Agora-Museum

Besuch am Montag, 4.7.2016, ca 4 Std. Die Agora war von etwa 500 v.(Chr.) bis 500 n.(Chr.) der Markt- und Versammlungsplatz Athens und bildete mit dem Areopag (als Gerichtsstätte), der Pnyx (für die Volksversammlungen) und dem kultischen und politischen Zentrum auf der Akropolis das eng zusammenliegende Herzstück Athens.

Modell der Agora im 2. Jh. n. Chr. Links das heutige Museum in der Attalos-Stoa, rechts der Hephaistos-Tempel Foto: Gerd Walther

Modell der Agora im 2. Jh. n. Chr.
Links das heutige Museum in der Attalos-Stoa,  rechts der Hephaistos-Tempel
Foto: Gerd Walther

Von den meisten Gebäuden auf der etwa 300 x 300 m umfassenden Agora sind nur noch die Grundmauern oder Reste davon erhalten. Allerdings vermitteln Übersichtstafeln (auch auf englisch) mit Grafiken und Plänen eine gute Vorstellung vom Aussehen der Gebäude und ihrer Funktion in der Antike. Markt- und Versammlungshallen, Brunnengebäude, Tempel und Tempelchen, Versammlungsorte für den Großen und Kleinen Rat, auch das Gefängnis, in dem Sokrates wohl doch nicht auf sein Todesurteil gewartet hat, liegen eng nebeneinander. Heraus sticht der Hephaistos-Tempel, der als besterhaltenster Tempel Griechenlands gilt. Geweiht wurde der ab 460 v. begonnene Tempel dem Gott der Schmiedekunst, Hephaistos, und Athene, Göttin des Handwerks. Überlebt hat er so komplett nur, weil später in ihn eine christliche Kirche hineingebaut worden war .

Die Agora wurde von Stoen umfasst, zumindest teilüberdachten Versammlungshallen, die v.a. dem Handel und als Markt dienten. Eine davon, nicht die größte, war die Stoa des Attalos, erbaut 159 – 138 v. Sie wurde 1952 – 1956 für Museumszwecke rekonstruiert und 2003/04 zu den Olympischen Sommerspielen in Athen modernisiert. Man hat also die Agora und das dazugehörige Museum mit den Exponaten, die auf dem Gelände gefunden wurden, nahe nebeneinander. Das 120 x 20 m große zweistöckige Gebäude ist jeweils der Länge nach mittig unterteilt, der vordere Teil ist offen und beherbergt Großplastiken. Im hinteren Teil bietet ein ca. 100 x 10 m großer Raum Platz für kleinere Exponate in Vitrinen. Diese einfache Struktur des Museums kommt einer übersichtlichen Darstellung der Zeit von etwa 3200 v. bis 1200 n. sehr entgegen, wobei der Schwerpunkt der Präsentation beim klassischen Griechenland liegt.

Parfümgefäß in Form eines knieenden Athleten, ca. 540 v. Chr. Foto: Gerd Walther

Parfümgefäß in Form eines knieenden Athleten,    etwa 540 v. Chr.
Foto: Gerd Walther

Die durchweg hochwertigen Exponate, die oft dem Alltagsleben der Athener entstammten, sind links und rechts an den Wänden und mitunter mittig in Vitrinen untergebracht. Sie werden erläutert durch kurze, aussagekräftige Texte, bisweilen Fotos, die ihren Gebrauch erläutern. Zu jeder Zeitspanne, in die das Museum chronologisch gegliedert ist, geben Pläne und Zeichnungen Auskunft über das jeweilige Aussehen der Agora. Es beginnt mit der Jungsteinzeit ab etwa 3200 v., die Eisenzeit ab etwa 1100 v. ist gekennzeichnet durch die Verzierung der Gegenstände mit geometrischen Mustern. Auf sie folgte die archaische Zeit 700 – 480 v. mit der allmählichen Herausbildung demokratischer Strukturen in der Auseinandersetzung mit dem Adel und der Tyrannis sowie der Aufzeichnung des Rechts.

Das klassische Griechenland beginnt mit der Zäsur 480 v., als die Perser Athen zwar letztendlich nicht besiegten, aber zerstörten. Die Klassik im engen Sinn endet mit dem Siegeszug Philipps und Alexanders aus Makedonien, die Athen 338 v. besiegten. Alexander der Große und sein Vater waren ja keine Griechen, sondern erobernde Nachbarn. Allmählich begann die Stadt von ihrer ruhmreichen Vergangenheit zu leben. Die folgende hellenistische Zeit unter den Nachfolgedynastien Alexanders hatte so für Athen durchaus positive Seiten. Sie dauerte bis ins Jahr 86 v., als der römische Feldherr Sulla zunächst einmal vieles platt machte, ehe Athen wieder römisch-antik aufgebaut wurde. Das alles ist schön ohne viel Schnickschnack aus- und dargestellt. Den braucht es auch nicht angesichts der hochwertigen Exponate. Aber für den Besucher ist die einfache Struktur des Museums nach dem Gang durch das mitunter verwirrende Trümmerfeld außen eine hilfreiche Ergänzung und Orientierung, die durch Modelle im Museum vertieft wird. Ein schönes, interessantes Museum. Auch die Annehmlichkeit der gut funktionierenden Klimaanlage sollte nicht unterschätzt werden.

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