Neues Museum Berlin

Besuch am Donnerstag, 16.3.2017, ca 3,5 Std. Das Neue Museum auf der Museumsinsel wurde 1843-55 von Friedrich August Stüler erbaut, im 2.Weltkrieg schwer beschädigt, blieb lange eine Ruine und wurde zwischen 2003 und 2009 unter Leitung des Architekten David Chipperfield wieder instand gesetzt. Auf seinen 4 Ebenen beherbergt es Exponate des Ägyptischen Museums, des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie der Papyrus- und Antikensammlung. Das Neue Museum gehört zu den Staatlichen Museen Berlins.

Sitzfigur des Bierbrauers Renef-seneb-dag mit Tochter Daget,             1850 – 1750 v. (Chr.)
Foto: Gerd Walther

Wie geht man nun um mit einer Zeit und ihren Zeugnissen, von deren Existenz man zwar weiß, die einem aber doch über Oberflächliches hinaus fremd ist und wohl auch bleibt. Natürlich ist es sinnvoll, den im Eintritt enthaltenen Audioguide zu Rate zu ziehen. Aber es ist auch reizvoll, mitunter Fremdes fremd bleiben zu lassen, ganz unmittelbar mit dem zu kommunizieren, was man vor Augen hat. Entspannt sieht sich’s besser. Wie ginge das auch anders etwa bei der Geschichte Ägyptens, die nicht nur mehrere tausend Jahre zurückliegt, sondern auch ebenso lange gedauert hat.

Da ist zunächst einmal das Gebäude des Klassizismus selbst mit seinen unterschiedlichen Räumen, dem Treppenhaus, dem Gesamtkomplex, in dem David Chipperfield sensibel Zerstörtes durch Neues ersetzte. Nicht umsonst gehört das Neue Museum zum UNESCO-Weltkulturerbe der Museumsinsel. Und natürlich hat das Neue Museum seine Highlights, die Büste der Nofretete etwa, den vorzüglich erläuterten Berliner Goldhut, den Schatz des Priamos (als Replik, das Original befindet sich (noch) in Russland), der noch einmal durch ein Foto mit und an der Frau von Heinrich Schliemann gewinnt. Er war ja nicht für’s Museum gemacht. Es ist die große Zahl außergewöhnlicher Exponate, die den Highlights eine ‚Normalität‘ verleiht, die allem gut tut.

30 Köpfe aus 3000 Jahren
Foto: Gerd Walther

Thema des Untergeschosses ist das Niltal. Bis auf den ägyptischen und den griechischen Hof, die das Museum in seiner ganzen Höhe durchziehen, dominieren schwere, niedrige Gewölbe. Sie geben den mit Todesritualen verbundenen Exponaten aus dem Alltagsleben einen ganz eigenen Rahmen. Eine Etage höher werden – soweit erhalten – die beiden Innenhöfe von hohen Sälen mit schlanken Säulen umrahmt. Über weitere Exponate aus dem Niltal gelangt man zu den Anfängen Griechenlands, zur Vor- und Frühgeschichte (Zentral-)Europas. So sind Vergleiche möglich zum kulturellen wie allgemeinen Niveau beider Regionen etwa zur selben Zeit. Eindrucksvoll ist neben dem erwähnten Schatz von Troja der ‚Dreißig Jahrhunderte‘ betitelte Raum, in dem an 30 Köpfen, einem pro Jahrhundert, die Entwicklung des Menschenbildes von den Anfängen Ägyptens bis in die römische Zeit verfolgt werden kann. Einzeln aufgestellte Vitrinen erlauben eine Betrachtung von allen Seiten. Hinzu kommen nicht allzu lange Texte zum Thema der Räume bzw. Raumeinheiten, knappe Hinweise zu den Exponaten und im Audioguide.

Näher an die Gegenwart kommt man wieder eine Etage höher mit den Römern, auf deren Eroberung Ägyptens die hier aufgestellte Nofretete verweist. Es folgt die Zeit der Völkerwanderung bis ins frühe Mittelalter. Abermals verändert sich die Raumstruktur, wirken die Säulen schlanker, was eine Monotonie der Raumeinheiten, die allzuleicht den Gesamteindruck beeinflusst, verhindert. Frühe Beispiele einer christlich geprägten Kunst tauchen auf, hinzu kommt ein Einblick in die Produktion ägyptischer Werkstätten.

Die oberste Etage widmet sich mit modern ausgeführten thematischen Großeinheiten der Vor- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Dazu ein Exkurs zu archäologischen Funden im Berliner Raum bis hin zu einem verrosteten Maschinengewehr aus dem 2.Weltkrieg. Sehr schön ist, dass sich zur modernen Museumsgestaltung eine Zuwendung an die eigene Hausgeschichte gesellt mit einem Raum zu den frühen Sammlern mit ihren Sammlungen im Neuen Museum mitsamt wunderschönen alten Vitrinen aus dem 19.Jh.

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