Stadtmuseum Fürth – Ausstellung ‚Fit für Fürth‘

Besuch am Sonntag, 12.2. und Sonntag, 19.2.2017, insgesamt ca. 2 Std. ‚Fit für Fürth – Sportvereine stellen sich vor‘ heißt die Ausstellung im Fürther Stadtmuseum bis zum 23.4.2017. Man bietet 13 der 54 Fürther Sportvereine eine Plattform, sich in Wort, Bild und mit Exponaten vorzustellen. Trägerin des Stadtmuseums ist die Stadt Fürth.

Natürlich befinden sich die SpVgg und 1860er darunter, aber auch die Privilegierte Schützengesellschaft. Historisch betrachtet tut man ihr keinen Gefallen, sie auf die Ebene von Sportvereinen zu stellen. Oder die Karnevalsgesellschaften Fränkische Kanalflotte und Große Carnevalsgesellschaft Fürther Kleeblatt, selbst wenn sie für ihre Auftritte Tanztrainings anbieten. Bei Faschingsgesellschaften sei ein (schon älterer) Witz erlaubt: ‚Frage: Wie macht man aus einem Trabi einen Sportwagen? – Indem man Turnschuhe hineinlegt.‘ Und es mag sein, dass Sport einen Beitrag zur Integration leistet, aber kein ‚Gastarbeiterverein‘ (das ist sicher politisch nicht korrekt ausgedrückt) kommt vor: Italsud, Turk SV, GSV Omiros etc.

Ausstellungsbereich mit Exponaten des KampfKunstKreises, der Großen Carnevalsgesellschaft und der Soli (von links) Foto: Gerd Walther

Ausstellungsbereich mit Exponaten des KampfKunstKreises, der Großen Carnevalsgesellschaft und der Soli (von links)
Foto: Gerd Walther

Für das Museum ist es zwar vordergründig einfach, die Vereine für die Ausstellungsstücke sorgen zu lassen, aber was bekommt man? Meist liefern die Vereine Gruppenfotos einzelner Abteilungen mit möglichst vielen Mitgliedern – und die sind nun mal so spannend wie ein Klassenfoto, auf dem man niemand kennt. Gut hätte hier die Ausstellung ab und zu ein gutes Großfoto strukturiert. Und natürlich heben die Vereine ihre Spitzenleistungen hervor, mal in tabellarischer Form, mal im fortlaufenden Text. Es ist hauptsächlich den älteren Vereinen mit ihren oft interessanten Exponaten zu verdanken, dass diese Tendenz zur Eintönigkeit immer wieder unterbrochen wird.

Im Umgang mit historischen Einordnungen ist das Museum nicht immer genau. So wollte der Turnvater Jahr 1811 nicht „preußische Soldaten“ ertüchtigen, wie der Flyer schreibt. Seine in nationale Bestrebungen eingebaute Leibesertüchtigung des Volkes richtete sich sowohl gegen den äußeren (französischen) Feind als auch gegen die eigenen Fürsten, wofür diese ihn 1819 für 5 Jahre einsperrten. Da heißt es „In der Zeit des Nationalsozialismus schalteten sich viele deutsche Sportvereine, falls sie aus politischen Gründen nicht ganz verboten wurden, im Zuge der ‚Arisierung‘ gleich…“ Die schalteten sich nicht gleich, die wurden gleichgeschaltet oder verboten. Viele Sportler wollten nur retten, was ging, man wollte ja weiterhin Sport betreiben. Und auch unter Arisierung versteht man mehr, als den Ausschluss jüdischer Mitglieder, selbst wenn das aufschlussreiche Protokoll des TV 1860 den Begriff Arierparagraph verwendet, als man Juden ausschloss. Dazu sollte man wissen, dass schon vor 1933 fast der gesamte SA-Sturmbann 24 den 1860ern beigetreten war.

Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung des TV 1860 am 9.4.1933 Foto: Gerd Walther

Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung des TV 1860 am 9.4.1933. Übertragung in Maschinenschrift im Anhang.                Foto: Gerd Walther

Um 1900 entstand ein breites Angebot an Sportvereinen, bürgerlichen, Arbeitersportvereinen, religiös fundierten. Sie bilden bis heute das Grundgerüst der Fürther Sportvereine, auch wenn es die Arbeitersportbewegung in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr gibt. 1920 war nicht nur die Spielvereinigung Deutscher Fußballmeister, sondern bei den Arbeitersportlern auch der Tuspo. Und Max Voigt vom Kraftsportverein erboxte sich auf der Arbeiterolympiade 1931 in Wien im Weltergewicht Gold. Es besteht bei solchen Ausstellungen natürlich die Gefahr, dass man immer die gleichen Spitzenleistungen anführt. Hier sind es gerade auch die jüngeren Vereine, die andere Akzente setzen, neue Namen nennen, den Blick auf Unbekannteres lenken, was ja die Leistung von Schwarzmann, Kannenberg, Ertl, Mai, der SpVgg, den 1860ern etc. nicht schmälert.

Fürther Sportgeschichte könnte durchaus spannender und abwechslungsreicher präsentiert werden, etwa indem familiengerechte sportliche Animationen wie eine Indoor-Minigolfbahn, ein Kicker, ein Flugsimulator etc. die Besucher aktiv werden lassen oder Videos eine Auflockerung inmitten der Gruppenfotos bieten. Und ‚Fit für Fürth‘ sollten eigentlich nur die Profis etwa der Spielvereinigung sein, den allermeisten Sportlern reicht es sicherlich, fit in Fürth zu sein. Aber insgesamt kriegt man noch die Kurve.

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