Nürnberg – Ausstellung Körperwelten

Eine Herzenssache – Quelle-Areal

Dauer: 24.10.2014 – 11.2.2015

Besuch am Mittwoch, 14.1.2015, 14 Uhr, ca 2 Std. Es waren 2 Kassen geöffnet, davor jeweils 4-6 Personen. Der normale Eintrittspreis liegt mit 18.-/15.- € hoch, was dem sehr guten Besuch keinen Abbruch tut. Veranstaltet wird die Ausstellung mit Plastinaten von der Gubener Plastinat GmbH/Eventstifter GmbH, also Ausstellungsfirmen.

Man hat seit Jahren viel gehört von der Körperwelten-Ausstellung Gunther von Hagens. Dass hier Leichen ausgestellt werden, dass die Totenruhe gestört werde usw. Geführt wird diese Debatte v.a. von Pfarrern und anhängenden Politikern. Es ist wohl mehr eine Phantomdebatte, die Masse hat längst entschieden: Das gehe die nichts an.

Bei den Besuchern hat dieser Aspekt, dass es sich um Gestorbene handelt, keine merkbare Rolle gespielt, allenfalls einen verstärkenden Grusel-Effekt. Das Publikum zählt nicht zu den üblichen Museumsbesuchern. Das ist nicht negativ gemeint. Lt. Mitteilung haben ca. 230.000 Besucher die Ausstellung gesehen. Das sind über 2000 am Tag. Viele Museen haben das im Monat nicht. Man zahlt auch ohne Murren die hohen Eintrittspreise, die um das 3-4fache über einem Museumseintritt liegen. Daran orientiert man sich nicht, sondern wohl eher am Club (13.- bis 46.- €), der SpVgg (12.- bis 32.- €), einem Konzert z.B. von Brian Ferry (ab 57,40 €).

Warum geht man dann in so eine Ausstellung? Warum geht man in den Louvre, in eine Dürer-Ausstellung in Nürnberg und stellt sich erst mal 1-2 Stunden an wie in der Körperwelten-Ausstellung an Wochenenden. Liebe zur Kunst? Touristischer Masochismus? Oder will man primär – es gibt immer mehrere Gründe, v.a. vorgeschobene – mitreden können, dabei gewesen sein, etwas erzählen können? Oder glaubt jemand, ein Dürer aus der 3.Reihe an 2 Hinterköpfen vorbei ist so toll? Oder glaubt jemand, gute Dürer-Duplikate wären den Besuchern als solche aufgefallen? Im Besucher begegnen sich Dürer und von Hagens, auch wenn’s zunächst hart klingt.

Die Ausstellung Körperwelten ist durchweg professionell gemacht. Man nimmt erst einmal viel Geld in die Hand (das haben Museen in aller Regel nicht), macht eine professionelle Gestaltung, hat ein interessantes Thema, fährt eine umfängliche Pressekampagne, bei der sich auch die Lokalpresse zur werbenden Berichterstattung hergibt. Dann wird verdient.

Die Stimmung in der Ausstellung ist ruhig, interessiert. Man braucht keine Animation, die Besucher bringen Interesse mit. Wie schaut er denn aus, der Mensch unten drunter? Mensch, Muskeln, Körperteile, Blutgefäße. Das interessiert zunächst einmal. Ein Besucher will fotografieren, darf er nicht, obwohl er genau an diesem Körperteil operiert worden war.

Ab etwa der Mitte der Ausstellung lässt dieses Interesse nach, da helfen auch die mitunter skurrilen Installationen nicht, kein auseinandergezogener Radfahrer, kein versunkener Denker. Leise äußert sich, gesprochen zum Mitbesucher, fast keiner kommt alleine, ab und zu ein Scherzchen. Wann denn endlich Frauen gezeigt werden? Wo denn nun zwischen Leber und Milz das berühmte Getränk sei? Bei der Entwicklung des menschlichen Lebens bis zur Geburt bleiben dann fast nur Frauen länger stehen.

Am Schluss wird’s dann noch einmal spannend, da ist fast jeder wieder interessiert. Ich meine jetzt nicht die beiden Vögelnden. Nein, es sind die Plastinate von Fettleibigen, also etwa der Hälfte der Besucher über 30 Jahren. Auweia, so schlimm, hätte man nicht gedacht, schaut ja Sch… aus. Also auch innen drinnen, nicht nur außen. Da kommt noch einmal diese Stille auf wie eingangs, aber nicht die interessierte, sondern die beklommene.

Fotografieren war nicht erlaubt.

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