Jüdisches Museum Fürth – Ausstellung ‚400 Jahre Altschul‘

Besuch der Sonderausstellung ‚Von Glanz, Zerstörung und Verlust – 400 Jahre Fürther Altschul‘ am Dienstag, 1.8.2017, ca. 1,5 Std. Träger des Jüdischen Museums Franken in Fürth, Schnaittach und Schwabach ist ein Trägerverein, dem diese Gemeinden und der Bezirk Mittelfranken angehören. Die Ausstellung geht bis zum 29.9.2017.

Die Synagoge, steht im Heft ‚Synagogen in Fürth‘ des Jüdischen Museums aus dem Jahr 2000, „dient nicht nur als religiöses, sondern auch als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Gemeinde.“ Eine Synagoge ist also (mehr als bei Christen) ein Versammlungsort der lange Zeit nur männlichen Gemeindemitglieder. Sie ist v.a. mehr als ein Gebäude. Da könnte man erwarten, dass das Jüdische Museum mit der 1617 geweihten Hauptsynagoge und ihrem Umfeld einen Einblick in das Leben dieser Gemeinde gibt. Wenn nicht hierbei, wann dann?

Bei einer anderen Bodenplatte hätte man einen ganz anderen Eindruck
Foto: Gerd Walther

Die Ausstellung beginnt mit der Vorstellung der meist in der Pogromnacht 1938 zerstörten Gebäude um den ‚Schulhof‘. Die Altschul, die Neuschul, die Klaus, die Mannheimer Schul, das Rabbiner- und das Mesnerhaus, das Schlachthaus werden mitsamt Lageplan zwar gezeigt, aber das war’s dann. Keine weiteren Erläuterungen, etwa warum es denn vier Synagogen am Ort gab. War es nur wegen des Wachstums der Gemeinde oder zugleich ein Hinweis auf unterschiedliche Strömungen in der Gemeinde? Haben sich doch auch in Fürth z.B. ab dem späten 19.Jh. liberale und wohl tendenziell reichere ‚Fürther‘ Juden mit meist orthodoxen Flüchtlingen aus den Pogromgebieten im Osten ordentlich gefetzt. Von den Juden ohne jüdischen Glauben gar nicht zu reden. Hier hätten die verschiedenen Synagogen einen Weg eröffnet, die jüdische Gemeinde differenzierter, lebendiger zu betrachten, weg zu kommen von „der“ (!) jüdischen Gemeinde als erratischem Block. Eine Außensicht, von der oft vereinfachend-populistisch Gegner der Juden Gebrauch machen.

Der nächste Raum zeigt zwei Bildeinheiten zu den Themen ‚Altschul‘ und ‚Schulhof‘, ohne dass diese Zuordnungen faktisch getroffen werden. Das ist schönes Bildmaterial, meist auch mit vielen Menschen, etwa von Boener (1702/05), Kirchner (1724) und Wilder (1832), um nur die Grafiker zu erwähnen. Aber die A4 bis A5 großen Bilder bleiben bis auf archivalische Grunddaten unkommentiert. Keine vertiefende Kurzbeschreibung, keine Vergrößerung, die einen genaueren Blick in das Gemeindeleben ermöglicht. Dominiert wird der Raum durch das Modell der ‚Hauptsynagoge‘ aus der Dauerausstellung. Ein Modell hat jedoch auch sein Eigenleben. Hier steht es auf einer unterleuchteten Milchglasscheibe, die der Synagoge einen fast mystischen Zug gibt. Entspricht das der hier geübten Religiosität, bzw. wann? Mich erinnert der jetzt erzeugte Grundcharakter eher an den Mystizismus chassidischer Strömungen im Judentum (s.o.). Hier wird unkommentiert ein Modell, dessen bauliche Wiedergabe sicher richtig ist, mittels Ausleuchtung auf eine ganz andere Ebene gehoben. Auch beim Ausstellungsflyer und einem Beiheft wird durch eine dunkelblaue Farbe ein Inhalt suggeriert, ohne dass dieser verifizierbar oder falsifizierbar ist.

Die Versamlung in der alten Judenschul, wie sie von inen anzusehen, hier koloriert
J.A. Boener, 1705

Im letzten Raum sind zunächst unter dem Thema ‚Glanz‘ fünf hinterleuchtete Fotos – Kirchenfenstern ähnlich – ausgestellt, wodurch der Raum wohl in Korrespondenz zum Synagogenmodell einen ins Sakrale gehenden Charakter erhält. Lieber wäre mir gewesen, man hätte v.a. die vier sehr interessanten Aufnahmen von Paul Seligmann von ca. 1936 ansatzweise erläutert. Wieso dann auch die zehn Fotos von der ‚Zerstörung‘ bzw. den Aufräumarbeiten 1938/39 hinterleuchtet sind, verstehe ich ausstellungsdidaktisch nicht. Zudem bieten die zehn Aufnahmen in ihrer Abfolge inhaltlich wenig Neues. Ein Beiheft zur Ausstellung enthält viele Infos, die man sich in der Ausstellung selbst bei den Abbildungen wünscht. Die Chance, mit dem 400.Jubiläum der Fürther Hauptsynagoge einen Einblick in das vielfältige Leben der jüdischen Gemeinde Fürths zu geben, bleibt hier erstaunlich ungenutzt.