Germanisches Nationalmuseum – Landesausstellung ‚Karl IV.‘

Besuche am Mittwoch, 8.2. und Freitag, 10.2.2017, insgesamt ca 6 Std. Die ‚Bayerisch-Tschechische Landesausstellung‘ 2016/17 zum 700. Geburtstag von Karl IV. fand zunächst in Prag statt und geht in Nürnberg noch bis 5.3.2017. Federführend sind die Nationalgalerie Prag und das ‚Haus der Bayerischen Geschichte‘. Das Germanische ist Mitveranstalter.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Es handelt sich also um eine hochoffizielle Veranstaltung. Gemessen daran entstand eine erstaunlich differenzierte Darstellung des 14. Jhs, die durchaus kritische Blicke auf die Person und die Art der Machtausübung wirft. Karl IV. (1316 – 1378) war deutscher (Gegen-)König (1346/1349), König von Böhmen (1347), der Lombardei (1355) und von Burgund (1365) sowie Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1355), dem er mit der Goldenen Bulle 1356 eine Art Grundordnung gab, die zumindest formal bis ins Jahr 1806 Gültigkeit besaß.

Dass man Wert auf eine kunstgeschichtlich orientierte Präsentation gelegt hat, ist angesichts der durchaus machtorientierten Kulturpolitik Karls vertretbar. Die Ausstellung, aufgeteilt in 11 Stationen mit Untergruppen, beginnt mit einem Überblick über die Zeit zur Geburt Karls, einer krisengeschüttelten Epoche mit Hungersnöten, Naturkatastrophen, (Pest-) Seuchen. Da hätte es der vielen Kriege gar nicht mehr bedurft.

Über die Person und seine sehr vornehme Familie, seine Jugend am Hof in Frankreich gelangt man zur Erziehung dieses ebenso gebildeten wie frommen Herrschers. Zumindest ersteres war bei weitem nicht selbstverständlich. Aber wer glaubt, die Pest sei eine Strafe Gottes, zu der die Juden durch Brunnenvergiftung ihren Beitrag leisteten, der hortet auch viele Reliquien möglichst erster Qualität. Dies nicht immer mit dem Einverständnis ihrer Vorbesitzer (allerdings waren die in aller Regel zuvor auch schon geklaut). Der große Sammler betrieb somit v.a. auf seiner Burg Karlstein eine Art Urform des abendländischen Museums: Holz vom Kreuz Christi, Teile der Tischdecke vom letzten Abendmahl, Teile des Leichentuchs, des Schweißtuchs etc., nobel gefasst in Gold, Silber, Kristallglas und was noch wertvoll ist.

Die Beurteilung Karls rankte sich schon früh um die Frage, ob er denn nun mehr (deutscher) Kaiser oder mehr ein an einer starken Hausmacht interessierter (böhmischer) König war. Letzteres war auch nicht billiger als der Kauf der Kurfürsten-Stimmen zur Kaiserwahl, aber man hatte zumindest mit Mähren, der Lausitz, Brandenburg und Neuböhmen bis vor die Tore Nürnbergs einen ordentlichen Landbesitz. Als Kaiser baute Karl seine Macht v.a. auf die Reichsstädte und Bistümer mit einer aktiven Wirtschaftspolitik von Venedig im Süden bis zu den Hansestädten im Norden. Recht fein ging’s da nicht zu. Es herrschte eher das ’non olet‘-Prinzip bis hin zur Funktionalisierung von Judenpogromen, um sich die städtischen Oberschichten gewogen zu machen, etwa in Nürnberg 1349.

Die Macht Karls wird sehr stark über künstlerische Gestaltungsformen herausgestellt, etwa der Ausgestaltung von Büchern, Gemälden und Plastiken durch in Prag lebende Hofkünstler um Meister Theoderich und Peter Parler. Da wünscht sich der Laie doch mitunter ausführlichere Beschreibungen nicht nur auf kunstgeschichtlicher Basis. Weniger Madonnen, die aber genauer erläutert, wäre wohl mehr. Oder eine Erklärung zur Nürnberger ‚Normaluhr‘ in St. Sebald mit ihren 16 statt 12 Unterteilungen. Andererseits ist die Übersetzung der gesamten Goldenen Bulle mit ihrer Darstellung, wer von den Kurfürsten was wann wo wie durfte, sehr gut gemacht.

In Prag war die Ausstellung auf zwei Orte verteilt , was ihr und den Besuchern wohl gut bekam. Bei diesen Großausstellungen besteht immer die Gefahr, dass man am Ende nicht mehr weiß, was man am Anfang gesehen hat, zumal die Ausstellung mit den vielen sehr hochwertigen Exponaten, mit Tondokumenten, Videos, interaktiven Stationen, einem Audioguide etc. sehr intensiv und gut gemacht ist. Wenn man schon die Gelegenheit hat, eine so hochwertige Ausstellung zu gestalten, dann sollte man auch den Besuchern die Chance geben, dies entsprechend zu würdigen. Hier sollten sich die MacherInnen etwas einfallen lassen, etwa eine (personenbezogene) Mehrfachkarte. Fotografieren war nicht erlaubt.

Advertisements