Frauenmuseum Fürth – ‚Ausgekocht?‘ Teil 2

Besuch am Samstag, 17.6.2917, ca. 1,25 Std. Das ‚Museum Frauenkultur Regional – International‘ im Marstall des Schlosses Burgfarrnbach zeigt bis zum 31. Okt. 2017 den 2. Teil seiner letztjährigen Ausstellung ‚Ausgekocht?‘. Träger des Museums ist der Verein ‚Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V.‘

Foto: Gerd Walther

Der 2. Teil der Ausstellung übernimmt sehr viel aus der letztjährigen Präsentation, vieles auch am alten Ort. So etwa die Installation mit Küchenutensilien, das ‚Tomaten-Big-Business‘ mitsamt dem sehr informativen Video mit Erwin Pelzig über den Zusammenhang von Agrarhandel und Flüchtlingsbewegung, die Thematisierung des Zuckerverbrauchs, die ‚Genussküche‘, eine Installation zum Street-Food in Ländern der ‚Dritten Welt‘, den Tisch zu verschiedenen Möglichkeiten gemeinschaftlichen Essens mit der Abbildung zum ‚Nürnberger Friedensmahl‘ 1649 und Beispiele zur Essensbereitung in der ‚Dritten Welt‘, dem Tagesablauf einer Frau in Afrika. Anderes wurde zwar inhaltlich belassen, aber umgehängt. So der Beitrag zum Fleischverbrauch der Deutschen, zum Wandel des Frühstücksverhaltens, zu unterschiedlichem Essverhalten von Männern und Frauen. Wieder anderes, etwa der obskure Text zu den ‚weisen Frauen‘ und mittelalterlichen Hexen (siehe hierzu meinen Beitrag unter ‚Ausstellungen Archiv‘) wurde zwar belassen, aber durch ein sachlicher gehaltenes Umfeld abgemildert.

Natürlich kann man das machen. Die Präsentation ist interessant, insgesamt gut gemacht, informativ. Das kann man schon zwei Jahre hintereinander anschauen. Zudem arbeitet das Museum ziemlich oft mit Kunstwerken und -installationen. Es wird aber auch Leute geben, die sagen, das kennen wir schon, was gibt’s denn Neues? Ein Anreiz zu einem starken Publikumszuspruch wird damit zunächst einmal nicht gegeben. Die Ausstellung wird allerdings von einem ambitionierten Beiprogramm begleitet, aber das ist der Salat.

Neu, zumindest großteils neu, sind an Teleskopstangen zwischen Fußboden und Decke befestigte Infos – Texte und Fotos zumeist der dazugehörigen Frauen. Das ist zunächst einmal gut gemacht, gibt der Ausstellung eine gewisse Leichtigkeit und verstärkt die Tendenz des letzten Jahres, ohne erhobenen Zeigefinger auszukommen. 18 Frauen und ihre Projekte werden mit nicht allzu langen, aber prägnanten Texten vorgestellt, dazu jeweils ein großes Foto. Einige Frauen sind schon vom letzten Jahr her bekannt, so das Essverhalten einer Wanderin in Neuseeland, die Frau(en) mit dem rosa Food-Truck ‚Sandybel‘, die Chefin des Lokals ‚Würzhaus‘. Mitunter werden Projekte wie Slow-Food oder die Beratungsstelle für Frauen mit Essstörungen in Nürnberg vorgestellt. Sehr oft kreisen die Frauen mitsamt ihren Projekten um Aktivitäten der (Selbst-)Integration von Flüchtlingen, allgemein Menschen aus bzw. in anderen Teilen der Welt.

Ästhetisch hat das Museum durch die Herausnahme der Säulenverkleidungen nicht gewonnen.
Foto: Gerd Walther

Aber nicht selten wähnt man sich (ich mich) eher in einer Messe für Start-Up-Frauen-Projekte einer (meist) gesunden Ernährung als in einem Museum. Natürlich kann man auch das machen und auch qua Visitenkarte oder sonstwie zu einem persönlichen Kennenlernen der Projekte, die häufig im Großraum angesiedelt sind, einladen. Aber ich hätte mir in einem Museum doch eine deutlichere historische Einbindung gewünscht – ohne den Frauen ihren beruflichen Erfolg zu neiden. Es ist eigentlich kein weiter Weg von einer Alltagsaktualität zu ihrer historischen Dimensionierung. Dabei sind Ansätze vorhanden, etwa bei der Rezeptbloggerin aus Serbien mit dem handgeschriebenen Rezeptheft der Oma über ‚vergessene Leckerbissen‘. Impulse zum Wandel gibt es ja nicht nur zwischen Kulturen, sondern auch in der Zeit, in einem selbst.

Sei’s drum, die Ausstellung ist auch in diesem Jahr wieder sehenswert, vor allem für die, die sie 2016 versäumt haben. Im nächsten Jahr soll’s ja wieder was richtig Historisches geben zum 210. Stadtjubiläum Fürths.

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