Leserbrief 2.1.2017

Leserbrief

Im kulturellen Jahresrückblick der FN vom 27.12.2016 schreibt Herr Boll Erstaunliches zum Rundfunkmuseum. Man müsse „das Haus von einem Schaudepot zum wissenschaftlich fundierten Ausrufezeichen“ machen. Er wiederholt damit eine Bemerkung Herrn Schramms aus der FN vom 24.11.2016 zum „Schaudepot-Charakter früherer Jahre“. Da muss man wirklich keine Ahnung davon haben, wie das Rundfunkmuseum aussah und was ein Schaudepot ist. Aber muss man seine Unwissenheit gleich doppelt in der Zeitung verbreiten?

Zur Erinnerung ein kleiner virtueller Gang durch das Rundfunkmuseum (im Juni 2013):

Auf Ebene 1 steht das große Modell der Ludwigseisenbahn in Erinnerung an die (Wieder-) Entdeckung der elektrischen Leitfähigkeit der Erde 1838 an der Ludwigseisenbahn in Fürth (inzwischen entfernt).

Ensemble Ludwigseisenbahn (Foto war nicht Teil des Leserbriefs) Foto: Gerd Walther

Ensemble Ludwigseisenbahn
(das Foto war nicht Teil des Leserbriefs)
Foto: Gerd Walther

Auf Ebene 2 ist das ‚Café‘ im Stil der 1950er Jahre inkl. Musikbox gestaltet. Im folgenden ‚Raum 1923 – 1933‘ steht die Installation eines Messestandes von Max Grundig aus dem Jahr 1930 (inzwischen entfernt). Der anschließende ‚Raum 1933 – 1939‘ beginnt mit einer Installation zum Volksempfänger, die ebenso entfernt wurde wie das Wohnzimmer mit Christbaum. Es folgt das Ensemble Ladengeschäft von Max Grundig.

Volksempfänger-Installation (das Foto war nichtTeil des Leserbriefs) Foto: Gerd Walther

Volksempfänger-Installation
(das Foto war nicht Teil des Leserbriefs)
Foto: Gerd Walther

Auf Ebene 2 ist der gesamte ‚Raum 2.Weltkrieg‘ inszeniert. Darin eingebettet ein Ensemble Schwarzhörer, ein Ensemble Luftschutzkeller mit einer Puppe zu Lili Marleen mit Original-Bühnenkleid von Lale Andersen (inzwischen entfernt) – und auch entsorgt wie so vieles, wo man doch gar keine Informationen über die Herkunft der Exponate und ihren Besitzstatus (Eigentum/Leihgabe) habe? Ein Amerikaner, der seit vielen Jahren das Museum besucht, schrieb mir am 7.11.16: „Jedes Jahr im Rundfunk Museum hat meine Mutter die „Lili Marlene“ Ausstellung besucht, und ich habe immer ein Video dort mit ihr aufgenommen. Dieses Lied erinnert sie an meinen Vater und die Kaserne in Weiden in 1948. Letzter Monat waren wir sehr enttäuscht zu ermitteln, das das „Lili Marlene“ Mannequin nicht mehr am Platz war.“ Am Ende des Raumes befindet sich das Ensemble Kriegszerstörung mit einer Bombe. Der anschließende ‚Raum Nachkriegszeit‘ beginnt mit einer Wohnküche (inzwischen entfernt), es schließt sich ein Ensemble Produktion mit original Regalen und Tischen aus Grundigs Frühzeit an. Der ‚Raum 1950er/60er Jahre‘ beginnt mit einem Metz- Messestand und einem Gerüst. Es schließt sich das Wohnzimmer 50er Jahre an, darauf folgt das Ensemble Camping mit Koffergeräten.

Ensemble Wohnküche Nachkriegszeit (Das Foto war nicht Teil des Leserbriefs) Foto: Gerd Walther

Ensemble Wohnküche Nachkriegszeit
(Das Foto war nicht Teil des Leserbriefs)
Foto: Gerd Walther

Die Ebene 3 verlässt die chronologische Darstellung der Rundfunkgeschichte in Deutschland. Der erste ‚Raum Geschichte der Schall- und Bildaufzeichnung‘ beginnt mit einem Ensemble zur Vorführung von Filmen. Es schließt sich der ‚Raum TV-Geschichte‘ dort an, wo die TV-Entwicklung bei Grundig begann. Der ‚Raum 1970er bis Gegenwart‘ beginnt mit einer Installation zur Messung der TV-Quote, daran neueste Entwicklungen z.B. zum 3D-Beamer (inzwischen entfernt).

Kann man denn jeden Mist über das Rundfunkmuseum schreiben, Herr Boll? Haben denn ihre Leser gar keinen Anspruch auf eine fundierte, wirklichkeitsbezogene Berichterstattung? Auf den absurden, aber trotzdem wiedergegebenen Vorwurf von Herrn Schramm, im Museum seien „von jedem Gerät gleich mehrere Exemplare gehortet“ (FN, 24.11.16), gehe ich gar nicht erst ein. Es ist Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass in der Zeitung Richtiges steht. Aber überzeugen Sie sich doch selbst einmal. Im Museum existieren ein Eingangsinventar, ca. 4-5 Ordner mit alphabetischer Reihung der Geber inkl. genauer Geräteauflistung und 2-3 Ordner der Spender in chronologischer Abfolge. Stehen alle in meinem Vorzimmer (Stand Juni 2013).

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Walther

ehem. Leiter des Rundfunkmuseums Fürth

Fürth, 2.1.2017

Der Leserbrief wurde bis zum 22.1.2017  nicht veröffentlicht, auch andersweitig wurden die Angaben nicht korrigiert.

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Ein Gedanke zu “Leserbrief 2.1.2017

  1. Letzte Bemerkungen zu Herrn Boll?

    Am 24.1.2017 antwortete Herr Boll in einem kurzen Schreiben von 3 Sätzen. Meine Bitte um Veröffentlichung dieses Schreibens lehnte er ab, da es sich um einen Schriftverkehr der nichtöffentlichen Art handle. Hier nun meine Antwort der öffentlichen Art.

    Sehr geehrter Herr Boll,

    Ihr Angebot, Ihnen eine gekürzte Version meines Leserbriefs jetzt, fünf Wochen nach dem ursächlichen Artikel zeitnah ohne beleidigenden Inhalt zukommen zu lassen, hat mich in zweierlei Hinsicht erstaunt. Zum einen habe ich den Fürther Nachrichten keinen x-beliebigen Leserbrief zugeschickt, in dem ich meine Meinung zu irgendeinem Thema äußerte, sondern ich habe Sie (zum wiederholten Male) darauf hingewiesen, dass Sie Ihre Leser falsch informieren. Da wurde in der nötigen Länge alles gesagt, so dass es zumindest vorerst keines weiteren Schreibens meinerseits bedarf.

    Zum anderen finde ich Ihr Schreiben bzgl. Ihres journalistischen Credos (oder dessen Abwesenheit) erstaunlich. Herr Boll, als Journalist sind Sie in einer Bringschuld gegenüber Ihren Lesern. Einer Bringschuld dahingehend, dass man sich auf die Richtigkeit dessen verlassen können muss, was Sie schreiben, was in den Fürther Nachrichten steht. Und wenn Sie andere zitieren, so gehört dazu, deren Äußerungen auf Richtigkeit zu überprüfen, v.a. wenn sich die Quelle regelmäßig als unzuverlässig erwiesen hat.

    Nun wissen wir alle, dass Irrtümer vorkommen. Aber was die seltene Ausnahme sein sollte, scheint in Ihrem Fall die Regel zu sein. (Sie können ja Ihre FN-Artikel und meine unveröffentlichten Leserbriefe dazu, die ich jetzt im Blog öffentlich machte, noch einmal nachlesen.) Ihre Fehler müssten Sie schon selbst korrigieren, es sei denn, Sie schreiben absichtlich Falsches. Aber dann werde ich das Ende der Fürther Nachrichten ja noch erleben, andere und neuere Formen der Information gibt es schließlich zuhauf.

    Ich gehe davon aus, dass die Fürther Nachrichten deshalb gekauft werden, weil ihre Leser eine solide, seriös und fundiert berichtende Tageszeitung wünschen und erwarten. Und da herrscht, um mich maximal freundlich auszudrücken, bzgl. Ihrer Schreibe doch eine sehr heftige Irritation.

    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Walther
    Ehem. Leiter des Rundfunkmuseums Fürth
    Fürth, 30.1.2017

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