Ausstellung ‚Das Reichsarbeitsministerium 1933 – 1945‘ – Berlin

Besuch am Montag, 6.5.2019, ca 2,5 Std. Die Sonderausstellung ‚Das Reichsarbeitsministerium 1933 – 1945 Beamte im Dienst des Nationalsozialismus‘ befindet sich auf dem Gelände ‚Topographie des Terrors‘ neben der dortigen Dauerausstellung. Sie läuft bis zum 8.10.2019 und geht zurück auf die Untersuchungen einer Historikerkommission zur Tätigkeit des Reichsarbeitsministeriums im ‚Dritten Reich‘. Trägerin ist die Stiftung Topographie des Terrors.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

Nun ist es durchaus interessant, die Arbeit dieses eher unscheinbar tätigen Ministeriums zwischen der allmählich endenden Weltwirtschaftskrise mitsamt Massenarbeitslosigkeit und der Vorbereitung auf den geplanten Krieg zu verfolgen. Sie geht einher mit der Zerschlagung der Gewerkschaften als Interessenvertretung der Arbeiter und dem Abbau der Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Dazu all die ‚Sonderbehandlungen‘ von Missliebigen, sog. Asozialien und Arbeitsscheuen (und wie man dazu gemacht wurde), Behinderten, politisch wie rassisch Verfemten. Und dann im Krieg die Orientierung auf den (zuletzt totalen) Kriegseinsatz, die (Wieder-)Einbeziehung von Frauen in den Arbeitsprozess, die Benutzung von Arbeitskräften aus den eroberten Gebieten als Arbeitssklaven. Der große Vorteil dieser Ausstellung liegt darin, dass sie weg geht von den immer wieder gezeigten plakativen Themen im Zusammenhang mit dem ‚Dritten Reich‘, hin zu deshalb nicht minder wichtigen und interessanten Tätigkeitsbereichen des NS-Regimes und seiner Beamten, die man zum größten Teil aus der Weimarer Repubik übernommen hatte.

Die Ausstellung gliedert sich in 6 Themenbereiche. Sie beginnt mit einem Überblick über ‚Struktur und Personal‘ des Ministeriums vor 1933 sowie die Veränderungen durch die Machtergreifung 1933. Der Vorteil des Blicks auf gesellschaftliche Fragen, die nicht im Focus des Interesses liegen, zeigt sich zur ‚Rentenversicherung im Dienst des NS-Regimes‘. Hier wird gezeigt, wie die Nazis Bereiche des Sozialstaats für ihre Zwecke und zur Ausgrenzung nutzten. Ähnliches gilt für den ‚Arbeitsmarkt unter staatlicher Kontrolle‘, einem zentralen Regulierungsinstrument hinter den Kulissen. Im 2.Weltkrieg befand sich die ‚Arbeitsverwaltung im Ausnahmezustand‘. Zugleich verlor das Ministerium zentrale Kompetenzen an NS-Sonderbevollmächtigte, etwa an den ‚Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz‘, Fritz Sauckel. Und auf einmal werden Frauen, die man auch im Arbeitsministerium nach 1933 weitgehend aus dem Berufsleben herausgedrängt hatte, wieder umworben, waren viele Männer doch eingezogen. Es schließt sich die ‚Rekrutierung von Arbeitskräften in der besetzten Ukraine‘ an, wo man die Deutschen in Teilen der Bevölkerung zunächst freundlich empfangen hatte, nicht ahnend, dass man im NS-Regime als ‚minderwertige Rasse‘ galt. So wurde schnell zum Mittel der Zwangsrekrutierung gegriffen, um sog. Ostarbeiter für den deutschen Arbeitsmarkt zu erhalten. Ebenso bezeichnend wie interessant ist der abschließende Abschnitt zur ‚Nachkriegszeit‘, sieht man doch, wie im System der ‚Persilscheine‘ ein Nazi dem anderen zumindest eine „innere Opposition“ zum NS-Regime bescheinigte. So bedeutete eine Tätigkeit im Reichsarbeitsministerium auch in führender Position in aller Regel keinen Karriereknick in der jungen Bundesrepublik unter Adenauers antikommunistischer Westorientierung.

Karikatur in der (Ost-)Berliner Zeitung, 22.9.1953
Foto: Gerd Walther

Unterbrochen wird diese Präsentation durch Biographien 13 führender Beamter des Ministeriums bis hin zu Franz Seldte. Vor 1933 Chef des nationalistisch-antidemokratischen ‚Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten‘, besaß er im Unterschied zu seinen Vorgängern keine Fachkompetenz. Reichsarbeitsminister war er bis zuletzt, wurde 1945 in Nürnberg interniert und starb 1947 im „Krankenhaus des Internierungs- und Arbeitslagers Nürnberg“ in Fürth, dem heutigen Hardenberg-Gymnasium.

Es gibt einen ausführlichen Katalog zur Ausstellung, und hier zeigt sich das Problem: Im Grunde haben wir keine Ausstellung mit spezifischer Gestaltung vor uns, sondern einen an Stellwände angebrachten Katalog. Aber die Vorstellung, man müsse nur viel zum Lesen anbieten, dann tun dies die Besucher auch, ist falsch. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Ein stimulierendes Gleichgewicht von Bildern, Grafiken und Texten, wie es nebenan in der Dauerausstellung gelungen ist, fehlt leider. Der Katalog ist – wie die Ausstellung – interessant.

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