Naturkundemuseum Berlin

Besuch am Mittwoch, 15.8.2018, ca 2,5 Std. Mit den Vorgängern des ‚Museums für Naturkunde Berlin‘ ist die mineralogische und zoologische Sammlung der damals gegründeten Humboldt-Universität 1810 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Seit 1889 ist es in einem stattlichen Bau an der Invalidenstraße untergebracht (U9 Station ‚Naturkundemuseum‘). Seit der Wiedervereinigung wurde und wird das im Ostteil Berlins gelegene Museum umfassend reorganisiert und auch baulich renoviert. Trägerin des Museums ist seit 2009 eine Stiftung des öffentlichen Rechts.

Blick in den Lichthof mit den Dinosauriern
Foto: Gerd Walther

Im Grunde ist das Museum mit seiner Gitterstruktur um drei Lichthöfe einfach aufgebaut und durch einen Rundgang zu erschließen. Zudem liegt ein Raumplan aus. Es beginnt nach dem Eingang gleich fulminant mit dem großen Lichthof, in dem Skelette von Sauriern stehen, deckenhoch, raumgreifend, imposant, 2-3 große, mehrere kleinere, dazu weiteres Artefakte, etwa ein Abdruck des Flugsauriers Archaeopterix. Natürlich ist hier der Andrang groß, die audiovisuellen Brillen sind häufig von Kindern belegt. Zusätzlich werden über Monitore diverse Sauriere und andere Lebewesen in ihrem früheren Umfeld gezeigt.

Es geht weiter in einen abgedunkelten Raum zur Entstehung des Weltalls, der Erde, der Atmosphäre und was es sonst noch alles braucht, damit Leben ent- und bestehen kann. Immer wird dabei der Bogen in die Gegenwart gespannt, anschaulich und spannend präsentiert, knapp, unaufdringlich interaktiv. Wer will, kann jetzt in die neben dem Lichthof mit den Dinosauriern liegende mineralogische Sammlung abbiegen. Ganz unprätentiös, aber wunderschön und sehr umfangreich liegen die ‚Steine‘ in schräg aufgestellten Vitrinen, eine Welt für sich, nur äußerlich stumm, starr und kalt. Aber trotzdem oder auch deswegen abwechslungsreich anzuschauen, wenn man sich denn die Zeit nimmt. Nach einem Durchgangsraum mit der ungewöhnlichen Präsentation eines Films zur Erdgeschichte gelangt man in einen Saal, in dem seit 2015 das einzige Originalskelett eines Tyrannosaurus (als Leihgabe) einem Highlight entsprechend untergebracht ist. Auch hier ergänzen moderne museumsdidaktische Medien die Präsentation.

Nassraum
Foto: Gerd Walther

Während bisher einzelne Saurier die Räume dominierten, ist im Saal zur Biodiversität die Vielzahl und Aufgliederung in verschiedene Spezies bis hin zum Menschen spannend in Szene gesetzt. In schönen, teils alten Vitrinen begegnet man Tieren in den verschiedenen Weltteilen. Tiger, Menschenaffen, Bären faszinieren dabei ebenso wie die in ihrer Vielfalt ausgestellten Muscheln, Käfer oder Schmetterlinge bis hin zum lebenden Fisch in einem Aquarium. Gute Erläuterungen auch zu umtriebigen Forschern ergänzen die Präsentation. Anschließende, im Umbau befindliche Säle zeigen derzeit eingeschränkt eine Auswahl zur heimischen Flora und Fauna, sind aber nicht weniger interessant. Ein Beispiel: Ein etwa achtjähriges Mädchen betrachtet aufgeregt und aufmerksam eine Vitrine mit heimischen Vögeln. Vati steht etwas genervt daneben. (Meist ist es umgekehrt.) „Aber Mäuschen, du willst doch nicht jeden Vogel ansehen.“ Aber Mäuschen will. Dann gelangt man in den abgedunkelten, kühlen sog. ‚Nassraum‘, der 2010 neu eröffnet wurde. Tausende mit Alkohol gefüllte Gläser mit Fischen, Reptilien und anderen Exponaten stapeln sich mittig in Hochregalen bis zur Decke und geben diesem dunklen Saal eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Man umrundet die Exponate, während man die in den Gläsern befindlichen Fische und Reptilien bestaunt. Eigentlich ist die Idee der Präsentation ganz einfach, aber das ist große Ausstellungskunst.

Man sollte sich auch für diesen Bereich viel Zeit nehmen. Aber man kann ja wieder kommen, denn dieses bemerkenswerte Museum ist so facettenreich, dass es immer Neues zu entdecken gibt. Man hat mitunter in Museen das Gefühl, dass man unbedingt noch einmal herkommen möchte – oder öfters. Wissend, dass es unerschöpflich und jedes Mal spannend ist. Im Naturkundemuseum hat man es.

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