Schloss Charlottenburg – Altes Schloss

Besuch am Sonntag, 5.11.2017, ca 2 Std. im Schloss und 1 Std. im dazugehörigen Park. Im umfänglichen Schloss Charlottenburg sind gegen Eintritt das Alte Schloss (erbaut 1695-1699-1712), der Neue Flügel (1740-1747) und im Park (im Sommerhalbjahr) der Neue Pavillon (1824), das Belvedere (1788) und das Mausoleum (1843) zu besichtigen. Der Besuch des Schlossparks ist ganzjährig frei. Die Große (1712) und Kleine Orangerie sowie das (neue) Theater (1788) dienen für Veranstaltungen. Trägerin von Schloss Charlottenburg, das im 2.Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, ist die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Ehrenhof mit Hauptgebäude                                                Foto: Gerd Walther

Kurfürst Friedrich III., der sich 1701 als Friedrich I. zum König in Preußen krönte, schenkte das 1695–1699 errichtete Schloss Lietzenburg 1696 seiner kulturell aufgeschlossenen Frau Sophie Charlotte als Sommersitz und Musenhof. Nach der Königskrönung genügte das nicht mehr, links und rechts wurden Flügel angebaut und die vorderen Gebäude für Diener und die Küche mit dem Haupthaus verbunden, so dass ein Ehrenhof entstand. Den schmückt seit 1952 das Reiterstandbild des ‚Großen Kurfürsten‘ (1620–1688). Nach Charlottes Tod 1705 wurde das Anwesen in Schloss Charlottenburg umbenannt. Die Bauarbeiten kamen 1712 mit dem markanten Kuppelturm vorerst zum Abschluss. Zeitgleich wurde ab 1697 ein barocker Schlosspark angelegt. Schloss Charlottenburg ist heute (noch) dass größte erhaltene, eigentlich wiederhergestellte, Schloss der Hohenzollern. Lange diente es als Sommerresidenz (mit weniger strengem Hofprotokoll) zum Stadtschloss in Berlin. Es wurde bis 1888 von den Hohenzollern genutzt und erfuhr dadurch diverse Veränderungen je nach Zeitgeschmack. Die kulturell engagierte Sophie Charlotte war die wichtigste Förderin von G. W. Leibniz, dem 1.Präsidenten der auf ihr Anraten von Friedrich 1700 gegründeten Berliner Akademie der Wissenschaften.

Der Rundgang im Alten Schloss umfasst mit ca 25 Räumen das Erdgeschoss mit der sog. Mecklenburgischen Wohnung, der 1.Wohnung Sophie Charlottes, der Paradewohnung Friedrich I., der Kirche und der 2.Wohnung Sophie Charlottes. Der im Eintritt enthaltene Audio-Guide ist hilfreich, erläutert die Grundlagen des Schlossbaus, die Funktion einzelner Räume wie auch herausragende Kunstwerke. Er findet Ergänzung durch knappe Texte in den Räumen, die auch diverse Einrichtungsgegenstände auflisten. Diese allerdings stammen – man möchte fast sagen natürlich – nicht ursprünglich aus dem Schloss, aber das ist bei Möbeln und Kunstwerken nicht ungewöhnlich. Sicher geht man durch eine sehr eindrucksvolle Schlossanlage. Über den Vorhof und die Mittelachse des Eingangs wird eine Verbindung zum Schlosspark herstellt. Hinzu kommt die Unterteilung in tendenziell größere öffentliche Räume für die Repräsentation sowie die mitunter erstaunlich kleinen Privatgemächer. Dabei weiß man oft nicht, ob man mehr die Pracht des Barock und Rokoko bewundern soll oder die Fähigkeiten moderner Restaurierungskunst, denn nach dem 2.Weltkrieg lag alles in Schutt und Asche.

Sog. gläsernes Schlafgemach in der 1. Wohnung Sophie Charlottes
Foto: Gerd Walther

Es ist eine Eigentümlichkeit dieser Art der Präsentation, die die Anlage und Ausgestaltung der Räume zum Zentrum hat, dass das Leben der barocken Adelsgesellschaft allen Bemühungen zum Trotz blass bleibt. Das Bad, das einen Aufschluss über den körperlich-hygienischen Umgang der Zeit ermöglichen würde, bleibt ebenso am Rande erwähnt, wie die Tapetentüre im Ankleidezimmer der Königin. Aber wie gestaltete sich das Leben in so einem Schloss über die Trennung von Repräsentation und Privatheit hinaus. Und was heißt Privatheit hier überhaupt? Wie äußerten sich die Hierarchien unter Adeligen wie auch den Subalternen, der unauffällig über Hintertüren und Seitengänge sich bewegenden Dienerschaft. Wie viele Menschen waren hier, wenn der König anwesend war: Adelige, Bittsteller, Antichambrierer, Diener, Soldaten, gab’s Armleuchter, Tiere usw. usf.? Und was taten die den ganzen Tag lang? Spielen, jagen, sich langweilen, amüsieren, intrigieren, regieren? So ein Schloss sollte doch auch ein Spiegel der Menschen der Zeit sein, nicht nur ihrer Möbel und Kunstwerke. Während Charlotte in der Geschichtsschreibung einigermaßen gut wegkommt, wird Friedrich I. eher als Verschwender mit ungewöhnlichem Tod gesehen, nachdem der Haussegen bei Hohenzollerns unter Charlottes Nachfolgerin kräftig schief hing. Wie war das Leben bei Hofe bei all den Intrigen um die Macht bzw. die Nähe zum König. Das kommt bei der Konzentration auf die Ausstattung leider zu kurz. Trotzdem sind das Schloss wie auch der sehr schöne Park eine Besichtigung wert.

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