Neues Schloss Bayreuth

Besuch am Samstag, 31.3.2018, ca 2,5 Std. Das ‚Neue Schloss‘ wurde 1753 bis 1758 unter Einbeziehung früherer Gebäude errichtet. Auch diese Anlage ist durch die Markgräfin Wilhelmine geprägt (wie die Eremitage, Sanspareil, das 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte und jetzt restaurierte Opernhaus). Leider hatte sie nicht viel vom ‚Neuen Schloss‘, starb sie doch 1758. Für seine 2.Ehefrau Sophie Caroline errichtete Markgraf Friedrich ab 1759 das ‚Italienische Schlösschen‘ zunächst allein stehend, aber bald mit dem Südflügel des ‚Neuen Schlosses‘ verbunden. Ein Erbfolger sollte her. Es hat aber nicht geklappt, so dass nach Friedrichs Tod 1763 die Ansbacher Linie der Hohenzollern beide Markgrafentümer vereinigte. Die wiederum gingen ebenfalls mangels Erbfolger 1791 an die brandenburgisch-preußische Linie, ehe Bayreuth 1810 an Bayern kam. Träger des äußerlich vergleichsweise unscheinbaren ‚Neuen Schlosses‘, das jedoch über sehr schöne Räume und Kunstwerke im Stil des ‚Bayreuther Rokoko‘ verfügt, ist die Bayerische Schlösserverwaltung. Der dazugehörige Hofgarten ist frei zugänglich.

Markgrafenbrunnen von 1705 mit dem ‚Türkensieger‘ Christian Ernst, seit 1748 am jetzigen Standort vor dem Schloss
Foto: Gerd Walther

Nun dienten im Absolutismus, auch wenn er ‚aufgeklärt‘ war, Schloss, Einrichtung, Park, Kunst, im Prinzip alles der Verherrlichung des Herrschers (von Gottes Gnaden), bildete zu seiner Erhöhung eine Einheit. Diese wurde bei der jetzigen Präsentation leider nicht zum Vorbild genommen. So hat man im ‚Neuen Schloss‘ ein ‚Museum Bayreuther Fayencen‘, dann ein eher steriles, pädagogisch aufgepepptes ‚Museum Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine‘, die ‚Markgräflichen Prunkräume‘, die dunkle, minimalistisch beschriftete ‚Staatsgalerie zur Malerei im Spätbarock‘, die eher als Wartesaal bei Führungen dient, eine ‚Sammlung galanter Miniaturen‘ und das ‚Italienische Schlösschen‘, das man unverständlicher Weise nur im Rahmen einer Führung betreten kann. Alles besteht nebeneinander her, wo man sich ein Zusammengehen erhofft. Zusammengehöriges ist nicht nur räumlich, sondern v.a. gestalterisch deutlich getrennt.

Dabei hat man mit Markgräfin Wilhelmine, der ältesten Tochter des ‚Soldatenkönigs‘ Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg-Preußen und Schwester Friedrichs des Großen eine ebenso stolze wie herausragende Vertreterin des ‚Aufgeklärten Absolutismus‘. Nun war Wilhelmine – ursprünglich qua Heiratspolitik als Königin von England vorgesehen – wahrlich nicht erbaut über die kleine Residenzstadt im nicht großen Fürstentum Bayreuth, ihre Gebäude wie die Bewohner. Aber sie hat in den wenigen Jahren als Markgräfin Bayreuth nach 1735 zu einem Musenhof von europäischem Rang gemacht. Ihre Memoiren und der Briefwechsel mit dem Bruder gehören mit ernüchternden Einblicken in höfisches Leben zu den hervorragenden Dokumenten des späten 18.Jhs. Außer ein paar Erwähnungen und aufgeklappten Büchern macht man nichts daraus. Wie viele Steilvorlagen für ein gutes Museum braucht man eigentlich? Im Gang vor den Toiletten wurden Texttafeln zum Alltag im Schloss gerade auf- oder abgebaut.

Plan der Gesamtanlage
Foto: Gerd Walther

Natürlich sind die ‚Prunkräume‘ wie auch die Räume des ‚Italienischen Schlösschens‘ von herausragender Qualität und lohnen einen Besuch des Schlosses allemal. Selbst wenn die Funktion einiger Räume auf den Vorhängen beschrieben wird, sind Details zu den einzelnen Kunstwerken bei kleiner Schrift in dunklen Räumen kaum erfahrbar. Zudem kann ich mich an kein Museum erinnern – und ich kenne viele – in dem es derart unangenehm kalt war, so dass man froh war, wieder draußen zu sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das den Kunstwerken gut tut.

In der Internetpräsentation zum ‚Neuen Schloss‘ kommt man mit einem Rundgang ein Stück weiter. Strukturen und Zusammenhänge, die vor Ort undeutlich bleiben, erschließen sich da eher. Aber wo man beim ‚Rundgang‘ durch Anklicken der Räume Infos lesen kann, ertönt beim insgesamt anschaulichen ‚Virtuellen Rundgang‘ zu den 12 vorgestellten Räumen Barockmusik. Das mag ja als einmalige Einleitung noch angehen, aber 12 mal dasselbe Stück? Warum führt man beides nicht zusammen? Im ‚Neuen Schloss‘ in Bayreuth hat ein Raumkunstwerk von hohem Rang leider eine inadäquate Präsentation erfahren. Warum man nicht fotografieren darf, habe ich auch nicht verstanden. Oder doch?

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