Stadtmuseum Fürth – Ausstellung ‚100 J. Georg Roth/Norma‘

Besuche am Donnerstag, 4.11. und Sonntag, 14.11.2021, insgesamt ca 1,5 Std. Die Ausstellung ‚Lebensmittelhandel in Fürth – 100 Jahre ‚Georg Roth Filialunternehmen/Norma‘ geht vom 30.9. bis 19.12.2021. Trägerin des Stadtmuseums ist die Stadt Fürth.

Nicht in der Ausstellung: eine Filiale von Georg Roth in den 1950ern in Fürth Bad-/Bogenstraße; Abfotografiert: Gerd Walther

Als ich ca 2007 Manfred Roth beim Neujahrsempfang der Stadt Fürth (bei Pillenstein) auf eine Ausstellung zur Geschichte seiner Firma ansprach, reagierte er sehr zurückhaltend – er möchte auch solche Veranstaltungen offenbar nicht. Ich konnte ihm gerade noch abringen, ihn einmal in der Firma anzurufen, wo mich dann das Vorzimmer abgeschmettert hat. Tenor: Wie kann man denn nur so eine absurde Idee haben. Immerhin haben sich inzwischen die Zeiten geändert. Nun sind Firmenjubiläen für Museen insofern heikel, weil sie als zusätzliche Werbeplattform betrachtet werden. Vergangenes wird entsprechend gestaltet. Kritisches Hinterfragen ist weniger gewünscht.

Die Ausstellung besteht aus 2 Teilen. Mit 60 Fotos (jeweils etwa in A4) werden die Fürther Märkte knapp angerissen: vom Grünen Markt (bis ca 1880) über den Obstmarkt (bis 1938) zur Fürther Freiheit mitsamt Auslagerung (ab 2012) und Rückkehr (2019) , sowie der Bauernmarkt (ab 1999) auf dem Waagplatz. Am Rande erkennt man die prall-bunte Vielzahl inhabergeführter Geschäfte und Lädelchen, die noch bis in die 1950/60er trotz einzelner Kaufhäuser das Einkaufsgeschehen zumindest optisch prägten. Hinzu kommen ca 30 meist ebenso große Fotos zu den Geschäften von Georg Roth bzw. zur Norma. Kaum thematisiert wird leider der Übergang vom klassischen (Filial-) Einzelhändler mit Bedienung zum Discounter, markiert in den späten 1950ern durch ‚RODI‘ als Kürzel für ROth-DIscount in Analogie zu ‚Aldi‘. Bei Beibehaltung von Verkaufstheken für Wurst etc kam die Selbstbedienung mit Einkaufskorb, an der Kasse gab’s noch Rabattmarken. Hinzu kommen in der Ausstellung eine alte Registrierkasse, der alte ‚Chef-Schreibtisch (aus dem man wenig macht), eine undatierte und unübersichtliche (alte) Karte mit Filialen. Ein Highlight ist die sehr interessante Gewerbeanmeldung von 1921 (aus der man ebenfalls nichts macht) durch Georg Roth, sen., geboren 1872 in Rohensaas bei Uehlfeld, lt Anmeldung „fr(üher) Ausgeher“, d.h. Bote. Neben einer dürftigen Installation mit Grünzeugs erklären 5 große Texttafeln Hintergründe. Den Abschluss bildet ein interessantes Video-Interview mit dem langjährigen Freund, Pfarrer und jetzigen Vorstand der ‚Manfred-Roth-Stiftung‘, Wilhelm Polster. Die Geschäftsführung der Firma wurde nach dem kinderlosen Tod Roths in einer Stiftung mit Doppelspitze organisiert.

Die Ausstellung besteht aus einzelnen Mosaiksteinchen, aber so richtig deutlich werden weder die Fürther Marktgeschichte noch die von Georg Roth/Norma. Man schwelgt nostalgisch in Fotos zum Einkauf in früheren Tagen, wo ein Museum Entwicklungslinien aufzeigen sollte. So fehlt nach der Firmengründung 1921 die Ausbreitung des Filialbetriebs durch Georg Roth, jun. ab 1922. Pfarrer Polster erwähnt den Besitz eines Mercedes 300 in den 1950ern, ein Hinweis auf Erfolg. Polster ist bemüht, die Norma als einen Ur-Fürther Betrieb darzustellen, was nur begrenzt richtig ist. Denn ‚NORMA‘ bedeutet ‚NORicumMArkt‘, Noricum für Nürnberg. In ihrer Zeitschrift WIM schreibt die IHK-Nürnberg 2010: „Manfred Roth, Gründer der Norma-Firmengruppe mit Sitz in Nürnberg, ist mit 74 Jahren verstorben.“ Nebenbei erwähnt Polster, dass Roth mit dem Wegzug nach Thüringen drohte, wenn Fürth nicht ein passende Gelände zum entsprechenden Preis anböte. Die Fürther Lichtgestalt hat’s gerichtet. Spannend wäre auch zu erfahren, weshalb (fast) die gesamte Belegschaft nach 1959 gegen Manfred Roth aufbegehrte. So etwas macht man ja nicht grundlos.

Inszenieren ist nicht die Stärke des Fürther Stadtmuseums,
Foto: Gerd Walther

Die Ausstellung verpasst mit dem Fürth-Jubel einen Einstieg in Fürther Handelsgeschichte. Hin zur Fußgängerzone mit dem Verschwinden vielfältiger, inhabergeführter Geschäfte, zu Supermärkten an allen Ausfallstraßen, zu Einkaufscentern mit ihrer Halbwertszeit von 25 Jahren und zurück zur Fußgängerzone, in der sich heute auf 800m zwischen Rathaus und Comödie 30 Läden zum unmittelbaren Verzehr befinden. Reste individueller Händlertätigkeit, wo alles von Relevanz über Ladenketten organisiert ist, vom Internethandel ganz zu schweigen. Aber in einer Stadt, in der ein Oberbürgermeister im Wahlkampf „mehr ‚Flair’“ verspricht kurz bevor ein gleichnamiges Einkaufscenter eröffnet, kann man kaum mehr erwarten. Ich habe Manfred Roth öfters samstags in der Filiale in der Hardstraße getroffen. Nicht beim Einkaufen, wie ich zunächst dachte. Nein, er hat wie ein normaler Kunde mit Einkaufswagen – und er fiel wahrlich nicht auf – beobachtet, wie die Kundschaft mit seinem Angebot umgeht. Da war seine Stärke. Mir hat das gut gefallen.