Freilandmuseum

Besuch am Donnerstag, 9.4.2015, ca. 3 Std., darunter auch der Besuch eines der Gasthöfe. Das Museum war gut besucht, viele Gruppen und Schulklassen. Träger des Museums ist der Bezirk Mittelfranken.

Das große Freilandmuseum besteht seit 1979 und wächst ständig um neue Baugruppen. Man sollte sich nicht vornehmen, an einem Tag alles anzusehen. Zudem hat das Museum, in dem auch alte Anbaumethoden, alte Feld- und sonstige Früchte, vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztiere gezeigt werden, je nach Jahreszeit ein anderes Gesicht.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Ich war ’nur‘ in der Baugruppe Regnitzfranken/Frankenalb und ein bisschen auch in Mainfranken/Frankenhöhe mit dem Kommunbrauhaus und dazugehöriger Gastwirtschaft. Da schwimmen Enten im Teich, der Hauskater schnurrt und schnorrt. Eines der hervorstechendsten Eigenschaften des Freilandmuseums ist seine Fähigkeit zur Entschleunigung. Man setzt sich auf eine Bank vor einem Haus, betrachtet die Umgebung, Häuser, Misthaufen, Feder- und sonstiges Vieh, die Besucher, die Zeit vergeht, die Sonne scheint, man unterhält sich über Gott und die Welt oder das gerade Gesehene, bespricht es, vertieft es, wundert sich oft, wie sich die Welt verändert hat, denn vieles kennt man noch aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen naher Verwandter.

In den Häusern sind meist die alten Wandbemalungen erhalten, dazu einiges Mobiliar, Tische, Stühle, Schränke mit und ohne Inhalt, Vorhänge. Dann die oft schönen Öfen und die dunklen, verrußten Küchen, die so riechen, wie sie aussehen.

Innen die oft überraschend großen Räume mit umlaufenden Bänken für die vielen Bewohner, besonders da, wo geheizt wurde, wo’s im Winter weniger kalt war. Und da gibt es ein Problem: Die Menschen fehlen. Man zeigt Einrichtungen, Häuser, Ställe, Tiere etc etc. Aber das waren Anhängsel um die Menschen herum, die hier oft in großer Zahl gelebt haben. So wirken viele Räume zunächst einmal erstaunlich groß, so menschenleer sie bis auf die Besucher sind, doch die verlaufen sich in der weitläufigen Anlage.

Beim Schäfer- und Arme-Leute-Haus wird erwähnt, aber auch nur schriftlich, wie viele Menschen hier auf engstem Raum gehaust haben, Männer, Frauen, Kinder, dazu Vieh, Kleinvieh, Ungeziefer. Man könnte doch diese Strukturen aufzeigen, etwa mit Körpern aus Schaumgummi in der jeweiligen Größe. Jeweils nur auf einen Raum bezogen, eine Annäherung an die Sozialstruktur von Land und Leuten begreifbar und sichtbar machen: Bauern, Altsitzer, Männer, Frauen, Knechte, Mägde, Kinder, unehelich und ehelich, dazu das Vieh im Haus, knapp beschriftet, die Besucher müssen sich evtl. durchschlängeln.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Wie gesagt, ich habe bei weitem nicht alles gesehen, selbst in den Häusern nicht, in denen ich war. Welten begegnen einem da, Obst- und Hopfenanbau, allein die Mühle könnte man immer und immer wieder besuchen und Neues entdecken. Schön, dass man dort ohne großen Aufwand Apfelmost und Schmalzbrote zu sich nehmen kann, das Geld legt man in einen Teller, das ist publikumsnah. Nur die erhöht stehenden Obstler aus Franken waren schon alle.

In Bad Windsheim wurde mit einem immensen Aufwand und viel Engagement ein sehr schönes, besuchernahes Museum geschaffen. Vorführungen einzelner aussterbender Handwerke waren an diesem Tag entweder nicht oder ich hab’s verpasst. Wer sich dafür interessiert oder für eines der vielen anderen Sonderprogramme und Veranstaltungen, kann sich im Internet vorab informieren und seinen nächsten Besuch danach einrichten.

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Ein Gedanke zu “Freilandmuseum

  1. Vielen Dank für diese schöne Darstellung!

    Vielen Dank auch für den Tipp mit der Bewusstmachung für Besucher, wie viele Leute früher in einem Raum oder Haus lebten. Das haben wir uns auch gefragt: wie kann man das vermitteln? In zwei Häusern haben wir das umgesetzt, im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld im Obergeschoss, wo Silhouetten ehemaliger Bewohner auf die enge Belegung der Räume hinweisen und in einer Stube (EG, gleich links) im Bauernhaus aus Reichersdorf, wo unzählige abgehängte Fahnen mit Namen, Lebensdaten und Kurzlebensläufen, sofern bekannt, auf die ehemaligen Bewohner des Hauses hinweisen.

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