Historisches Museum Cadolzburg

Besuch am Samstag, 6.5.2017, ca. 1,5 Std. Das ‚Historische Museum‘ wurde nach längerer Umbauzeit (siehe hierzu ‚Ausstellungen Archiv‘) im April 2017 eröffnet. Es geht aus dem nach 1988 entstandenen Rangau-Heimathaus hervor. Trägerin ist die Gemeinde Cadolzburg.

Das ‚Historische Museum‘ setzt sich aus drei Teilen zusammen. Da ist ebenerdig sowie über das Haus verteilt ein Denkmalmuseum, in dem neben Grundlagen zum Denkmalschutz bauliche Eigenheiten des Hauses veranschaulicht werden. Das mag man schon machen. Wieso man aber dabei die Nutzung des Gebäudes als Rathaus, Schule, Tanzboden, Wohnung des Gerichtsknechts etc. nur kurz erwähnt, weiß ich nicht. Das Haus hat doch auch eine Geschichte, nicht ’nur‘ Wände und ein Dach.

Bereich zur Ortsgeschichte Cadolzburgs
Foto: Gerd Walther

Eine Etage höher beginnt die Ausstellung zur Geschichte Cadolzburgs und seiner Umgebung seit den ältesten Funden aus der Steinzeit. Man inszeniert die Artefakte – auch später noch – sehr stark mittels wuchtiger Vitrinen, die immer nur ein rel. kleines Fenster auf die Exponate öffnen. Was wohl zur Konzentration des Blicks gedacht ist, hat den Nachteil, dass eine bestimmte Körpergröße vorgedacht ist, sonst muss man sich bücken oder strecken – und das ist auf Dauer lästig.

Das setzt sich im nächsten Raum zur Entstehung des mittelalterlichen Orts und der Burg verstärkt fort. Die Vitrinen dominieren den Raum, eigentlich sollten dies die Exponate tun, während die Vitrinen nur unterstützende Funktion besitzen. Die ‚Halskrause‘ etwa wird halb verdeckt, zur Betrachtung der Münzen muss die Körpergröße passen. Auch wünscht man sich ab und zu etwa eine fotografische Vergrößerung und eine ausführlichere Erläuterung zu einzelnen Münzen bzw. anderen Exponaten. Es gibt einfachere und effizientere Mittel der Präsentation. Hier müssen sich die Exponate ständig gegen die Wucht der Vitrinen wehren.

Schön gemacht sind die Darlegungen zu verschiedenen Handwerken in Cadolzburg. Auf interaktiven Stationen werden Arbeitsgeräte vorgestellt und das Arbeitsumfeld erläutert. Dass man ein Museum auch mit Leben erfüllen kann, zeigt der Raum zum Obstanbau in und um Cadolzburg, zur ‚Blöih‘ und dem damit verbundenen Tourismus. So hätte man sich das ganze Museum gewünscht, das doch in erster Linie die Geschichte (der Bewohner) Cadolzburgs erzählt, Wärme ausstrahlen, die Besucher an die Hand nehmen und durch ihre Geschichte führen soll.

Die Zeit des 1. und 2.Weltkriegs (und dazwischen?) wird wieder merkwürdig distanziert gezeigt, die Exponate sind eher optisch gefällig arrangiert als zum Lesen und Betrachten. Es gäbe doch sicher interessantes Material zum Alltagsleben in Cadolzburg im letzten Jahrhundert. Dazu zählt auch der Besitzer des Pleikershofs, Julius Streicher. Was hier wie eine lästige Pflichtübung aussieht, ließe sich auch informativ und offensiv gestalten. Die Geschichte Cadolzburgs nach 1945, zu dem die Besucher durch eigenes Erleben den engsten Kontakt hätten, in dem die dichteste Kommunikation stattfinden könnte, wird durch einen ‚einarmigen Banditen‘ dem Zufallsprinzip überlassen. Aber die Entwicklungen dieser Jahre und seiner Menschen sind viel mehr als ein zufälliges Geschehen. Das sollte man auch so nachvollziehbar darstellen.

Pisendel-Raum
Foto: Gerd Walther

Eine weitere Etage höher werden Cadolzburger Firmen bzw. Persönlichkeiten jeweils knapp vorgestellt. Versöhnlich stimmt dann wieder zum Abschluss der Raum zu Johann Georg Pisendel. Natürlich ist es nicht leicht, einen Barock-Musiker vorzustellen. Hier ist mit Bildern, Texten, Ton- und anderen Dokumenten ein anschaulicher Blick in Pisendels Leben und seine Zeit gelungen, so dass man sich gerne auf Cadolzburgs ‚großen Sohn‘ einlässt.

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