Akropolis-Museum Athen

Besuch am Mittwoch, 4.7.2016, ca 3 Std. Erstmals wurde 1863 ein entsprechendes Museum auf der Akropolis eröffnet, 1937 folgte ein Neubau ebenfalls auf der Akropolis. Das jetzige Museum wurde 2009 am Rande der Akropolis errichtet, ein Prestigemuseum des griechischen Staates, deswegen oft hoch gelobt und bisweilen heftig kritisiert. Es hat natürlich etwas für sich, wenn Ausgrabungsstätte und dazugehöriges Museum wie bei der Agora auch räumlich eng verzahnt sind. Aber angesichts großer Besucherzahlen – Wikipedia nennt 5 Mio. Museumsbesucher pro Jahr – macht es durchaus Sinn, Ausgrabungsort und Museum räumlich zu entflechten.

Meist hat man einen Blickkontakt zur 300 m entfernten Akropolis. Natürlich haben solche Museen einen gewissen Bahnhofs- oder besser Flughafencharakter. Da es aber großzügig angelegt ist, hält sich das Gedränge in Grenzen. Das Museum ist so aufgebaut, dass sich mittig der Treppentrakt mitsamt allen nötigen (Sozial-) Räumen befindet. Ab dem 1.Obergeschoss sind die Exponate nach außen zu den Fenstern hin ausgestellt, wenn möglich mit Blick auf die Akropolis. Man kommt an alle Exponate gut hin, häufig sogar von allen Seiten. Der gut gemachte Museumsführer auch auf Deutsch ist sehr hilfreich.

Blick auf das 1.Obergeschoss (Teil) Foto: Gerd Walther

Blick auf das 1.Obergeschoss (Teil)
Foto: Gerd Walther

Vom Kassenbereich im Erdgeschoss mitsamt Shop und Museumscafé geht man über eine breiten mittig angelegten Aufgang entlang an Fundstücken vom Abhang der Akropolis, meist Alltagsgegenständen, aber auch rituellen Stücken aus dem Theater des Dionysos und dem Asklepieion zum 1.Obergeschoss. Man geht auf die Giebelfiguren aus dem archaischen Tempel zu, der zwischen 580 und 565 v.(Chr.) errichtet worden war. Nach rechts geht’s in die weiträumige Ausstellung mit weiteren Exponaten der archaischen Periode: Weihgeschenke, Reiter und Pferde, Koren, also Mädchenstatuen. Die Figuren sind fast durchgängig einzeln aufgestellt, so dass sich die Besucherströme aufteilen und eine ruhige Betrachtung der Kunstwerke von allen Seiten möglich ist. Immer wieder wird die Bemalung der Figuren an Beispielen gezeigt.

Dann kommt man zu Exponaten aus der klassischen Zeit, also nach der Zerstörung Athens in den Perserkriegen 490 v. Sie sind den Propyläen (437 – 432 v. erbaut) zugeordnet, dem Tempel der Athena-Nike (432 – 421 v.) und dem Erechtheion (421 – 406 v.). Natürlich bilden dessen große Frauenstatuen, die Karyatiden, einen wichtigen Blickfang. Es ist etwas irritierend, dass man manchmal fotografieren darf und manchmal nicht. Hier darf man. Eine fehlt und befindet sich wie anderes im British Museum in London, wohin sie durch Lord Elgin 1803 verbracht worden waren. Dies wird immer wieder thematisiert, ist doch der gesamte Museumsbau eine Aufforderung an die Engländer (und andere), endlich das geraubte Kulturgut zurückzugeben, man habe jetzt eine adäquate Unterbringung. Es folgen, ebenfalls wieder räumlich großzügig aufgestellt, Funde von der Akropolis bis hinein in die Spätantike.

Rekonstruktion des Ostgiebels des Parthenons: Geburt der Athena aus dem Kopf des Zeus, rechts sitzt Poseidon (Dreizack), den Athena im Kampf um Attika besiegt (Westgiebel) Foto: Gerd Walther

Rekonstruktion des Ostgiebels des Parthenons: Geburt der Athena aus dem Kopf des Zeus, rechts sitzt Poseidon (Dreizack), den Athena im Kampf um Attika besiegt (Westgiebel)
Foto: Gerd Walther

Das 2. Obergeschoss enthält, abgesehen von einem Multimedia-Center einen weiteren Shop, ein Restaurant und die große Veranda hin zur Akropolis. Dem 447 – 432 v. gebauten Parthenon, also dem Haupttempel mitsamt Schatzkammer der Akropolis, ist das 3. Obergeschoss gewidmet. Man hat diese Ebene so auf die unteren Etagen gesetzt, dass die Ausstellung genau der geografischen Lage des Parthenons entspricht. Auch hier erleichtern Modelle die Zuordnung der einzelnen Exponate. Man kann jetzt fast auf Augenhöhe den Fries und die Metopen, rechteckige Reliefs über den Säulen, betrachten inkl. vorhandener Leerstellen (London). Das ist ohne Zweifel gut gemacht und ermöglicht eine qualifizierte Betrachtung der Exponate in einem klimatisierten, schattigen Raum mit entzerrtem Publikumsverkehr. Es fundiert – und macht Lust auf die stolze Akropolis selbst bei dem sehr starken Publikumsverkehr auf oft engem Raum bei ca. 40° Hitze.

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