Funkerberg Königs-Wusterhausen

Besuch am Dienstag, 18.8.2020, ca 2 Std. Auf dem ‚Funkerberg‘ in Königs-Wusterhausen südlich von Berlin wurde im Senderhaus 1 in den Jahren 1995/96 das ‚Sender- und Funktechnikmuseum‘ eröffnet. 2005-07 war es nach einem Wechsel des Eigentümers zeitweilig geschlossen. Trägerin ist heute die Stadt Königs-Wusterhausen, die seit 2009 den Beinamen ‚Rundfunkstadt‘ trägt, im Zusammenwirken mit dem ‚Förderverein Sender Königs-Wusterhausen e.V.‘. Die Präsentation unterlag evtl. Umstrukturierungen wegen Corona.

Ausschnitt aus dem Modell das Funkerbergs mit (1) Senderhaus 1, heute Museum
Foto: Gerd Walther

Wenn es in Deutschland einen authentischen Ort für ein Sendermuseum gibt, dann hier. Seit 1911 nutzte die Telegraphentruppe des Heeres den ‚Windmühlenberg‘ zunächst mobil für Funkversuche. Zwischen 1913 und 1916 wurden gewaltige Antennen errichtet, ein weithin sichtbares Wahrzeichen, von denen noch die Antenne 17 mit 210 m Höhe übrig blieb. Eine Funkerkaserne kam hinzu, Nebengebäude und 1916 das Senderhaus 1, in dem jetzt das Museum untergebracht ist. Nach einer kurzen Pause infolge des verlorenen Kriegs folgten 1923 das Senderhaus 2 und 1925 das Senderhaus 3. Da damit das Gelände funktechnisch voll war, wurde im 3 km entfernten Zeesen ab 1929 der ‚Weltrundfunksender Zeesen‘ errichtet.

Natürlich lebt dieses Museum außer von seiner Lage mitsamt vielen Gebäuden, die inzwischen eine andere Nutzung haben, von den Sendern, die hier ausgestellt sind. Zu recht ist man aber auch stolz darauf, dass die 1.Rundfunkübertragung in Deutschland in Telephonie, also mit Ton, und nicht ’nur‘ Telegraphie, also Morsezeichen, am 22.12.1920 hier gesendet wurde – das heute meist als legendär bezeichnete ‚Weihnachtskonzert‘. Gehört haben’s mangels Empfangsgeräten nicht viele. Und erst am 23.9.1923 begann im Berliner Vox-Haus der Unterhaltungsrundfunk in Deutschland mit einem regelmäßigen Programm.

Der Museumsbesuch begann in der früheren Maschinenhalle nach einer kurzen Einführung durch einen Mitarbeiter mit einem Film. Wäre dieser zum Ausklang des Besuchs und als Zeitpuffer nicht besser aufgehoben als am Anfang, wenn die Besucher noch voller Energie sind? So sitzen die Besucher erst einmal 20–25 Minuten. Daneben befinden sich in der rel. leeren Maschinenhalle ein interessanter Langwellen-Sender in offener Bauweise, mit dem früher ein Zeitsignal gesendet wurde, und eine imposante 100 kW-Sender-Endstufe von Telefunken. Am Rande sind Radio- und Fernsehgeräte meist aus DDR-Produktion zu sehen. Selbst wenn’s hier v.a. um Sender geht, sollte man den ausgestellten Empfängern mehr Pflege zukommen lassen. Zudem sind leider Beschriftungen hier wie auch bei anderen Exponaten und vielen Fotografien minimalistisch – wenn überhaupt vorhanden. Dass der ‚Goebbels-Schnauze‘ genannte Volksempfänger, mit 1936 statt mit 1938 (DKE 38) datiert ist, sollte nicht passieren. Ein Raum mit einem imposanten 1000 PS-Dieselaggregat der Firma Deutz von 1938 schießt sich an.

Blick in die rechte Hälfte der Maschinenhalle mit dem Sender hinten und der Endstufe vorne
Foto: Gerd Walther

Von einem Gang eine Halbetage höher gehen mehrere Räume ab. Einen sehr schönen Lorenz-Sender in geschlossener Bauweise kann man (wohl derzeit) nur von der Türe aus sehen. Ein weiterer Raum ist der Entwicklung des Fernsehens in der DDR gewidmet. Ein Kernstück des Museums ist der Raum zur Geschichte des Rundfunks von der Anfängen bis in die Gegenwart. Darin auch eine Installation zum Weihnachtskonzert von 1920. Hier befinden sich fraglos sehr viele sehr interessante und seltene Exponate zum Rundfunk allgemein und zu Königs-Wusterhausen im Besonderen. Wieso man aber alles in einen Raum pfercht, statt großzügig auszustellen und auch den diversen Modellen genügend Platz zu geben, bleibt unverständlich. Exponate müssen sich doch auch entfalten können. Zumindest hätte man die Zeit nach 1945, die fast die Hälfte einnimmt, etwa in die Maschinenhalle geben können in Ergänzung der dort bereits befindlichen Radios aus der Zeit. Noch eine Etage höher steht ein 250 KW-Mittelwellensender in offener Bauweise, der 1959– 93 in Berlin-Köpenick in Betrieb war. Hinzu kommt noch ein aufschlussreiches Modell zur Gesamtanlage des ‚Funkerbergs‘ und ein Raum zur Röhrenentwicklung, der sich in seiner Gestaltung mehr an Fans und Fachleute wendet.

Wir haben ein ‚Sender- und Funktechnikmuseum‘ mit sehr vielen hochinteressanten Exponaten am historisch authentischen Ort vor uns. Leider überzeugt die konzeptionelle Ausgestaltung des Museums nicht immer.