Fränkisches Freilandmuseum – Baugruppe Stadt

Besuch am Samstag, 22.4.2017, insgesamt ca 2,5 Std. Für die Baugruppe Stadt des Freilandmuseums ist ein gesonderter Eintritt möglich. Die Baugruppe besteht aus dem Museum ‚Kirche in Franken‘ und dem ‚Alten Bauhof‘ in der Nähe. Träger ist der Bezirk Mittelfranken. Das Museum ‚Kirche in Franken‘ ist in der 1416 bis 1421 erbauten früheren ‚Spitalkirche zum Heiligen Geist‘ untergebracht. Nach Einführung der Reformation in der Reichsstadt Windsheim 1525 wurde die Spitalkirche durch den Einbau von Emporen für evangelische Gottesdienste umgebaut. Es handelt sich um ein Museum, nicht um eine ‚lebendige‘ Kirche, die es in großer Anzahl auch für Besichtigungen gibt und die den Vorteil einer hohen Authentizität besitzen. Die Spitalkirche könnte hier durchaus mithalten, vom Gesamtraum her, den Emporen, der schönen Deckengestaltung.

Blick vom Chor in den Kirchenraum
Foto: Gerd Walther

Man hat ein Museum daraus gemacht, in dem sich ständig zwischen Besucher und Kirche lange Texte schieben. Aber je länger Texte sind, desto größer ist die Gefahr, dass gar nichts mehr gelesen wird. Wieso man die vielen Infos von der Taufe bis zur Bahre, zu kirchlichen Ritualen bis zur Bekleidung der Pfarrer nicht in eine Broschüre gibt, weiß ich nicht. Dann hätte man Zeit zum Betrachten der (evangelischen) ‚Kirche in Franken‘. Ansätze sind vorhanden, etwa die ausgezeichnete interaktive Station zum ‚Windsheimer Konfessionsbild‘, ein knapper, informativer Überblick über die protestantische Kirche nach der Reformation. Eine größere Projektion wäre nicht schlecht. So etwas wünscht man sich auch zur Spitalkirche selbst. Was ist warum wo?

Auch andere Ansätze sind da, etwa in der ebenfalls sehr textlastigen Sonderausstellung ‚Fränkische Lebensbilder‘. Warum füllt man diese fränkische Kirche nicht mit Leben, jetzt im 500. Jahr des Thesenanschlags mit 500 Aussagen zur evangelischen Kirche in Franken? Kurze, nur 1-2 Sätze umfassende, prägnante Aussagen von Gläubigen und anderen, Pfarrern und Gemeindemitgliedern, zu Gott und der Welt, vom ‚gerechten Gott‘ zum ‚lieben Gott‘, würden ein buntes Mosaik abgeben. Ein Beispiel: Zur ökonomischen Situation der Pfarrer auf der ‚Karriereleiter‘ vom armen Lehrer zum nicht wohlhabenden Pastor schrieb Jean Paul über seine Eltern: „Im Jahr 1761 … ging die Liebende als Braut mit ihren Schätzen in sein enges Schulhäuschen, das er zum Glück ohnehin durch keine Hausgeräte noch enger gemacht.“ Kirche ist doch etwas Lebendiges, äußert sich auch in Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Damit könnte man auch die Haltung der evangelischen Kirche zur (Weimarer) Republik einbringen, in der ihre antirepublikanische Haltung den Aufstieg des meist freudig begrüßten Nationalsozialismus förderte. „Es ist ein Führer uns von Gott gegeben“, dichtet der Missionar Dr. Keyßer in Neuendettelsau 1933 zu Hitlers Geburtstag. Das fehlt im Museum zwischen landesherrlichem Kirchenregiment bis 1918 und ‚Deutschen Christen‘ bzw. ‚Bekennender Kirche‘ ab 1933. Mich erinnert die Präsentation an einen Sozialkundeunterricht, der z.B. Parlamentarismus mit dem Lernen der Abgeordnetenzahl verschiedener Parlamente auf Formalwissen reduziert.

Bauhof von rechts:
Alter Bauhof, drei Stadthäuser, Remise
Foto: Gerd Walther

In der Nähe liegt der ‚Alte Bauhof‘ der Stadt (Bad) Windsheim aus den Jahren 1441/43. Allein schon das Gebäude von außen mit seinem Dach und dem Dachgebälk innen ist imposant. Der Raum ist weitgehend frei, am Rande nur einige, aber ausreichende Erläuterungen zum Gebäude, dazu einige Modelle von Dachkonstruktionen (wie auch schon im Dachgeschoss der Spitalkirche). Auf dem Bauhofgelände stehen noch einige bemerkenswerte Gebäude aus ehemals städtischem Umfeld. Das fehlt hier, v.a. die Lage an einer Straße, auch wenn man den Bereich eine „kurze Gasse“ nennt. Selbst wenn die Häuser damals recht dunkel waren, wünscht man sich bisweilen bei den Texttafeln eine bessere Ausleuchtung. Dichter wird die Atmosphäre bei den Gebäuden, die schon ursprünglich zum Gelände gehört haben, also dem schönen, kleinen Bauhofgarten und der Wagenremise, der alten Bauhofscheune etc. V.a. Bauhandwerke werden mit schon in die Jahre gekommenen Hinweistafeln vorgestellt: Maurer und Mörtelrührer, Zimmerer und Schreiner, Tüncher und Hafner (als Ofensetzer) sowie verschiedene Tätigkeiten zur Herstellung und Verarbeitung von Flachglas. Es ist die Atmosphäre des Gesamtensembles um den wuchtigen Bauhof, die hier beeindruckt.

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