Stadtmuseum Barcelona MUHBA

Besuch am Dienstag, 7.3.2017, ca 3 Std. Das ‚Museu d’Historia de Barcelona‘ MUHBA ist an der ‚Placa del Rei‘ in der 1931 hierher umgesetzten ‚Casa Padellàs‘ auf den Resten der alten römischen Siedlung sowie im mittelalterlichen Grafen- und Königspalast untergebracht. Es umfasst die frühe Geschichte der Stadt bis etwa 1400. Eröffnet wurde das Museum 1943, später wiederholt neu konzipiert und durch etwa 15 Außenstellen ergänzt. Trägerin des Stadtmuseums ist die Stadt Barcelona.

Größtenteils befindet sich das Museum – zumindest was die römische und westgotische Zeit anbelangt – unter der Erde. Man geht im Keller auf durchsichtigen Laufstegen über die Ausgrabungen hinweg. Hinweistafeln z.T. auch auf englisch geben einen Einblick in den jeweiligen Schwerpunkt. Im Eintritt enthalten ist ein Audioguide auch auf deutsch, was sehr nützlich ist. Meist sind die Hinweise rel. knapp und präzise.

Blick in die Fischfabrik mit Gefäßen zur Herstellung von Fischsoße
Foto: Gerd Walther

Zunächst lernt man das Leben in einer römischen Provinzstadt kennen. ‚Barcino‘  (Barcelona) wurde zur Ansiedlung von ausgedienten Legionären um 19 v. (Chr.) gegründet. Da ist zunächst die auch im Stadtbild sichtbare Ummauerung, gefolgt von einer Straße, die zu Verteidigungszwecken weder verstellt noch bebaut werden durfte. Dann kommen regelmäßige, gerade Straßenzüge. Von allen vier Seiten führten Straßen etwa mittig zum Forum mit dem Tempel, dazu noch zwei Aquädukte zur Versorgung mit Wasser. Auch die Römer hatten – zumindest im Städtebau – ihre Gewohnheiten.

Man gelangt zu einem großzügigen Wohnhaus mitsamt Laden. Anhand von Fundstücken, Modellen und Plänen wird die Anlage des Hauses, wird die Bedeutung der Räume veranschaulicht. Es folgen verschiedene Gewerbe: eine Wäscherei mit Bleiche, eine Textilfärberei, eine Fischfabrik, ein Weinhändler. Das wird jeweils bis ins Detail anhand von Fundstücken und Bauresten vertieft. So erfährt man, welche Fische wie verarbeitet und konserviert wurden bis hin zu den Fischsoßen. Das trifft man selten so ins Detail gehend und doch spannend gezeigt. Entsprechend auch die anderen Gewerbe. Hinzu kommen weitere Bereiche einer römischen Stadt, etwa die gesellschaftliche wie hygienische Funktion der Bäder oder religiöses Leben, so dass die Zeit des römischen Barcelona sehr anschaulich und kurzweilig erzählt wird.

Christliches Grab, 5.Jh. Inschrift: Hic requies/cit Magnus pu/er fidelis in pa/ce qui vixit ann III –
Hier ruht Magnus, das treue Kind, in Friede, der 3 Jahre alt wurde.
Foto: Gerd Walther

Im 3.Jh. setzen sich mit der tiefen Krise des römischen Reiches neue Strukturen durch, etwa das Christentum als Religion mit einem Gott aber in unterschiedlichen Strömungen. Mit der Völkerwanderung werden die arianischen Westgoten Herren. Das 8.Jh. ist von den Mauren bestimmt, bis sich über karolingische Grafen in der Mitte des 9.Jhs ein erbliches Grafengeschlecht in ‚Barcinona‘, wie der Ort jetzt heißt, etabliert. Auch hier wird noch die Entwicklung von der antiken zur frühmittelalterlichen Welt im Leben wie im Denken der Bewohner anschaulich vorgestellt, wenn auch die museale Gestaltung allmählich an Kraft verliert, so als ob man sich mit den Römern voll verausgabt hat.

Man verlässt den Untergrund mit dem Eintritt ins frühe Mittelalter. Doch was jetzt die Schönheit der alten Räumlichkeiten hergäbe, wird kaum mehr genutzt. Der Audioguide geht nicht so weit, die Beschriftungen sind fast nur noch auf katalanisch und spanisch, man spart sogar am Licht. Lediglich einige Infos zum Mitnehmen auch auf englisch lassen vermuten, wie spannend die Geschichte in dieser Periode war. Das ist sehr schade, hätte man doch jetzt ein hervorragendes räumliches Ambiente bis in die schöne ‚Capella de Santa Agnata‘ und den grandiosen Fest- und Thronsaal von ca. 1370 zu bieten. Der allein schon ist baulich einzigartig und erhält als Ort des Empfangs von Christoph Columbus 1493 durch die ‚Katholischen Könige‘ bei seiner Rückkehr von Amerika eine zusätzliche Dimension. Wo das Museum einen fulminanten Abschluss finden könnte, plätschert es leider einfach aus. Aber die Darstellung der Römerzeit und auch noch der Zeit der Völkerwanderung sind sehr gut gemacht.

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Ein Gedanke zu “Stadtmuseum Barcelona MUHBA

  1. Folgende Mail ging an meine private Mailadresse.

    Hallo Herr Walther,

    wie schön – Sie sind auch ein großer Museums-Fan! 
    Ihre Seite gefällt mir sehr gut – auch der Name: Museumsbote!
    Sehr gut!

    Ich werde auf jeden Fall ein Auge darauf haben und schauen, was Sie noch so aus Barcelona berichten werden!

    Liebe Grüße
    Céline Mülich

    Frau Mülich gibt ein interessantes Museumsportal auf deutsch zu Museen in Barcelona heraus, auf das ich hiermit gerne verweise: http://www.barcelona-museum.de

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