Germanisches Nationalmuseum Nürnberg Ausstellung ‚Monster‘

Die Ausstellung ging vom 7.5. – 6.9.2015.

Besuch am Mittwoch, 12. August 2015, ca. 2 Std. Die Sonderausstellung hat den genauen Titel „Monster – Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik“. Die Ausstellung, die vom 7.5. bis 6.9.2015 zu sehen ist, war gut besucht. Fotografieren ist nicht erlaubt.

Die Ausstellung mit ihren ca. 200 Objekten ist in 3 Bereiche unterteilt: ‚Unheimliche Tiere‘, ‚Wundersame Menschen‘ und ‚Bedrohte Seelen‘. Sie konzentriert sich auf die Zeit seit dem Mittelalter, im wesentlichen also auf die christlich strukturierte Auseinandersetzung zwischen gottgefälligem Sein und dem ins teuflisch-monsterhafte gewendeten Negativbild.

Den möglichen Ansatz, wie denn etwa die Antike, wie nicht vom Christentum geprägte Kulturen mit Monstern umgegangen sind, sofern sie welche hatten, hat man nicht bzw nur durch die Brille abendländischer Kultur verfolgt. Auch den Ansatz, wieso es Monster überhaupt gibt, wem sie nützen, ob sie evtl. sogar einmal ihre Ketten abschütteln und unabhängig wüten konnten – etwa im Hexenwahn des 17. Jhs in Franken – wurde nicht vertiefend verfolgt.

Die Ausstellung erweckt den Eindruck, dass sie primär von Kunsthistorikern gestaltet wurde, nicht von Volkskundlern. Man sieht also viele Monsterdarstellungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Doch anders als im wirklichen Leben erhöht die Menge der Monster nicht den Gruseleffekt, im Gegenteil. Anders als es der spannende Kurztitel erwarten lässt, haben wir es mit einer zwar soliden, aber kreuzbraven Ausstellung zu tun. Nicht Godzilla in seinen besten Anfangsjahren gibt den Ton an, eher Elliot, das Schmunzelmonster.

Das ist schade, denn spannender wäre auch hier das böse, schreckliche Monster, das – wie Medusa auf dem Ausstellungsplakat – einen zu Stein erstarren lässt. Dieses Versprechen aus Titel und Plakat löst die Ausstellung nicht ein. Spannend wäre auch der geniale Umgang der Bauern aus dem Ansbacher Land mit einem Werwolf-Monster im Jahr 1685. Ein Betrüger verwandelt sich zur Strafe nach seinem Tod in einen Menschen fressenden Werwolf, wird von den Bauern in einer Wolfsgrube gefangen, getötet, gehäutet bzw. entfellt, mit Menschenkleidern und einer menschlichen Maske versehen und am Galgen aufgehängt. Das hat doch was, wird aber leider nur kurz angeschnitten.

Spannende Ansätze hätte es also gegeben, die Ausstellungsgestalter beschränken sich aber meist auf eine Reihung verschiedener Monstertypen. Hinzu kommt eine mitunter unnötig flapsige, bisweilen fragwürdige Formulierung. „Warum kein happy end für den Drachen“ heißt es bei Dietrichs Gemälde ‚Jason schläfert den Drachen ein‘ von 1760/1770. Bei Menschen- und Kinderfressern, also beim Kannibalismus steht: „Seit Beginn der Menschheit gibt es das Verbot, seinesgleichen zu töten und zu verspeisen.“ Leider habe ich vergessen, wann die Menschheit begonnen hat, aber es gab bis ins 20. Jh. bei sehr vielen Kulturen einen religiös-rituell motivierten Kannibalismus.

In der Ausstellung sind durchaus viele interessante Bilder, Skulpturen, Plakate, Filme etc. zu sehen. Unter diesem Aspekt lohnt sich ein Besuch allemal, denn das Germanische hat natürlich selbst einen hervorragenden Fundus, der durch viele Leihgaben ergänzt wurde. Aber der reißerische Titel steht zur braven Ausgestaltung deutlich im Kontrast.

Wer heute Monster sehen möchte, geht am besten ins Freibad oder eine Muckibude, um dort Tattoos anzuschauen. Da wimmelt es auf Oberarmen, Rücken oder sonstigen Körperteilen nur so von allergrässlichsten Monstern, häufig schaurig bekrönt durch das menschliche Gesamtkunstwerk.