Humboldt Forum – Museum für Asiatische Kunst

Besuch am Mittwoch,13.10.2021, nicht ganz 1,5 Std. Das ‚Museum für Asiatische Kunst‘ entstand nach Vorläufern seit dem 17.Jh., Gründungen im späten 19.Jh., Zusammenlegungen und Trennungen von Sammlungen, der Aufspaltung in verschiedene Museen im geteilten Berlin mitsamt gravierenden Sammlungsverlusten nach 1945 durch die Sowjetunion im Jahr 2006 aus den Museen für Ostasiatische und für Indische Kunst zunächst in Berlin-Dahlem. Seit September 2021 ist es im Humboldt-Forum untergebracht. Es gehört zu den ‚Staatlichen Museen zu Berlin‘.

Besucherinnen beim Lesen von Infos zu Exponaten der Kunst Indiens;
Foto: Gerd Walther

Das Museum gibt’s im Zweierpack zusammen mit dem ‚Ethnologischen Museum‘, das eine Etage tiefer untergebracht ist. Viele Besucher haben also schon eine Museum hinter sich gebracht, was bzgl. der Aufnahmefähigkeit nicht günstig ist. In 6 Sälen werden die Kunst Südasiens, Exponate aus dem Gebiet der Nördlichen Seidenstraße sowie die Kunst Ostasiens, also aus China, Korea und Japan gezeigt. Dabei spielen sowohl die religiöse Fundierung der Kulturen eine große Rolle als auch eine Orientierung an der Hoch- bzw. Höfischen Kultur.

Selbstredend hat das Museum viele ganz vorzügliche Exponate. Leider hat man auch hier wie im Ethnologischen Museum die (knappen) Texte zu den Exponaten meist sehr tief angebracht, was ein Pendeln zwischen Lesen und Betrachten erschwert. Zudem werden mehrere der nicht allzu langen zusammenfassenden Texten identisch wiederholt. Hätte man den Platz nicht für zusätzliche Informationen zu den einzelnen Kunstwerken sinnvoller nutzen können? Auch setzt man sie in Konkurrenz zu großformatigen modernen Farbfotos. Das mag bei Architekturfotos angehen, die die Kunstwerke am originalen Ort zeigen. Aber mehrfach bringen die Fotos wenig Erkenntnisgewinn – außer dass sie groß und bunt sind. Fast alle Texte zu den Exponaten sind äußerst knapp und schwer lesbar mit Bildern und Grafiken nicht selten in Postkartengröße gehalten. So bleiben die Artefakte aus anderen Kulturkreisen weitgehend fremd, wo doch die Tätigkeit von Museen genau da ansetzen könnte und sollte.

Während bei der Kunst Südasiens mit Schwerpunkt Indiens Einzelexponate dominieren, haben wir bei der Nördlichen Seidenstraße, also dem heutigen Ostchina nördlich der Taklamakan-Wüste auch Ensembles vor uns. Ihre Herkunft aus buddhistischen Höhlentempeln, deren Wände man mitsamt den interessanten Wandmalereien abgenommen und hier reinstalliert hat, legen das nahe. Allerdings wird in diesen Räumen die Ausstellungsarchitektur teilweise sehr dominant.

Im Ausstellungsbereich zur Nördlichen Seidenstraße;
Foto: Gerd Walther

Im Unterschied hierzu begegnet uns im Bereich der ostasiatischen Kunst mitunter eine erstaunliche Leere der Säle. Das bringt eine erfreuliche Ruhe mit sich, hinterlässt aber auch den Eindruck, man sei mit der Einrichtung nicht fertig geworden. Hier häuft sich auch die Doppelung der Texte. Sehr schön sind die Beispiele chinesisch-japanischer Schreibkultur mit dem Zusammenwirken von Dichtung, Malerei und Kalligrafie in den ‚Drei Perfektionen‘. Auch dies eine Kunstform, die die Kultiviertheit der Upperclass bis hinein ins Kaiserhaus ausdrücken sollte. Andere Kulturformen wie das überaus reiche Theater- und Musikleben Asiens mit einer Vielzahl an Kostümen und Masken werden leider nicht thematisiert. Erfreulich ist jedoch, dass man zeitgenössische Künstler mit Wechselausstellungen in das Museum hereinnimmt. Eine Schausammlung zur überaus reichen Geschichte der Töpferei schließt das Museum ab. Dabei muss man an den interaktiven Stationen scrollen, um über die standardisierten museumsinternen Informationen hinaus an die Beschreibungen der Exponate zu gelangen. Das Museum setzt eben auch hier seine ihm wichtigen Schwerpunkte.