Hafenmuseum Bremen

Besuch am Samstag, 27.11.2021, ca 3 Std. Das ‚Hafenmuseum Speicher XI‘ befindet sich in der Bremer Überseestadt, dem ehemaligen ‚Überseehafen‘. Auch wenn nach der Verfüllung des Überseehafens 1998 und der Bebauung mit dem Großmarkt der mächtige Speicher XI sozusagen auf dem Trockenen steht, haben wir in dem Gebäude selbst ein einzigartiges und authentisches Bauwerk vor uns. Die ursprünglich 1908–1912 errichteten Speicher XI und XIII wurden nach ihrer Zerstörung im 2.Weltkrieg 1947–1948 als Speicher XI zusammengelegt. Mit etwa 400 m Länge besitzt er auf 4 Ebenen eine Lagerfläche von fast 38.000 qm, wovon das Museum etwa 2000 nutzt. Trägerin des 2003 eröffneten und 2013 überarbeiteten Museums ist die ‚Kulturforum Speicher XI GmbH‘.

Der Bremer Überseehafen in den 1950ern;
Abfotografiert: Gerd Walther

Die Stadt, der Fluss, der Hafen, das sind die 3 Elemente, die bis heute die Geschicke der Wirtschaft und der dort arbeitenden und lebenden Menschen bestimmen. Die zunehmende Versandung der Weser führte schon im frühen 19.Jh zur Verlagerung des Hafen an der ‚Schlachte‘ unmittelbar in der Stadt nach Norden, musste doch die Fracht großer Schiffe umständlich auf kleinere Leichter umgeladen werden. Ab 1887 entstand der ‚Europahafen‘, der mit dem Beitritt Bremens zur ‚Deutschen Zollunion‘ 1888 zum Freihafen, also zum Zollausland wurde. Ab 1888 erfolgte die Weserkorrektur mit einer nachhaltigen Vertiefung des Fahrwassers, so dass wieder Hochseeschiffe anlanden konnten. 1891–1900 kam der heute noch existierende ‚Holz- und Fabrikhafen‘ hinzu – und zwischen den beiden Hafenbecken entstand um 1906 der ‚Überseehafen‘. In diesem Zusammenhang wurden die beiden Speicher als Baumwollspeicher gebaut, einem Haupthandelsprodukt im Umfeld der Bremer Baumwollbörse, die bis heute tätig ist. Infolge immer größerer Schiffe wurde auch das 1827 erworbene Bremerhaven zunehmend wichtig. Das Ende des Bremer Hafens/der Bremer Häfen für die Hochseeschifffahrt kam mit dem Einsatz von Containern ab den 1960er Jahren und einem damit einhergehenden tiefgreifenden, allumfassenden Wandel.

Am Speicher XI in den 1950er Jahren;
Abfotografiert: Gerd Walther

Diese gewaltigen Veränderungen werden im Museum aus verschiedener Sicht anschaulich dargestellt, seien es die wirtschaftlichen Umstrukturierungen, die Bremen etwa durch Firmen für Kaffee mit und ohne Koffein wie Eduscho, Jacobs oder Kaffee Hag bekannt machten, sei es der Wandel bzw. das Verschwinden vieler Familien-Reedereien, aber auch des Norddeutschen Lloyd oder der DDG Hansen, oder Werften wie der Weser AG und die Bremer Vulkan. Hinzu kommen der Wegfall der vielen Beschäftigten zum Be- und Entladen der Schiffe, der Anschluss an die Eisenbahn, der Wandel von der Lagerhaltung zur ‚Just-in-Time-Produktion etc etc. Daraus ergibt sich das vielfältige, bunte und interessante Mosaik einer einst quirligen Hafenstadt, ohne dass die kleinen Farbtupfer der Blick auf das große Ganze verstellen. Nehmen wir den Talleymann, den Kontrolleur, im ‚Banana-Boat‘-Song von Harry Belafonte, das Hafenkonzert, das seit 1929 zunächst aus Hamburg gesendet wurde, dann von 1947-2013 ein Markenzeichen von Radio Bremen war, dazu am Rande ein Radiogerät der Bremer Firma Nordmende (1947 – um 1990) oder Lale Andersen aus Bremerhaven. Es war meist eine harte Arbeit, so dass schon früh ‚Gastarbeiter‘ als Schweißer oder Stauer, Kajearbeiter oder anderweitig beschäftigt waren, deren Lebenswege auch in Medienstationen festgehalten werden. Dazu die Schicksale der zunächst meist französischen, später russischen Kriegsgefangenen im 2.Weltkrieg. Und natürlich von Seeleuten. In einem kleinen, mit Ordnern gefüllten Raum hat man Gelegenheit zum niederschwelligen Nachlesen der ganzen Bandbreite des Hafengeschehens in Bremen.

Das alles ist sehr abwechslungsreich dargestellt, viele Inszenierungen veranschaulichen das Hafengeschehen, viele auch bewegliche Modelle geben einen Einblick in das Ineinandergreifen der Arbeitsabläufe, zeigen den Aufbau der riesigen ‚Getreide-Anlage Bremen‘, breiten raumgroß und mit Filzschlappen begehbar das Luftbild des gesamten Hafens im Jahr 1974 am Fußboden aus. Das ist interessant, gut und fundiert gemacht, so dass der Strukturwandel eines modernen großen Hafens (mitsamt dazugehöriger Stadt) auch für Laien in diesem imposanten Gebäude gut nachvollziehbar ist.