Freilandmuseum – Baugruppen ‚Technik‘ und ’20.Jahrhundert‘

Besuche am Montag, 2.9.2019 und am Samstag, 5.10.2019, insgesamt fast 2 Std. Die Baugruppen ’20.Jahrhundert‘ sowie ‚Technik und Gewerbe‘ liegen räumlich wie thematisch am Rand des ‚Fränkischen Freilandmuseums‘ hinter der Baugruppe West. Die Baugruppen umfassen die beiden großen Maschinenhallen, die Ausstellung zu den Kriegerdenkmälern, eine Notwohnung sowie ein Stahlhaus, das jüngste Gebäude im Museum, dazu neben einem Windrad eine Tabakscheune, eine Ziegelei, einen Steinbruch und eine Gipsbrennerei. Trägerin des ‚Fränkischen Freilandmuseums‘ ist der Bezirk Mittelfranken.

von links: ‚Bauernschlepper‘, Deutz, Bj. 1936-42; Ackerschlepper, Hanomag, 1955; Kettenschlepper, Hanomag, 1954                                                                          Foto: Gerd Walther

Da ist zunächst die enorm große Scheune aus Erkersheim mit dem Anbau für einen Göpel, bei dem tierische Kraft zum Antrieb diverser Geräte umgesetzt wird. Etwa 200 m entfernt liegt die ursprünglich offene Lagerhalle aus Hammelburg/Mögeldorf. Beide zeigen die Entwicklung landwirtschaftlicher Maschinen seit etwa 1850 bis in die 1960er Jahre. Dabei geht es um weit mehr als um neue Antriebs- und Arbeitsmaschinen. Die gesamte dörfliche Sozialstruktur erfuhr durch die Technisierung der Landarbeit einen tiefgreifende Änderung weg von der arbeitskräfte- und zeitintensiven Handarbeit. Eindrucksvoll kann man in der Scheune aus Erkersheim den zunehmenden Einsatz von Antriebsmaschinen an den ausgestellten Exponaten nachvollziehen. Zunächst ersetzte die Lokomobile – eine fahrbare, aber stationär eingesetzte Dampfmaschine – zum Antrieb der Dreschmaschinen das Dreschen per Hand mit dem Dreschflegel, bis stationäre Elektro- und v.a. mobile Verbrennungsmotoren auch diese wieder verdrängten. Sehr schön die Parade alter Traktoren, ‚Bulldogs‘ der Mannheimer Firma Lanz, aber auch von regionalen Herstellern. Parallel dazu verkürzten Arbeitsmaschinen Feld- und Erntearbeiten, bis ab den 1950ern kombinierte Mähdrescher diese langwierige, früher den Winter hindurch dauernde Arbeit auf wenige Tage während der Ernte verkürzten.

Die Lagerhalle aus Mögeldorf beeindruckt zunächst durch großformatige Fotos zur Feldarbeit an den Wänden. Schwerpunktmäßig sind hier Geräte zur Bodenbearbeitung ausgestellt, zur Aussaat und Düngung, zur Wiesenbearbeitung und Futterwirtschaft, zur Getreide-, Rüben- und Kartoffelernte. Da die Geräte noch bei der Bodenbearbeitung im Museum benutzt werden, fällt die Zuordnung von Texten zu Geräten nicht immer leicht. Zudem ist einem Laien die Unterscheidung beispielsweise zwischen einem Bunkerköpf- und einem Schleuderradroder per se nicht geläufig. Vielleicht ließen sich in die jeweiligen Texttafeln Zeichnungen der Geräte integrieren, in denen die einzelnen Bestandteile zum leichteren Verständnis nummeriert sind.

Zwischen beiden Gebäuden liegt die sehr interessante Ausstellung zu den Kriegerdenkmälern, die man sich gerne ausführlicher und die Fotos größer wünscht. Auch die Beschränkung auf die Zeit nach dem 1.Weltkrieg ist knapp gegriffen, gab es doch schon entsprechende Denkmäler zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 (z.B. der Obelisk in Markt Erlbach) oder zum deutsch-deutschen Krieg 1866, in dem Franken u.a. im Raum von (Bad) Kissingen Schauplatz war. V.a. mit der Durchsetzung der allgemeinen Wehrpflicht ab 1868 waren Kriegervereine fast flächendeckend frühe, nicht kirchlich gebundene Vereine. Das Museum veranschaulicht an den Denkmälern bis 1945 auch deren zunehmende Politisierung. Wenn die gesamte Baugruppe am Museumsrand liegt, aber deshalb nicht uninteressant ist, so kann man dies noch einmal besonders für das Behelfsheim aus Ottenhofen und das Stahlhaus aus Nerreth (1949) betonen.

Blick auf den Steinbruch, die Ziegelei, die Maschinenhalle und die Tabakscheune
Foto: Gerd Walther

Ganz anders dann wieder die Baugruppe ‚Industrie und Technik‘. Natürlich stammten die Baumaterialien meistens aus der Umgebung, das Holz aus den Wäldern. Steinbrüche gab es nicht nur am Main in großer Anzahl, wobei der Fluss für den überregionalen Transport wichtig war. Schön hier der Derrickkran, bei dem mittels Seilwinden die Last ‚leichter‘ wurde, und die kleine Feldbahn. Ziegelhütten gab’s, wo Lehm und Bedarf vorhanden waren. Die Ziegelhütte aus Aisch stellt mit nicht allzu langen Texten und Verweisen auf die einzelnen Arbeitsstationen die frühe Ziegelherstellung vor. Und wer denkt schon bei dem kleinen Gipsofen an die nicht weit in Iphofen/Hüttenheim beheimatete Firma Knauf. Wie gesagt, die Baugruppen befinden sich sowohl thematisch als auch räumlich am Rande des Freilandmuseums. Sie sind aber dennoch sehr interessant und bis in viele Details gut und anschaulich präsentiert.