Levi Strauss Museum

Besuch am Sonntag, 31.1.2016, ca. 1,5 Std. Trägerin des seit 2000 bestehenden und 2011 durch Hinzufügung des Nebengebäudes großzügig erweiterten Museums ist wohl die Marktgemeinde Buttenheim. Das Museum hat mehrere Preise erhalten. Die einzige Auszeichnung, auf die ein Museum stolz sein sollte, sollte das Lob seiner Besucher sein.

Das Museum besteht wesentlich aus einer Audioführung, die an 20 Stationen die Herkunft von Levi Strauss und der mit seinem Namen versehenen Hose erläutert. Ort ist das Haus, in dem Levi Strauss 1829 geboren wurde und in einer 9köpfigen Familie aufwuchs. Da war also ordentlich Leben in der Bude: Landjudentum in Franken im frühen 19.Jh, wo man vom Vieh- oder Hausierhandel mit den damit verbunden Geldgeschäften gelebt hat.

Im Erdgeschoss Foto: Gerd Walther

Im Erdgeschoss
Foto: Gerd Walther

Erstaunlicherweise verzichten die Museumsmacher weitestgehend auf Exponate. Selbst wenn zu Levi Strauss und seiner Familie in Buttenheim wenig bis nichts vorhanden wäre, so gilt das doch nicht für das dortige Landjudentum damals inkl. der Auswanderung nach Amerika. So steht man jetzt in kleinen, weißen, leeren Räumen, die auf Audioinstallationen und wenige stilisierte Utensilien im Beton-Look mit integrierten Videos reduziert sind. Es sind dies eine Hausierkraxe (Video ging nicht), 2 gestapelte Überseekisten (Video ging), eine Transportkarre (Video ging nicht), eine Strauss-Büste und 2 Großfotos. Gefühlte 3 Minuten dauert jeweils die Hörinformation pro Station, vor der man sitzt oder steht, die weißen Wände anschaut oder die minimalistischen Hinweise auf den Audiotafeln. Bei 20 Stationen ist man in ca. 1 Stunde durch.

Eine Etage höher liegt der Schwerpunkt zunächst auf der kalifornischen Zeit nach der Auswanderung sowie der Entstehung der berühmten Hose, die das Beiwerk zur 2. Hälfte der 20 Hörstationen geben: Material und Faden, Farbe und Nieten und was dazugehört, werden erläutert. Man erfährt, dass Denim was mit der französischen Stadt Nimes (de Nimes) zu tun hat, Jeans wohl mit Genua, man darf Stoffe anfassen und zuhören. Dazu die Kopie des Patents von 1873 von Jacob Davis (wohl der Erfinder der Nietenhose) und Levi Strauss & Company (wohl der Vermarkter). Dazu die Replik einer Levis von 1880.

1. Etage Foto: Gerd Walther

1. Etage
Foto: Gerd Walther

Ein weiterer, abgedunkelter Raum zeigt 6 Hosen und 5 Jacken, die 501-Jeans meist aus den 1930er Jahren. Danach befinden sich im Treppenaufgang eine letzte Audiostation zur Verbreitung der Jeans in Deutschland nach 1945 und eine Cowboy-Werbefigur. Der in vielen Familien geführte Konflikt zwischen einer im Nationalsozialismus erzogenen Elterngeneration, die auch bekleidungsmäßig zeigen wollte, dass es aufwärts ging, und ihren Kindern, die diese ‚Nietenhose‘, diese ‚Arbeitshose‘ der Amis tragen wollten, und denen die Ansichten der Eltern bestensfalls ‚Wurscht‘ waren, wird akustisch kurz erwähnt.

Er fehlt also nicht an interessanten Ansatzpunkten sowohl aus der Frühzeit von Levi Strauss als auch bei der Durchsetzung der Hose in Deutschland, die man hätte darstellen können. Das Museum verzichtet weitestgehend darauf, konzentriert sich auf das Audio-Medium. Man reduziert pralle Alltagskultur auf einen Hosen-‚Kult‘ rund um eine vermeintliche ‚Kult‘-Hose vergangener Zeiten, an dem der Besucher akustisch-flüchtig teilnehmen darf. Das entspricht wohl auch der Werbestrategie des Hosenherstellers, der ja mittlerweile viel Konkurrenz hat. Ein Film in der obersten Etage könnte mit seiner Musik, seinen Stars und vielen Jeans in jedem Textilgeschäft nebenbei laufen.

Es genügt, wenn man das einmal gesehen bzw. gehört hat. Vielleicht hat man deshalb das Museum um einen Raum für Sonderausstellungen (und einen großen Levis-Laden im Kassenbereich) erweitert, um die Besucher zu einem abermaligen Besuch zu bewegen. Wer das Levi Strauss Museum, das allenfalls ein Levi’s Museum ist, sehen möchte, sollte im Sommer kommen. Da haben zumindest die schönen Buttenheimer Kellerwirtschaften geöffnet.

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