Museum der Geschichte Kataloniens

Besuche am Mittwoch, 8.3. und Freitag, 10.3.2017, je ca 3 Std. Das große ‚Museu d’Historia de Catalunya‘ ist im ehemaligen Hauptspeicher am alten Hafen untergebracht. Er wurde anlässlich der Olympischen Spiele 1992 saniert, so dass dort 1996 das Museum eröffnet werden konnte. Die Dauerausstellung zeigt auf 2 Ebenen die Zeit bis zur Einnahme Barcelonas 1714 im Spanischen Erbfolgekrieg und von diesem Zeitpunkt an bis zur Gegenwart. Träger des Museums ist das Land (generalitat) Katalonien. Wer sich für Geschichte und Gegenwart Kataloniens interessiert, dem sei dieses Museum empfohlen. Es ist dies die Geschichte einer wirtschaftlich agilen Region im spanischen Kontext und dazu die Geschichte permanenter Zurücksetzung durch das diesen Kontext dominierende Madrid. So ist hier durch Geschichte die Gegenwart sehr präsent. Man betrachtet dann die vielen katalanischen Fahnen in Barcelona mit anderen Augen. Es geht nicht um Folklore.

Installation zur Eroberung Barcelonas 1714
Foto: Gerd Walther

Der Rundgang beginnt mit der Vor- und Frühgeschichte Kataloniens bis zum römischen Reich, von da über die Westgoten und die Kämpfe mit den Mauren zur Konsolidierung katholisch-christlich fundierter, letztlich erblicher Grafschaften im Frankenreich. Das geschieht recht kurzweilig mit vielen Installationen, Raumensembles, Fotos, Plänen, interaktiven Elementen, prägnanten Texten meist auch auf englisch. Außergewöhnliche Exponate sind nicht die Stärke des Museums, auch wenn man sehr interessante Stücke zeigt. Es ist dies die Inszenierung von Geschichte. Dabei dient die Chronologie eher als Rückgrat, man geht auf die Lebensweise der Menschen ein, ihre Tätigkeiten, die Ernährung, die Wohnverhältnisse, die Kultur, dies oft in begehbaren Nachbauten.

Mit dem Erstarken der spanischen Zentralmacht in der Reconquista entstehen zwei Kraftzentren in Spanien. Zwar empfangen die ‚Katholischen Könige‘ den von Amerika zurückkehrenden Columbus 1493 in Barcelona, dieses wird aber vom Amerikahandel ausgeschlossen. Es muss sich mit dem Mittelmeer begnügen, ein durch die Osmanen und Piratenstaaten in Nordafrika unsicheres Meer. Die nach der Eroberung Granadas (ebenso wie die Juden) ab 1492 aus Spanien vertriebenen Morisken mussten ja auch von etwas leben.

1714 ist ein zentrales Datum in der Geschichte Kataloniens, als Barcelona im Spanischen Erbfolgekrieg erobert und von den bourbonisch-absolutistisch regierenden Königen in Madrid zur Provinz herabgestuft wird. Doch außer einem verschwenderischen Hof hat Madrid gegen die quirlige Stadt am Mittelmeer wenig zu bieten. Im 19.Jh. erstarkt Barcelona wieder, wird (neben dem Baskenland) Zentrum der Industrialisierung Spaniens und strebt wieder nach größerer Unabhängigkeit. Abermals gelingt es Madrid mit General Franco, das von anarchistischen Strömungen begleitete Unabhängigkeitsstreben Kataloniens und Barcelonas im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 zu unterdrücken.

Installation im Luftschutzbunker zu Luftangriffen im Bürgerkrieg
Foto: Gerd Walther

Es sind die vielen Beiträge zur allgemeinen Entwicklung des Landes und seiner Bevölkerung, der Lebensgrundlagen, seiner Kultur, des Alltags und der gesellschaftlich-politischen Entwicklung, die das Museum interessant machen. Viele Raumensembles lockern die Präsentation auf, Küchen, Wohnräume, Werkstätten, eine Bar, Installationen zum Bürgerkrieg und anderen wichtigen Ereignissen. Man fährt videogestützt mit der Straßenbahn durch das Barcelona um 1910, Videos zeigen in einem nachgebauten Luftschutzbunker Bombardierungen im Bürgerkrieg, in einem Kino laufen alte Wochenschauen. So entsteht ein sehr lebendiger Eindruck der Region auf dem Weg in die Gegenwart. Probleme der Verstädterung mitsamt Slumbildung durch eine innerspanische Migration nach Barcelona und auch von dort ins Ausland werden ebenso aufgezeigt wie die immer umfangreichere Energiegewinnung für die rasch wachsende Industrie. Ab den 1950ern kommen Infrastrukturmaßnahmen für den einsetzenden Massentourismus hinzu. Das alles ist sehr gut, intensiv und abwechslungsreich gemacht, so dass man einen guten Einblick in die ‚Seele‘ Kataloniens mit seiner Hauptstadt Barcelona erhält.