Offene Fragen… (11.1.2016)

Offene Fragen in einem Offenen Brief an die Fürther Nachrichten (FN)

Sehr geehrte Mitglieder der Redaktion der Fürther Nachrichten, sehr geehrter Herr Boll, in Vorbereitung eines Artikels in meinem Museumsblog ‚Der fränkische Museumsbote‘, www.der-fraenkische-museumsbote.com, zum Thema ‚Die Fürther Museen und die Fürther Lokalpresse‚, bitte ich um die Beantwortung einiger Fragen. Als verantwortlicher Kulturredakteur geht die Anfrage an Sie, in redaktionsinterne Zuständigkeiten möchte ich aber nicht eingreifen.

1

In verschiedenen Artikeln seit meinem Ausscheiden aus dem Rundfunkmuseum erwähnen sie die mangelhafte wissenschaftliche Fundierung des Museums. Allerdings behaupten Sie immer nur. Argumente, inhatliche Aussagen ihrerseits, die einen (wissenschaftlichen) Disput auszeichnen, fehlen.

Ich frage deshalb, worin die mangelnde Wissenschaftlichkeit des Museums bestand und bitte diesbezüglich auch um Belege. Bzgl. der ‚Qualität‘ der Ausstellungen des Stadtmuseums verweise ich auf meinen Blog unter ‚Fürth‘ bzw. ‚Ausstellungen/Archiv‘.

2

Zur Besucherzahl des Rf-Museums schreiben Sie, dass „jene 20.000er-Jahresmarke… bislang (! – G.W.) als Maß aller Besucherdinge galt.“ (FN, 28.12.2015). Als ob eine hohe Besucherzahl per se negativ ist. Das erinnert doch sehr an die Fabel vom Fuchs, der die süßen Trauben deshalb schlecht redet, weil er nicht an sie herankommt.

Zu den Fakten, die Sie nicht erwähnen: 2012 : 19.117 Besucher. Ende Juni 2013 (am 21.6.erfolgte meine Entfernung) 500 Besucher über dem Vorjahr. 2013 hätte das Museum wohl die 20.000er Marke überschritten. Ende 2013 waren’s dann nur 16.151. 2014: 11.573. Bis Ende Oktober 2015: 8.272, hochgerechnet sind das für 2015 ca. 9.926 Besucher (Endergebnis 9654 – GW).

Erwecken Sie mit der 20.000er Zahl nicht einen völlig falschen Eindruck angesichts der Halbierung der Besucherzahl in 2 Jahren? Das Stadtmuseum hat gar nur 4.797 Besucher (hochgerechnet)(Endergebnis 5039 – GW). Sind ihnen die Zahlen nicht bekannt? Stehen im Internet bei Stadt Fürth. (Nachtrag 16.6.2016: Im offiziellen Bildungsbericht der Stadt Fürth 2016, S.134, wird dies nach unten korrigiert. „Im Jahr 2015 wurden insgesamt 3.686 Besucher/innen gezählt.“ – GW)

3

Der fragwürdige Umgang mit der Realität zeigt sich auch in den permanent falschen Darstellungen zum Umgang des Museums mit den Exponaten und den Besuchern. Natürlich wurden die Cafégäste nie den Besucherzahlen zugeschlagen, natürlich verwendeten wir vom Rechtsamt vorgegebene Verträge, natürlich handelten wir im Rahmen der vom Stadtrat verabschiedeten Besucherrichtlinien, natürlich war die versicherungstechnische Seite geklärt, natürlich wurden unsere Exponate inventarisiert und natürlich wurden die sehr wenigen Beschädigungen an Exponaten oder im Museum dokumentiert, sind also nachprüfbar.

Wenn aber Kulturpolitik vom Rechtsamt gemacht wird, dann hat man vor rechtlichen und bürokratischen Hürden bald keine Kultur mehr. Es ist doch ein Unterschied, ob man mit Nachbarn über den Gartenzaun hinweg oder nur mittels eines Rechtsanwalts spricht. Angesichts der Raumsituation und des Ausstellungsthemas entschied ich mich für das Grundprinzip: „Wo es einem gefällt, da macht man nichts kaputt und klaut nicht.“

Ihre Fehlinformationen habe ich jeweils in Leserbriefen und Schreiben an die Redaktion richtiggestellt. Dazu gab ich Hinweise zu Belegen, Vertragsunterlagen, Statistiken, Ordner mit Schadensmeldungen etc. Bis auf wenige Ausnahmen blieben diese unberücksichtigt. Sie beließen es bei der Fehlinformation Ihrer Leser, wiederholten Sie oder machten ein ähnliches, neues Fass auf. Jetzt bemühen Sie sogar das Deutsche Museum.

Stört es Sie überhaupt nicht, Ihre Leser permanent wissentlich falsch zu ‚informieren‘? Es geht hier, Herr Boll, um Ihre Reputation als ernstzunehmender Kulturjournalist. Oder bleibt nur ein seelenloser Beckmesser, der Qualität durch Pressemacht ersetzt?

4

Ihre Distanz zu einer tatsachenbezogenen Darlegung zeigt sich auch im Jahresrückblick 2015 (FN, 28.12.2015) durch Ihren erstaunlichen Schwenk zum Deutschen Museum in München, indem Sie schrieben: „Anhalten. Kurz vor Mitternacht noch mit ein paar Kumpels ein Ründchen durchs Deutsche Museum drehen, den Schlüssel vom Chef in der Hand und im Kopf die Ermahnung, die Dampfturbine von 1902 und das Mondauto vielleicht doch besser in Ruhe zu lassen – kann nicht sein, dieses Szenario. Allerdings nicht im Deutschen Museum, sondern im kreuzfidelen Rundfunkmuseum…“ Weil die Realität so gar nichts hergibt, bauen Sie einen Popanz namens Rundfunkmuseum auf, um immer heftiger darauf einzuschlagen. Es wird schon was hängen bleiben…

Zurück zur Wirklichkeit: Zum Deutschen Museum wurde über viele Jahre hinweg eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut, die immer wieder zu wertvollen Leihgaben aus diesem Haus führte. Unter anderem der dauerhaften Leihgabe einer ebenso wertvollen wie wichtigen Lieben-Röhre, der 1. Verstärkerröhre. Nach (von mir nicht verifizierbaren) Informationen aus dem Förderverein ist es der neuen Museumsleitung gelungen, dieses Vertrauen so zu erschüttern, dass das Deutsche Museum die Lieben-Röhre zurückforderte. Ein herber Verlust. Oder wurde Sie freiwillig zurückgegeben? Dann bitte ich um eine wissenschaftlich fundierte Erklärung hierfür. Fragen Sie doch mal nach.(Siehe hierzu die korrigierende Information in der Antwort von Herrn Boll – GW)

5

Ich bin es leid, nochmals auf diese dumme Bemerkung mit den Parties einzugehen. Wir haben (u.a.) eine museumsadäquate Besuchsform geschaffen – Schallaufzeichnung, Radio waren immer auch mit Unterhaltung verbunden – und ein zwar unorthodox einfaches, aber effizientes Sicherungssystem entwickelt. Die Vermietungen des Museums betrafen fast durchgängig runde Geburtstage zwischen 35 und 75 Jahren, Firmenfeiern, manchmal Hochzeiten, 40% davon mit Führung. Die Besucher hatten 4-5 Std. Zeit, sich die Ausstellung in aller Ruhe entspannt anzusehen, und das haben sie großteils auch gemacht. Wir zeigten ja ihre Geschichte, Alltagsgeschichte des 20. Jhs.

Sie wollen den Eindruck erwecken, es handelte sich um wüste Parties irgendwelcher Rabauken. Ich möchte Sie, Herr Boll, darauf hinweisen, dass die Besucher dieser Veranstaltungen über weite Strecken deckungsgleich waren mit den Lesern Ihrer Zeitung, großteils honorige Menschen. Wie Sie mit Ihren Lesern umgehen, ist mir im Grunde egal. Aber die Besucher des Museums, die ein paar schöne Stunden in einem ebensolchen Museum verbracht haben, unter den Generalverdacht des Rabaukentums zu stellen, weil Sie angesichts des derzeit desaströsen Zustands der städtischen Museen eine Negativfolie brauchen, verbitte ich mir. Auch heute noch.

6

Könnte ich ein neueres Foto von Ihnen für die Veröffentlichung im Blog haben?

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Walther

Ehem. Leiter des Rundfunkmuseums Fürth

Fürth, 11.1.2016

PS Können Sie meine Fragen bis 15.2.2016 schriftlich beantworten? Bitte kein Telefon.

Sowohl diese Fragen als auch Ihre Antworten werden ganz oder teilweise in meinem Museumsblog veröffentlicht. Dieses Schreiben geht an weitere Personen.

Zur Antwort von Herrn Boll gehen Sie bitte nach oben, klicken auf das Symbol mit den 3 Querbalken, gehen auf ‚Fürth‘, klicken auf ‚In eigener Sache‘, dort steht sie nach meinen ‚Offenen Fragen…“.

Advertisements