Pressemitteilung ‚Quo vadis, Rundfunkmuseum?‘ 6.6.2013

Rundfunkmuseum Fürth           Pressemitteilung

Quo vadis, Rundfunkmuseum Fürth?

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurden von der Stadt Fürth neue Rahmenbedingungen für die Zeit nach meinem Ausscheiden als Leiter des Rundfunkmuseums zum Jahresende festgelegt,. Rahmenbedingungen, die die weitere Existenz des Museums bedrohen. Was in 25 Jahre als lebendiges Museum der Alltagsgeschichte und größtes Spezialmuseum in Deutschland aufgebaut wurde und zuletzt mit über 19.000 Besuchern im Jahr (über 90.000 in den letzten 5 Jahren) vom Publikum gut und gerne angenommen wurde, steht scheinbar zur Disposition.

Der Erhalt der organisatorischen Selbständigkeit des Museums war ein Wunsch des Museums, da vor Ort die Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten am besten erkannt und gelöst werden können. Die Stadt hat leider diese Selbständigkeit aufgehoben. Ein Archivar wird jetzt letztendlich Leiter eines Rundfunkmuseums. Ein bürokratischer Wasserkopf, zumal der Archivar nach Aussage der Kulturreferentin „Museum nicht kann“. Das ist museumsdidaktische Steinzeit.

Der 2. Wunsch war, dass die Mittel, die bisher für den Personalbereich ausgegeben wurden, erhalten bleiben. Das war wahrlich nicht viel verlangt, zumal wenn man bedenkt, dass die Besucherzahl seit 2006 um über 5000 Besucher bei leicht reduziertem Personalstand deutlich zugenommen, die Finanzierung des Museums durch diverse Sparrunden aber gravierende Einschnitte erfahren hat.

In der Vorlage der Stadt heißt es zwar „Hervorzuheben ist die Kostenneutralität der gezeigten Maßnahmen“, doch schon ein einfaches Nachrechnen ergibt Kürzungen im bisherigen Personalhaushalt von über 30.000.- €, das sind fast 1/5 dieser Ausgaben.

Als ich den Oberbürgermeister auf diesem Sachverhalt am 29.4. aufmerksam mache, heißt es am 11. Mai heißt es im Protokoll der Referentensitzung: „TOP20. Verschiedenes i) Rundfunkmuseum: Rf II klärt die Vorwürfe des Leiters auf; die Vorlage für den Personal- und Organisationsausschuss bleibt bestehen, RFM-Leiter erhält kein Rederecht.“ Entsprechend beschließen der Ausschuss und später auch der Stadtrat.

Dieses Ergebnis war abzusehen. Im Vorfeld fand zwischen dem Organisationsamt, das mit der Planung beauftragt war, und dem Museum keinerlei Kontakt statt. Man hat im Rathaus vom Schreibtisch aus ohne geringste Kenntnisse der Situation am Rundfunkmuseum geplant und festgelegt. Es ging offensichtlich nicht darum, im Interesse des Museums zu planen, es wurde ein Einsparziel umgesetzt.

Das hat zur Folge, dass Mitarbeiterinnen trotz gleicher Tätigkeit am Rundfunkmuseum niedriger eingestuft sind als z.B. am Stadtmuseum, obwohl dort nicht einmal die Hälfte des Besucheraufkommens vorhanden ist. Das geschieht durch falsche Etikettierung: Die Museumspädagogin erhält das Etikett „Besucherservice“, die Kraft an Kasse/Café/Museumsladen heißt „Ausstellungspflege“. Das hat zwar mit der Realität nichts zu tun, spart aber Geld.

Als Ersatz für meine Museumsleiter-Tätigkeit wird eine neue Stelle „Veranstaltungshilfe“ in Entgeltgruppe 1 mit 18 Wochenstunden geschaffen. Das ist die niedrigste Entgeltgruppe. Lt. Vorgabe der Entgeltliste ein „Beschäftigter mit einfachsten Tätigkeiten“, z.B. Spülkraft oder „Wärter/innen von Bedürfnisanstalten“. Begründung. Ich habe ja auch einfache Arbeiten verrichtet. Schreibt zumindest die Kulturreferentin.

Diese Veranstaltungshilfe wird finanziert aus dem Topf für die derzeit sieben 450.-€-Kräfte, der dadurch auf 4782.- € schrumpft. Erst nachdem darauf hingewiesen wurde, dass pro Wochenende mindestens 25-30 Arbeitsstunden anfallen, oder man schließe das Museum an Wochenenden, werden zusätzlich 15.000.- € bewilligt – allerdings nur für 1 Jahr.

Und die Kulturreferentin schreibt am 29. April, also nachdem die Vorlage längst fertig ist: “Für die weitere Argumentation bitte ich um eine Aufstellung der Tätigkeiten der 400.-€-Kräfte…“ Das hätte doch vorher erfolgen müssen!

Eine Stadtverwaltung, die so mit einem Museum umgeht, das in Fürth mit Abstand die meisten Besucher zählt, führt nicht nur das Leistungsprinzip ad absurdum. Sie hat keine Vorstellung davon und auch kein Interesse daran, welche Voraussetzungen Kulturarbeit braucht.

Hier wird ein gut funktionierendes Museum mittel- und langfristig zerstört, indem man bei jeder sich bietenden Gelegenheit Substanz entfernt.

Eine Stadt, die eine kulturelle Einrichtung primär unter dem Aspekt ihres Einsparpotentials betrachtet – das Rundfunkmuseum ist ja nicht das erste Beispiel -, entwickelt sich zur Schlafstadt. Eine Stadt in der Größe Fürths braucht eine mittel- und langfristige geplante Kulturpolitik, die nicht nur vom Engagement der in diesen Einrichtungen tätigen MitarbeiterInnen lebt..

Mit Interesse lese ich von den Bemühungen, Ludwig Erhard in Fürth angemessen zu würdigen, nachdem dies im gleichnamigen Stadtmuseum offenbar nicht geklappt hat. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass die Einsparungen am Rundfunkmuseum zur Schließung der dort vorhandenen Finanzlücke dienen.

Fürth, 6.6.2013

Gerd Walther

Leiter des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth

Die Pressemitteilung wurde auch in Details nicht veröffentlicht.Sie diente als Begründung für meine Entfernung als Museumsleiter.

Ich hatte die Pressemitteilung auch an die Verantwortlichen der Stadt geschickt, da diese meine Bedenken nicht erst aus der Zeitung erfahren sollten.

Der Satz „Als Ersatz für meine Museumsleitertätigkeit…“ ist missverständlich formuiert, besser wäre gewesen: „Als teilweiser Ersatz…“ Auf Einwände zur Stadtratsvorlage mailte mir Frau Reichert (die Kulturreferentin) am 29.4.2013: „Gleichwohl ist meines Erachtens eine feste E1-Kraft unverzichtbar, um das enorme auch zeitliche Engagement von Ihnen zuverlässig auszugleichen…“ Entgeltgruppe 1 ersetzt Entgeltgruppe 14.