Industriemuseum Lauf

Besuch am Samstag, 2.4.2016, ca. 2,5 Std. Das mit Räumen für Veranstaltungen und Sonderausstellungen ca. 6000 qm große Museum wurde im Jahr 1992 eröffnet und 2008 durch eine Ventilfabrik großzügig erweitert. Trägerin ist die Stadt Lauf.

Es ist ein besonderer Vorteil, wenn ein Museum am alten (Industrie-)Standort aufgebaut werden kann, selbst wenn viele Exponate und Hauseinrichtungen wieder neu im Museum zu einer organischen Einheit zusammengeführt werden müssen. Das schafft Authentizität und eine atmosphärische Dichte bis in den Geruch der Häuser und das Tosen des Wasser hinein. Man hat diesen Standortvorteil in Lauf sensibel genutzt, vieles belassen, hat der Versuchung widerstanden, noch dies und das hinzuzufügen oder gar gefällig zu arrangieren. Wir haben Arbeitsstätten zwischen dem späten 19. und 20. Jh. vor uns. Hinzu kommen ebenfalls transferierte, aber ’naturbelassene‘ Wohnräume, Läden, Werkstätten.

Antriebsaggregat der Roggenmühle Foto: Gerd Walther

Antriebsaggregat der Roggenmühle
Foto: Gerd Walther

Im alten Museumsbereich dominieren die Gebäude an der Pegnitz aus der Hochzeit der Metallverarbeitung in Lauf nach 1500. Der Ort lag günstig zwischen der Oberpfalz als Rohstofflieferant und kapitalkräftigen Kaufleuten aus Nürnberg mit ihren weiten Handelsbeziehungen. Die frühere Roggenmühle – 350 Jahre diente sie der Messingverarbeitung – wurde ab 1987 wieder eingerichtet. Der alte Eisenhammer daneben ist original erhalten. Seit 1899 ergänzte ein Elektritzitätswerk diese Industrieansiedlung.

Die Anlagen sind anschaulich und fundiert mit Texten und Grafiken erläutert. Man kann mittels QR-Code zusätzliche Infos und Filme zu den Maschinen in Betrieb über das Handy betrachten. Das ist eine schöne und sinnvolle Ergänzung. Gut aber auch, dass man die alte Beschriftung belassen hat, denn nicht jeder will oder kann. Auch sonst werden moderne Medien dezent eingesetzt, treten nie in Konkurrenz zu den Exponaten.

Im Körner’schen Haus, das früher ebenfalls der Messingverarbeitung diente, hat man Arbeiterwohnungen der Zeit um 1900 und aus den 1950ern eingerichtet. Hinzu kommen diverse Handwerke: Schuhmacher, Flaschner, Hut- und Schirmmacher, ein Frisiersalon. Auch hier gestalten die Museumsmacher/innen die Ausstellung lebendig möglichst nah am Original, als ob die Eigentümer nur mal kurz raus sind. Selbst ein Schaudepot unterm Dach lädt mit der Fülle der Gegenstände der 1950er Jahre zu Wiederentdeckungen ein.

Blick in die Schmiede von Dietz & Pfriem Foto: Gerd Walther

Blick in die Schmiede von Dietz & Pfriem
Foto: Gerd Walther

Die Ventilfabrik Dietz & Pfriem bildet den Schwerpunkt des 2. Teils im Industriemuseum. Man hat mehrfach Glück gehabt: dass der kinderlose Fabrikant irgendwann kaum noch investiert hat, dass er alles der Stadt vermacht hat, dass die das angenommen und dem Museum zugeführt hat, dass das Museum die nötigen Veränderungen so gering wie nötig und so sensibel wie möglich durchgeführt hat. So sieht man eine Metallfabrik der Jahre 1950 – 1980 mit Schmiede, Dreherei, Schleiferei, vom Lager bis zur Endkontrolle und dem Versand weitgehend im ursprünglichen Zusammenhang. Die Maschinen bzw. einzelnen Arbeitsschritte der Ventilherstellung werden erläutert, teilweise mittels QR-Code vorgeführt. Hinzu kommen im Obergeschoss die Sozialräume und Wohnräume des Chefs.

In einem weiteren Gebäude sind Maschinen der Laufer Steatit-Industrie, der Schreinerei Löhner und v.a. die Tandem-Dampfmaschine der Holzwarenfabrik Döring von 1902 untergebracht. Sie wurde 1990 ins Industriemuseum umgesetzt. Wie mehrere andere Maschinen wird auch sie regelmäßig in Betrieb vorgeführt. Wo das Museum Veränderungen an der Anlage oder der Einrichtung der Gebäude vorgenommen hat, lässt man das die Besucher wissen. Man bezieht sie ein, arbeitet mit, nicht gegen sie, nimmt sie ernst. Das ist leider nicht selbstverständlich. Das schaut alles ganz einfach aus, ist es aber nicht. V.a. aber ist es sehr schön, kurzweilig und informativ gemacht.