Tropenmuseum

Besuch am 11.11.2014, der Eintritt kostet 12,50 €. Dauer des Besuchs ca 5 Std. (mit Pause im Café). Das große Museum war gut besucht.

Mit 5 Stunden war dies mein bisher längster Museumsbesuch und ein sehr kurzweiliger. Am Schluss war ich erstaunt, wie die Zeit vergangen ist. Das Tropenmuseum in dem Gebäude aus dem Jahr 1926 ist mit seinem großen Lichthof nach der Art alter Einkaufsgalerien ein imposanter Bau, eine entsprechende Ausleuchtung verstärkt diesen Eindruck, so dass man allein durch das Gebäude gefangen genommen wird.

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Indem das Museum auch die eigene Geschichte seit den Zeiten von Georg Eberhard Rumpfs Raritätenkabinett um 1700 thematisiert, kann man seine Entwicklung vom Kolonialmuseum mit dem Auftrag der Erfassung und Vermessung der Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt zur besseren Nutzung für holländische Interessen hin zu einem modernen Völkerkundemuseum gut nachvollziehen.

Dabei werden die Lebensweisen der verschiedenen Völker in Asien, Amerika und Afrika in ihrer Entwicklung bis in die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts mit eindrucksvollen Exponaten vorgestellt, sei es durch den Nachbau des Wohnumfeldes, seien es Begräbnisse und mythische Vorstellungen, seien es Feste, Musik oder die Schaffung der Ernährungsgrundlagen – in Originalen wie in Modellen.

Auch hier werden moderne museumsdidaktische Medien eingesetzt, aber in einer dezent abgewogenen Form, die sich der unterschiedlichen Betrachtungsweise der Besucher anpasst, nicht umgekehrt deren Anpassung voraussetzt. Das geht oft mit einfachen Mitteln. Steigt man auf einen im Boden vorgegebenen Fußabdruck, so ertönen die Instrumente, die dahinter in der Vitrine ausgestellt sind. Will man Schlager und Hits der arabischen oder der mexikanischen Welt hören, so genügt ein Druck auf jeweils eine Musikbox, die in einem entsprechenden Umfeld, sprich Kneipensituation aufgestellt ist.

Oder links und rechts einer Basarstraße werden die Geschäfte nicht nur vom Holzladen bis zum Metallrollau unterschiedlich abgeschlossen, die Fenster ermöglichen auch einen Einblick in unterschiedliche Lebens- und Essgewohnheiten. Bis hin zum Gewürzhändler mit Bohrungen im Ladenfenster, so dass der Besucher den Duft mitnehmen kann. Ganz einfach, aber wirkungsvoll. Auf’s Einfache muss man selbst kommen, das Komplizierte kann man kaufen. Deshalb sind einfache Lösungen so selten.

Das Museum besitzt einen Schwerpunkt in den ehemaligen holländischen Kolonien, also dem heutigen Indonesien, Surinam und Niederländisch Antillen. Aber mittlerweile geht es darüber hinaus nach China, in die Mongolei, nach Indien und Afrika. Es zeigt Exponate aus Indien, ein Kino etwa, arabisches und afrikanisches Leben und vermittelt zugleich den Eindruck, dass diese Volker nicht deshalb in meist europäische Abhängigkeit gerieten, weil ihre Kultur unterlegen war, sondern die Kanonen und anderen Waffen.

Die große zentrale Halle des Tropenmuseums bietet Raum für Sonderausstellungen, die das Thema ergänzen. Bei meinem Besuch schloss die eindrucksvolle raumgreifende Installation ‚Gran Parade‘ von Jompet Kuswidananto mit überall zu hörenden akustischen Elementen das ganze Museum zusammen. Kleidungsaccessoires, etwa alte Uniformen oder arabischen Kopfbedeckungen versinnbildlichen jeweils Menschengruppen, die automatisch geschaltete Musikinstrumente bedienen oder in die Hände klatschen.

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