Museum Frauenkultur Fürth – Wie weiblich ist die Stadt?

Besuch am Samstag, 19.5.2018, ca 1,5 Std. Die diesjährige Ausstellung im ‚Museum Frauenkultur regional – international‘ behandelt die Lebenssituation der Frauen/von Frauen in Fürth (ca 130.000 Einwohner) und den Partnerstädten Limoges (135.000 E.) in Mittelfrankreich, Marmaris (90.000 E.) am Meer in der Südwesttürkei, Paisley (77.000 E.) im Großraum Glasgow in Schottland, Xyliokastro (7.000 E.) im Isthmus von Korinth in Griechenland und Midoun (64.000 E.) auf der Insel Djerba in Nord-Tunesien, mit der die Verbindungen enger werden. Träger des Museums ist der Verein ‚Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V.‘. Die Ausstellung geht mit ausgedünnten Öffnungszeiten bis zum 31.10.2018.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

Wir haben es mit recht unterschiedlichen Lebensräumen zu tun, deren einigendes Band ihre – eher zufällige – Partnerschaft mit Fürth ist sowie die Tatsache, dass jeweils etwa die Hälfte der Einwohner Frauen sind. Also eine überaus spannende Grundkonstellation, aus der das Frauenmuseum auf seiner rel. kleinen Fläche viel gemacht hat. Dabei werden drei Schwerpunkte miteinander verknüpft. Folgt man dem Gang der Ausstellung, so befindet man sich zunächst in einem oft witzig, auch selbstironisch, auf jeden Fall liebevoll künstlerisch gestalteten Bereich zum Thema, was frau ist, bzw. wie frau sich sieht. Es schließen sich Einblicke und Statements von Frauen im jeweiligen Stadtkontext an, wie frau sich fühlt, inwieweit die Städte unterschiedliche Orte für ein möglichst selbstbestimmtes Leben bieten, wenn frau es denn möchte. Hinzu kommen Portraits einzelner Frauen – lebender und auch toter – in den sechs Städten. Am Ende liegt eine eher sachlich-faktische, leicht textlastige Darstellung zu Strukturen in den jeweiligen Städten, zu Alterspyramiden, Einkaufs- und Freizeitangeboten, Gesundheitsversorgung, Bildungsmöglichkeiten etc etc. mit Fürth als Schwerpunkt. Hier hätte ich mir mitunter einen kritischeren Umgang mit einzelnen, derzeit inflationär gebrauchten Begriffen gewünscht, etwa dem der ‚Fair-Trade-Stadt‘. Im Fadenkreuz zwischen den Werbe- und Imageinteressen großer Handelsketten (als Mitverursachern von Ungleichgewichten) und seiner Funktion als Beruhigungspille für Engagierte angesichts aktueller Probleme wäre etwa der Anteil von ‚Fair-Trade-Produkten‘ am Gesamtumsatz der jeweiligen Betriebe interessant. Aber das nur am Rande.

El Dorado, Luz Lizarazo,
Fotodruck im Lichtkasten, 2010

Natürlich kann die Ausstellung das Thema nur anreißen, zum Weiterdenken animieren, indem viele Impulse einen kreativen, kurzweiligen, informativen und spannenden Aufenthalt gewährleisten. Sie ist zugleich ein Beleg dafür, dass man/frau mit einem Thema durchaus spielerisch umgehen und zugleich in die Tiefe gehen kann, vielleicht sogar deshalb. Da sind etwa – was natürlich auch Mann fasziniert – Einblicke in 15 Handtaschen, dazu ihre Besitzerinnen, die man wechselseitig zuordnen kann. Nehmen wir die filigranen Fenstergitter zwischen Schutz und Isolation. Sehr gut hat mir ein Film aus der Fürther Fußgängerzone gefallen, der nur die Beine der Vorbeilaufenden zeigt. Oder ‚Das kleine Rasenstück‘ zur großen Welt der Kleingärten mit ihrem Hang zum gleichförmigen Detailreichtum. 24 ‚LieblingsOrte‘ Fürther Frauen hängen im Kontrast zu Fotos von Frauen im historischen Fürth und den Mill Girls in Paisley aus der heroisch-schrecklichen Vergangenheit der Weberinnen dieser Stadt. Man sollte sich die Zeit nehmen und genau hinschauen, dann erfährt man auch am Rande Erstaunliches. Etwa dass die Arbeitslosigkeit in Limoges 19% beträgt oder dass die Wasserversorgung in Midoun zunehmend mittels Tankwagen geschieht, weil die Hotelpaläste am Meer einen so hohen Wasserverbrauch haben.

Frauenleben in sechs Städten in Gegenwart und Vergangenheit. Es ist hier eine sehr leichte, tiefe, lockere, anregende, informative und spannende Ausstellung zur Alltagsgeschichte nicht nur der Hälfte der Bewohner entstanden. Mir hat die nicht sehr große, aber intensive Ausstellung ‚Wie weiblich ist die Stadt?‘ sehr gut gefallen.

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