Freilandmuseum – Ausstellung ‚Johann Christian Reinhart‘

Besuch am Donnerstag, 1.10.2020, ca 1 Std. Die Sonderausstellung ‚Johann Christian Reinhart (1761 – 1847) – ein Deutschrömer aus Hof‘ trägt den Untertitel ‚Pfarrersohn, Maler, Lebenskünstler‘. Gezeigt werden v.a. Radierungen aus der Sammlung des zeitweise in Hof wirkenden Pfarrers Heinz Schuster, die er jetzt dem Freilandmuseum geschenkt hat. Sie läuft noch bis 13.12.2020 im ‚Museum Kirche in Franken‘ des Freilandmuseums. Träger des Museums ist der Bezirk Mittelfranken.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

1761 wurde Reinhart als Sohn eines Pfarrers, der 1764 starb, in Hof geboren. Ohne Haupternährer ist das Leben eher karg, begabt beginnt er das Studium der Habenichtse Theologie in Leipzig. Die Biografie ist nicht unähnlich der des 2 Jahre jüngeren Jean Paul, Pfarrersohn aus der Umgebung von Hof, auch Theologiestudent in Leipzig. Doch während sich Jean Paul für’s Dichten entschied, lag Richters Leidenschaft im Zeichnen und Malen. Beide prägte die Zeit zwischen Idealismus und Romantik. Dabei hatte Reinhart Glück, dass er häufig Mäzene fand, die ihn förderten, mitnahmen auf ihren Reisen zur Dokumentation. So entstanden Bilder, häufig Radierungen, wegen ihrer einfachen Reproduzierbarkeit ein Vorgänger der Ansichtskarten für gehobene Stände. Wer konnte ist gerne und viel gereist. Und fast noch lieber hat man darüber illustrierte Reiseberichte veröffentlicht. Es ist auch eine Zeit des Aufbruchs. In Sachsen gehört er zum Freundeskreis Schillers, später ging’s im Gefolge des Herzogs von Meiningen an den Rhein. 1789 erhielt Reinhart ein Stipendium seines Landesherren, dem Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, für eine Reise nach Rom – Traumziel aller von der Antike begeisterten Künstler spätestens seit Goethe.

Dort blieb er bis zu seinem Tod 1847, auch wenn’s nach der Abdankung seines Landesherren 1791 mit dem Stipendium erst einmal aus war. In seiner geselligen Art wurde er ein Zentrum der dortigen Künstlerkolonie. Selbst als er bekannt war – seine Druckgrafiken mit idealisierten, aber nicht realitätsfernen italienischen Landschaften, seine Tierdarstellungen fanden eine weite Verbreitung, seine Gemälde erhöhten die Reputation – war er immer auch auf der Suche nach Mäzenen für eine materielle Grundsicherung. Ab 1825 erhielt er vom Bayernkönig Ludwig I. eine Pension, 1839 wurde er Hofmaler. Im Alter war das hilfreich.

Es gelingt der nicht sehr großen Ausstellung ähnlich den Radierungen ein fast leicht hingeworfenes Bild vom Leben eines Künstlers, der Zeitumstände und seiner Stellung in der Gesellschaft. Umschlossen wird alles von knapp 50 Radierungen, Karikaturen, Aquarellzeichnungen sowie einer Reproduktion seines Gemäldes ‚Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimarchos‘ ein Jahr vor seinem Tod, ein Auftragswerk für Ludwig. Natur dominiert seine Zeichnungen, mächtige Bäume gewähren einen Blick in die italienische Landschaft, darin oft eingebettet eine kleine Szene, mitunter religiös fundiert, aber Nazarener war er nicht. Auch Pfarrer werden Radierungen gekauft haben, die über Verleger wie Frauenholz in Nürnberg vertrieben wurden.

J.C.Reinhart, In Civita Castellana I, Radierung, 1794
Foto: Gerd Walther

Mit wenigen Andeutungen zeigen sowohl Reinhart wie auch die Ausstellungsmacher*innen viel. Etwa bei seinen Reiseutensilien 1789: Pistolen (Räuber), Bettlaken (Ungeziefer), Vorhangschlösser (die Türen sind ohne Schloss), diverse Pässe und Währungen (Kleinstaaterei). Natürlich hatte er viele Bücher und seine Malutensilien dabei. Als ihm unterwegs das Geld ausgeht, nimmt ihn mitsamt großem Koffer eine Kunstreitergruppe mit. Zwei Monate war er unterwegs.

Eine Videostation zeigt, wie Radierungen entstehen, eine Hörstation gibt den zum Mitlesen daneben ausgestellten Brief der mittellosen Mutter an einen Lehrer mit der Bitte um Unterstützung wieder. Eine weitere Hörstation enthält einen Ausschnitt aus Seumes ‚Spaziergang nach Syrakus‘ von 1803 mit einer Karikatur Reinharts als Titelblatt. Nicht allzu lange, fundierte Texttafeln strukturieren die Ausstellung, bei der immer das künstlerische Werk im Mittelpunkt bleibt. Die spannende, informative und angenehm unaufgeregte Ausstellung ermöglicht tiefe Einblicke in ein Künstlerleben in der 1. Hälfte des 19. Jhs.