buch „111 Orte in der Oberpfalz die Sie gesehen haben müssen“, „100 ausgewählte Sehenswürdigkeiten in Bayern“, DB Nordbayern Ausflugstipps, AVISO und „Bayerns Beste“ der Bayerischen Staatsregierung und viele mehr.

    Des weiteren wurde von uns die alle zwei Jahre stattfindende „Luftnacht“ initiiert und der bisher einzige „Luftkunstort“, bei dem sich die Stadt heuer anschickt Luftkunstwerke auch in den öffentlichen Raum zu bringen.

    Und zuletzt im Anhang eine Empfehlung der Süddeutschen Zeitung die uns letztes Jahr besonders gefreut hat.

    Mit luftigen Grüßen
    Wilhelm Koch
    ___________________________________________

    LUFTMUSEUM e.V. – AIR MUSEUM
    Wilhelm Koch (1. Vorstand, Museumsleiter)
    Eichenforstgaeßchen 12 – 92224 Amberg (Germany)
    http://www.luftmuseum.de

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