AlliiertenMuseum Berlin

Besuch am Dienstag, 14.8.2018, ca. 2 Std. Das 1998 eröffnete AlliiertenMuseum liegt an der Clayallee beim ehemaligen Hauptquartier der US-Army im amerikanischen Sektor Berlins in Zehlendorf/Dahlem inmitten des Kasernen- und Wohngebiets mit allem, was zu einem ‚Little America‘ gehört. Es ist in 2 Gebäuden im ehemaligen Outpost-Kino und der Nicholson-Gedenkbibliothek untergebracht. Auf einer Freifläche dazwischen stehen ein englischer Hastings TG 503 ‚Rosinenbomber‘, ein Stück Mauer mit (aus Sicherheitsgründen geschrumpftem) DDR-Wachturm, das Wachhäuschen, das von 1986 bis 1990 am Checkpoint Charlie stand, und der Waggon eines französischen Militärzugs. Träger ist der 1996 von folgenden Mitgliedern gegründete gemeinnützige Verein AlliiertenMuseum e.V.: Bundesrepublik Deutschland, Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich, Berlin, Stiftung Deutsches Historisches Museum und Institut für Zeitgeschichte. Der Eintritt ist umsonst.

‚Rosinenbomber‘ mit Blick auf das ehem. US-Kino
Foto: Gerd Walther

Unter den Alliierten im Museumsnamen sind nicht die vier Weltkriegsverbündeten zu verstehen, sondern die drei Westalliierten, wobei die Sowjetunion durch die West-Sicht auf die Zeit indirekt stets mit einbezogen ist. Zudem gibt sich schon aus der Lage des Museums, dass die Amerikaner einen gewissen Schwerpunkt der Betrachtung bilden.

Schön und imposant beginnt die Dauerausstellung unter dem programmatischen Titel ‚Wie aus Feinden Freunde wurden‘ im ehemaligen, weitgehend erhaltenen US-Kino, aus dem die Stuhlreihen und die Leinwand entfernt wurden. Hier wird die Zeit von der Eroberung Berlins (und Deutschlands) bis zum Ende der Luftbrücke mit einem Blick auf ‚Besatzer und Besetzte‘ mit dem Ziel einer ‚demokratischen Erneuerung‘ dargestellt. Das ist anschaulich und abwechslungsreich gemacht. Dreidimensionale Objekte wechseln sich ab mit Fotos und Texten, Film- und Tondokumenten bis hin zum RIAS, dem ‚Rundfunk Im Amerikanischen Sektor‘ und dem AFN, der gleich nebenan beheimatet war. Auch daran erkennt man, dass im Museum die Bevölkerung in Ost und West mit einbezogen wird, da sich besagte Einrichtungen zunächst prinzipiell an Angehörige der US-Army richteten. So entsteht ein intensives Bild Berlins vor und im ‚Kalten Krieg‘, dessen (nicht einziges) Zentrum die Stadt war. Ein Zeitstrahl fasst die Daten wichtiger Ereignisse systematisierend zusammen. Im Kino führt die Ausstellung auf die sog. Luftbrücke zwischen Juni 1948 und Oktober 1949 hin, diesem für das künftige Zusammenleben von Siegern und Besiegten konstitutiven Ereignis, dessen Bedeutung entsprechend breit aus westlichem Blickwinkel gewürdigt wird.

Ausstellungsbereich im ehem. US-Kino
Foto: Gerd Walther

Die Ausstellung setzt sich räumlich nicht mehr so großzügig in der Nicholson-Bibliothek fort, der US-Garnisonsbibliothek, die nach einem 1985 auf Inspektionsfahrt in der DDR erschossenen US-Major benannt wurde. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Sonderstatus von Berlin, den Konflikten zwischen Ost und West und dem Verhältnis der Westmächte zu den Berlinern. Er reicht somit an den Abzug der Alliierten im September 1996 heran. Ein Höhepunkt dürfte der Nachbau des Spionagetunnels der Amerikaner auf DDR-Gebiet sein, der 1956 entdeckt wurde. Ein großer Propagandaerfolg für die Sowjetunion und die „DDR“, die man ja lange Zeit nicht oder nur in Anführungszeichen nennen durfte. Interessant auch die Holzfassade (der Rest ist nicht erhalten) des klitzekleinen Kontrollhäuschens in der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie 1961-1976 für alle drei Westmächte, über den der Zugang in den Osten geregelt wurde.

Mit ‚Little America‘ zeigt die derzeitige Foto-Sonderausstellung noch bis zum März 2019 jene Teile fast aller Städte mit US-Garnisonen im Ausland, die durch ein Leben nach US-Gepflogenheiten geprägt waren. Aber hier deutet sich stärker als in der Dauerausstellung eine wohl durch die Museumsträger bedingte diplomatische politisch-korrekte Ausdrucksweise an, mit der eine mitunter raue Realität schönpoliert wird. So heißt es zu den (knapp erwähnten) Rassenproblemen in der US-Army nach Abschaffung der Wehrpflicht 1973: „Soziale Unterschichten mit geringem Bildungsgrad und ethnische Minderheiten waren im US-Militär überrepräsentiert. Dies begünstigte den Fortbestand einer traditionell autoritären und auf Drill basierenden Ausbildungsmethodik.“ Ganz falsch ist das nicht, aber auch nicht so richtig richtig.

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