Stadtmuseum Fürth – Ausstellung ‚Hopfen und Malz‘

Ausstellung
‚Hopfen und Malz – das Fürther Brauwesen in Geschichte und Gegenwart‘
Dauer der Ausstellung 22. Juni – 22. Dezember 2013

Besuch der Sonderausstellung an Allerheiligen, 1. November 2013, ca. 45 min. Es waren noch etwa 5 Personen in der Ausstellung, die im linken Flügel des Museums untergebracht und nicht sehr umfangreich ist. Ein mittelgroßer Raum, dem sich ein länglicher Raum anschließt, davor die kleine Ausstellung zu Ludwig Erhard.

Im mittelgroßen Raum steht ein relativ kleiner Monitor mit einem Stummfilm von ca. 1920 über die Brauerei Humbser, das Highlight der Ausstellung. Der etwa 25 min lange Film ist mit keinem Ton unterlegt. Irgendwann wird auch der interessanteste Stummfilm ohne Lautuntermalung langweilig.

Berühren und hinsetzen nicht erlaubt. Foto: Gerd Walther

Berühren und hinsetzen nicht erlaubt.
Foto: Gerd Walther

Daneben ein Wirtshaus-Gartentisch mit vier dazugehörigen Stühlen, wie er auch heute noch üblich ist, wenn man nicht Bierbänke aufstellt. Etwas befremdlich das Blümchen darauf, ganz befremdlich, dass man lt Hinweisschild nichts berühren darf und hinsetzen erst recht nicht. Dabei gibt’s das heute noch so (bis auf das Blümchen) in fast jeder Gartenwirtschaft. In einer Ecke ein großer Hopfensack, an den Wänden Fotos und Dokumente zu den Fürther Brauereien, Werbetafeln für außen und innen. Dazu ein Stadtplan, auf dem Standorte Fürther Brauereien im Laufe der Zeit eingezeichnet sind. Flach an den Wänden einige Brauereifahnen.

Im anschließenden länglichen Raum folgen Hoch- und Flachvitrinen in der Reihenfolge: Hochvitrine mit 4– 5 Bierkrügen, Flachvitrine mit 2-3 Dokumenten, Hochvitrine mit 4-5 Bierkrügen, Flachvitrine mit 2-3 Dokus, Hochvitrine mit … Gleiches an der anderen Wand.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Brauereigeschichte, Wirtshausgeschichte, Geschichte von Biertrinkern wird da heruntergebrochen auf das Kunstgewerbeniveau einzelner schöner Bierkrüge. Eine triste Ausstellung, ein öffentlich gemachtes Archiv ohne museumsspezifischen Gestaltungswillen. Vitrine, Exponat, Kurzbeschriftung, tot. Keiner Milchgaststätte wünscht man so etwas, nicht einmal einer Limobude. Dabei geht es um Massenberauschung.

Innerhalb kurzer Zeit hätte man eine ordentliche Ausstellung daraus machen können. wenn man’s denn könnte. Warum hat man das Video als zentrales Dokument nicht mit Beamer groß an die Wand geworfen? Davor der Biertisch oder mehrere, an die man sich natürlich setzen soll und Bier (oder etwas anderes) trinken darf und soll. Die Fahnen hängen nicht flach an den Wänden, sondern im rechten Winkel dazu, wie im Bierzelt, im Geismannsaal. Diese Ausstellung scheitert wie damals die Verlegung des Pokulators aus dem Geismannsaal in die neue Stadthalle. Es gibt keine Sensibilität für das Thema.

Es geht um ein Fest zunehmenden Rausches, des Rausches aus dem Alkohol und aus der Geselligkeit, dem Zusammensein, mit allen Höhen und Tiefen. Natürlich war der Pokulator ein Massenbesäufnis, deshalb ist er bis heute berühmt-berüchtigt. Wer das nicht anerkennt, sollte nicht solche Ausstellungen konzipieren – und dann Blümchen hinstellen.

Dazu kann man in Fürther Kneipen O-Töne aufnehmen, die als Hintergrund-Geräusche zur Ausstellung und zum Film laufen. So eine Ausstellung darf nicht still sein, man muss Kneipenatmosphäre schaffen. Evtl. könnte man daraus ein Quiz entwickeln, ein Kneipen-Raten. Dazu kann man in die Ausstellung einen leichten Malz-Trebern Duft geben, damit über der Ausstellung ein Geruch liegt wie früher über Fürth bei Humbser, Grüner, Geismann, heute noch bei der Zirndorfer Mälzerei. Fertig wäre eine schöne Ausstellung

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