Residenz

Besuch am Samstag, 7.4.2018, 50 min. sowie ca 1 Std. von außen und im Hofgarten. Ich war schon um 1980 (und auch früher als Kind) in der Residenz Ansbach und habe nicht den Eindruck, dass sich in der Besucherbetreuung viel verändert hat. Zur Besichtigung steht das 1.Obergeschoss zur Verfügung. Die anderen Räume bzw. Etagen werden von der Regierung von Mittelfranken genutzt und sind für Besichtigungen nicht zugänglich. Die Residenz Ansbach untersteht der ‚Bayerischen Schlösserverwaltung‘.

Eingangsfront zum Schloss
Foto: Gerd Walther

Das mächtige Gebäude, das auf Ursprünge um 1400 zurückgeht, löste ab 1456 die Cadolzburg als Hauptresidenz der Markgrafen (fortan) von Ansbach ab. Die heutige Ausgestaltung bekam es im Wesentlichen in der Zeit des ‚Wilden Markgrafen‘ Carl Wilhelm Friedrich (1723–1757). Der war (in nicht glücklicher Ehe) mit Friederike Luise von Preußen verheiratet. Deren Schwester Wilhelmine wiederum, Ehefrau des Markgrafen von Bayreuth, verdanken wir in ihren Memoiren hochinteressante Einblicke in das damalige Leben bei Hofe auch in Ansbach. Es war dies ein Zusammenleben der intriganten, rüden Art, das so gar nicht zu den jetzt herausgeputzten leeren Räumen passen mag.

Laut ‚amtlichem Führer‘ durch die Residenz (von 1973) haben wir hier „die bedeutendsten Stilräume des frühen Rokoko in Franken“ in einer „seltenen stilistischen Einheitlichkeit“ vor uns. Denn nach dem Übergang des Markgrafentums an Preußen (1791) und Bayern (1806) wurde das Schloss ohne standesgemäße Bewohner nicht mehr wesentlich verändert. Die 27 zu besichtigenden Räume sind durchgängig von sehr hoher Qualität. Vier davon sind allerdings wegen längerer Umbauzeit nur begrenzt zu besichtigen. Hinzu kommt die sehr schöne, mächtige ‚Gotische Halle‘ aus dem späten 16.Jh. im Erdgeschoss. Hier ist neben einer Ausstellung mit hübschen Ansbacher Fayencen die Kassa untergebracht. Wir haben es mit ausgesprochen schönen und interessant gestalteten Räumlichkeiten zu tun, seien es der Festsaal, das Porzellanzimmer, das Spiegel- oder das Marmorkabinett, um nur einige zu nennen. Mich hat der ‚Gekachelte Saal‘ mit seinen Unmengen an individuell mit Pflanzen, Tieren, chinesischen und Jagdszenen sowie Landschaften bemalten Kacheln an allen Wänden fasziniert.

‚Gotischer Saal‘ mit Ansbacher Fayencen
Foto: Gerd Walther

Aber was hat man nur daraus gemacht! 50 Minuten dauert die Führung. Das sind nicht einmal zwei Minuten pro Raum. Und da soll man dieses eindrucksvolle Schloss kennenlernen, wo man doch allein im Festsaal oder im genannten ‚Gekachelten Saal‘ eine Stunde verbringen könnte? Es ist nicht einmal ein Anreißen der Schätze dieses Hauses möglich, zumal ein weiterer Besuch dasselbe Ergebnis brächte. Das ist kein auch nur ansatzweise adäquater Umgang der ‚Bayerischen Schlösserverwaltung‘ mit diesem ihr anvertrauten Gebäude. Um Missverständnisse auszuschließen: An der Qualität des Führers lag es nicht, der war kompetent, hatte Hintergrundwissen, ging auf meine Fragen gut ein. (Wir waren zu zweit, er und ich.) Hier ist ein qualifiziertes Kennenlernen des Hauses (und seiner früheren Bewohner) nicht möglich, es geht vielmehr um ein Abhaken von Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit. Schade eigentlich, dass die bayerischen Schlösser so weit auseinander liegen, sonst hätte man alle an einem Wochenende durch.

Zu einem anderen Aspekt derselben Misere: Auch im Ansbacher Schloss ist fotografieren (natürlich ohne Blitz) nicht erlaubt. Genauer in den Räumen, die im Rahmen einer Führung zu besichtigen sind (also 95%). Im ‚Gotischen Saal‘ darf man. Man könnte das mit der Bemerkung abtun „Warum einfach, wenn’s kompliziert auch geht“, wäre da nicht am Eingang zur Führung die fatale Begründung des Fotografierverbots: „Weil es ein Museum ist“. Nein, meine Damen und Herren von der ‚Bayerischen Schlösserverwaltung‘. Nicht deshalb, sondern weil wir es offenbar mit einer verkrusteten Bürokratie zu tun haben, an der ein kreativer Umgang mit modernen Formen der Kulturvermittlung spurlos vorübergegangen ist. So sollte man mit einem Schloss (und auch mit interessierten Besuchern) nicht umgehen. Dem Schloss wünscht man ambitionierte Museumsmacher, keine ‚Verwaltung‘. Der Hofgarten mit Orangerie sind schön, ebenso auch das alte Ansbach.

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