Museum der Kulturen der Welt

Besuch am Samstag, 11.3.2017, ca 5,5 Std. mit Unterbrechung. Man kann das Museum verlassen, die Karte gilt den ganzen Tag. Das mit neuem Konzept 2015 in zwei alten Adelspalästen eröffnete ‚Museum de Cultures del Mon‘ geht auf das Museum für Völker- und Kolonialkunde von 1948 bzw. das Völkerkundemuseum von 1960 zurück. Aus diesem Fundus stammen auch – neben der Sammlung der Folch-Stiftung und anderen – die meisten Exponate. Während sich das ebenfalls kürzlich wieder eröffnete ‚Ethnologische Museum‘ (wie es inzwischen heißt) am Montjuic auf Katalonien konzentriert, teilt sich das ‚Museum der Kulturen der Welt‘ in vier Abteilungen zu Afrika, Asien, Ozeanien sowie in Mittel- und Südamerika. Trägerin des Museums ist die Stadt Barcelona.

Kopfschmuck, Äquatorial-Guinea,        um 1900
Foto: Gerd Walther

Im Unterschied zum lebendigen Barcelona und dem gegenüber liegenden ‚Museum Picasso‘ taucht man im ‚Museum der Kulturen der Welt‘ nicht nur geografisch und zeitlich in eine andere Welt ein. Es ist auch ein Ort der Ruhe, der eine sehr intensive Beschäftigung mit den durchweg sehr schönen und interessanten Stücken ohne Gedränge ermöglicht. Diese Gelegenheit sollte man nutzen zu einer Reise in fremde Kulturen und Zeiten. Den Audioguide auch in englisch habe ich nicht verwendet.

Es beginnt im Erdgeschoss mit Afrika, genauer gesagt mit dem westlichen Zentralafrika und einer Fülle von eindrucksvoll präsentierten Masken und anderen Kultgegenständen. Dabei wird, wie im gesamten Museum, jeweils die genannte Region mit einer Karte, knappen, präzisen Erläuterungen und einer interaktiven Station vorgestellt. Zu den Exponaten werden die jeweils gebildeten Einheiten kurz umrissen, ehe die einzelnen Ausstellungsstücke immer auch auf englisch beschrieben werden. Das ermöglicht es auch Laien, also die meisten Besuchern, sich an die zunächst fremden Exponate heranzutasten. Zu Afrika zeigen Videos, wie die Masken bei Tänzen verwendet werden.

Die Reise geht weiter zu den Bewohnern Neu-Guineas, Ozeaniens und Nordaustraliens. Deren teilweise großformatige Kunstwerke etwa von Papua-Neuguinea, dem ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Land, sind meist den dortigen Männerhäusern zuzuordnen. Missionare u.a. aus Neuendettelsau bei Fürth brachten den Eingeborenen das vermeintlich höherwertige christliche Welt- und Menschenbild nicht zuletzt in der Hoffnung, dass dies auch auf den neu angelegten Gummiplantagen zu höheren Arbeitserträgen führen würde. Interessant dann auf derselben Etage die Kulturen Asiens, etwa Indiens, Pakistans und Afghanistans, dem Hindu Kush. Aus Kandahar bezeugen Buddha-Statuen des 1.-3. Jhs n. antik-griechische, indische und andere Einflüsse und verblüffen mit Ähnlichkeiten bei Kunstwerken im Umfeld Barcelonas zu derselben Zeit. Überhaupt erstaunt das Aussehen etwa von Buddha-Statuen verschiedener Länder, Zeiten, Kulturen.

Buddha-Figur, Kandahar
Pakistan/Afghanistan, 2.-4. Jh.n.(Chr.)
Foto: Gerd Walther

Ganz anders dann wieder eine weitere Etage höher die Artefakte aus China mit dem Eindringen des Buddhismus im 1. Jh.n. Zu Japan wird v.a. die Edo-Periode um 1600 bis zur erzwungenen Öffnung Tokios (= Edo) um 1868 vorgestellt. Von Korea werden die letzten 1000 Jahre gezeigt u.a. mit ganz modern wirkenden Keramiken aus dem 17./18.Jh. Es sind unzählige Anregungen, die man von den Exponaten des kulturellen oder Alltagslebens mitnehmen kann. Den Abschluss bilden Stücke aus den indianischen Kulturen Mittel- und Südamerikas. Auch hier treffen wieder Alltagsgegenstände auf solche für den kultischen Gebrauch, wobei diese Trennung oft europäisch-künstlich ist. Da haben wir etwa viele Exponate zum Ballspiel bei den Mayas, das neben den Exponaten bis hin zu Schlägern und Steinrepliken der Gummibälle auch durch eine Videoinstallation erläutert wird.

Das ist alles sehr schön, anregend und auch spannend gemacht. Das Museum bietet so ein Eintauchen in ganz unterschiedliche Kulturen und Zeiten. Es empfiehlt sich (anders als ich es gemacht habe), dass man sich auf eine Weltgegend konzentriert und diese in Ruhe genau betrachtet, bevor man sich wieder in das Gewühl des modernen Barcelona im gotischen Viertel begibt.