Historisches Museum Cadolzburg

Besuch am Sonntag, 19. April 2015, ca 45 min. Trägerin des Museums ist die Gemeinde Cadolzburg. Derzeit läuft noch die Ausstellung „Der Erste Weltkrieg – im Kinderzimmer“.

Ein FN-Artikel vom 16.4.2013 erwähnt die Planung von drei Museumsabteilungen unter einem Dach: Ein ‚ortsgeschichtliches Museum‘ in Anknüpfung an das frühere Rangau-Heimathaus. Ein ‚Pisendel-Museum‘ zu Leben und Werk des Cadolzburger Musikers Johann Georg Pisendel. Das ‚Denkmalmuseum‘ mit Befundfenstern zur Baugeschichte des Hauses ist nicht so einmalig wie behauptet, sondern bei solchen Maßnahmen eher Standard und im Freilandmuseum Bad Windsheim oder im Nürnberger Handwerkermuseum auch zu sehen.

Ein Raum im Ausstellungsbereich 'Der Ruhm Pisendels'. Im Hintergrund ein Teil des 'Denkmalmuseums'. Foto: Gerd Walther

Ein Raum im Ausstellungsbereich ‚Der Ruhm Pisendels‘. Im Hintergrund ein Teil des ‚Denkmalmuseums‘.
Foto: Gerd Walther

Es gibt eine freiberuflich tätige Museumsbeauftragte, wie immer das funktionieren soll, die zugleich Kunsthistorikerin, Kulturkuratorin, European Culture Mediator, Betreiberin einer museumspädagogischen Werkstatt etc etc ist.

Am 23.11.2013 berichtet ‚Cadolzburg-online‘ über die Präsentation der neuen Räumlichkeiten, die mit ca. 2 Mio Euro umgebaut worden seien. Auch der Heimatverein, dessen Vorsitzender der Bürgermeister in Personalunion ist, habe fast sein gesamtes Vermögen beigesteuert. Die Eröffnung sei im Frühjahr 2014 geplant.

Ab 16.6.2014 sind das ‚Denkmalmuseum‘ und das ‚Pisendelmuseum‘ mit einer Sonderausstellung zu besichtigen, die Ortsgeschichte werde im November 2014 eröffnet. Das Museum ist sonntags von 10 – 17 Uhr offen, das ist eher wenig.

Die FN vom 13.4.2015 nennt 13 – 17 Uhr als Öffnungszeit. Als ich um 13:30 Uhr hinkomme, ist zu. Eine halbe Stunde später immer noch. Um ca. 14:30 ist dann jemand da, eine Person erläutert die Sonderausstellung. Die Kasse ist nicht besetzt.

Um es deutlich zu sagen: Dass sich jemand verspätet oder ausfällt, ist immer drin. Es ist die Aufgabe der Verantwortlichen, für eine ausreichende Personalplanung zu sorgen. Lt. Aushang ist das Museum um 14 und 16 Uhr wegen Führungen jeweils 30 Minuten geschlossen. Man arbeitet also von vornherein nur mit einer einzigen Kraft. Da sind der Bürgermeister (und Heimatvereins-Chef) und die Museumsbeauftragte gefragt, statt unhaltbare Zustande auf Ehrenamtliche abzuwälzen. Eine Kraft ist zu wenig, einmal pro Woche vier Stunden Öffnung bei 2 Mio € Umbaukosten auch!

Das Museum macht eher den Eindruck der Auflösung als des Aufbaus. Ortsgeschichte war nicht zu sehen. Die Pisendel-Ausstellung wurde gerade abgebaut, die Drähte zur Befestigung hingen noch von der Decke. Bis auf einen Raum war das Museum leer.

Da wäre viel Platz für eine schöne Ausstellung Foto: Gerd Walther

Da wäre viel Platz für eine schöne Ausstellung
Foto: Gerd Walther

In diesem Raum drücken sich 11 Vitrinen mit altem Spielzeug an die Wände, der gesamte Innenraum ist leer. Das Thema ist großzügig ausgelegt. 3 Vitrinen mit Spielzeug vor 1914, 5 Vitrinen 1914-18, 3 Vitrinen nach 1919. Viele Figuren (darunter oft moderne Replika) viele Bücher, auch Schulbücher und Schulmaterialien, einige Brett- und Kartenspiele. In einer Ecke liegen auf einem Schreibtisch zwei Nachdrucke, im Stehen zu lesen, Stühle sind im Nebenraum gestapelt. Das ist eher trostlos, vielleicht war deshalb kein Licht an.

Wieso hat man eine museumspädagogisch versierte Museumsbeauftragte? Warum stellt man kein Klassenzimmer nach mit den entsprechenden Materialien (oder Kopien davon), das Gebäude war doch mal die Schule? Warum kopiert man nicht einige der Spiele, stellt 2-3 Tische mit Stühlen rein und lässt spielen? So erschließt sich doch ein Spiel, nicht durch Anschauen eines bedruckten Kartons hinter Glas, wo die Originale ja auch bleiben können. Ein Tipp: Vielleicht sollte man nicht nur Geld, sondern auch Kreativität investieren.

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