BlackBox Kalter Krieg

Besuch am Donnerstag, 16.8.2018, ca 2 Std., davon innen ca 1 Std. Die ‚BlackBox Kalter Krieg‘ liegt am ehemaligen Checkpoint Charlie an der Ecke Friedrich-/Zimmerstraße, dem wohl bekanntesten Durchgang durch die Berliner Mauer, dem Ort, an dem sich 1961 russische und amerikanische Panzer kampfbereit gegenüberstanden. Entsprechend laut, schrill, touristisch aufgeheizt ist es hier. Neben etlichen Museen zur Mauer, zum geteilten Berlin bis hin zur Currywurst, die plakativ werben, liegt auch die ‚BlackBox Kalter Krieg‘. Sie thematisiert den Konflikt zwischen den ehemaligen Westalliierten mit kapitalistischer Struktur und der Sowjetunion mit ihren nach 1945 vorgelagerten Staaten auf sozialistischer Basis. Träger der ‚BlackBox Kalter Krieg‘ ist das ‚Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V.‘ im Auftrag des Berliner Senats. Es handelt sich um ein (evtl. langlebiges) Provisorium.

Der Checkpoint Charlie auf einem Foto (im Außenbereich)
Abfotografiert: Gerd Walther

Nun ist ja dieses Kapitel nicht nur deutscher und Berliner Geschichte alles andere als uninteressant. Lt ‚Die Welt‘ (4.8.2015) besuchen jährlich etwa 4 Mio Menschen diese Ecke, das sind fast 11.000 täglich, die ja nicht nur durchgehen, sondern sich eine Zeitlang hier aufhalten. Vor den großen Fototafeln und Texten außen im Umfeld der BlackBox kann der Zustand aus Zeiten der Mauer mit dem gegenwärtigen anschaulich verglichen werden. Das Interesse ist auch 29 Jahre nach dem Fall der Mauer groß. Und vielen hier sieht man das Entsetzen an, wie Menschen mit Menschen, besser Staaten mit Menschen umgehen können. Hier eher betretenes Schweigen. Auf der anderen Seite der Kreuzung kann man sich am dürftigen Rest-Checkpoint für Geld mit 2 Statisten in (west)alliierten Uniformen vor entsprechenden Fahnen fotografieren lassen. Daumen nach oben. Wer will, mit Uniformmütze. Meist wird die der Sowjets gewählt. Das Angebot wird gut angenommen. Daneben fliegende Händler mit Nippes vom Kalten Krieg, ein Panoramabild der Mauer (gegen Eintritt), Currywurst-, Döner- und Souvenirbuden. Ein Segment der Berliner Mauer als beliebtes Selfiemotiv. Gegenwart pur, hart, spannend.

Bei der BlackBox handelt es sich um einen nicht übermäßig großen abgedunkelten Raum, der im angelegten Rundgang mit modernen Museumsmedien eine erstaunliche Tiefe und Breite zum Thema bietet. Kurze Texte, Dokumente, Filmausschnitte, häufig von Wochenschauen, mehrere Medienstationen mit Beiträgen, selten länger als 1 Minute, ein kleines Kino mit einem Film zur Mauer, dazu Großfotos sowie kleine, gut gemachte Rauminstallationen in Nischen decken die Zeit zwischen 1945 und 1990 in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt erstaunlich intensiv ab. Und die Zeit hatte doch einiges an Schrecknissen (und deren Überwindung) zu bieten: Rüstungswettlauf, Atombewaffnung, ‚Nachrüstungen‘, Stellvertreterkriege, Berlinkrisen, DDR-Aufstand, Mauerbau, Koreakrieg, Kubakrise, ‚Prager Frühling‘ 1968, Vietnamkrieg, Aufstände in Polen, Ungarn, Nahostkonflikt, Kriege im Iran, Irak, Bürgerkriege in Afrika, das Auf und Ab von Militärdiktaturen etc. etc. Da wird heute angesichts aktueller Probleme allzu leicht vergessen, dass es früher auch nicht so toll war. Von wegen früher war alles besser.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

Es wird grell gezeichnet, nicht in den Eigentexten, sondern im verwendeten Material, nicht zuletzt in den vielen O-Tönen der Wochenschauen mit ihrem harten Duktus, den Aufmachern in den Zeitungen. Man kommt damit der Realität im Kalten Krieg wohl näher als in einer betulich ergründenden und erläuternden Ausstellung, gar politisch korrekt. Wenn man so will, haben wir hier den Stil von BILD, was die Präsentation wohl authentischer macht, nicht von FAZ oder SZ. Das schließt ja eine umfangreichere Ausstellung andernorts nicht aus. Ob sie besser wäre, sei dahingestellt, denn hier geht es um Kapitalismus oder Sozialismus, Geld und Macht. Und die siegreiche Variante dominiert allzu leicht die Sicht auf die Vergangenheit.

Die Art, wie man an diesem lauten Ort mit einem wohl immer noch aktuellen, auf jeden Fall aber interessanten Thema umgeht, ist gut, intensiv, informativ und authentisch gestaltet. Man möchte hierher all die Museumsmacher*innen zur Fortbildung schicken, die ihre Besucher*innen mit ellenlangen (Alibi-)Texten, die kaum einer liest, und trögen Ausstellungen zu Tode langweilen.

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