Freilichtmuseum Domäne Dahlem

Besuche am Montag, 13.8.2018 im Außenbereich und am Samstag, 18.8.2018 v.a. innen, ca 4 Std. Die Domäne Dahlem liegt gleich neben dem putzigen U3-Bahnhof Dahlem-Dorf auf einem ehemaligen Rittergut, später einer Staats- bzw. Stadtdomäne. Der täglich geöffnete Außenbereich mit einem Bioland-Bauernhof und Ställen für Schweine, Hühner, Rinder, Schafe etc erschließt sich über Rundwege zum Garten- und Feldanbau sowie zur Viehhaltung. Ein Teich rundet das Angebot ab. Bisweilen nachmittags und am Wochenende kann man eine historische Ausstellung zum ländlichen Leben in Dahlem im ehemaligen Herrenhaus besichtigen sowie die Ausstellung ‚Vom Acker bis zum Teller‘ zur Kulturgeschichte der Ernährung in den früheren Pferdeställen. Mit einem Bio-Hofmarkt samstags hat man ein ebenso abwechslungsreiches wie interessantes Angebot. Trägerin des 1976 eröffneten Freilichtmuseums ist die ‚Stiftung Domäne Dahlem‘.

Kühe auf der Weide
Foto: Gerd Walther

Man ist überrascht, wenn man sich am U-Bahnhof Dahlem-Dorf in einer ebensolchen Umgebung befindet. Auch die Freie Universität Berlin in der Nähe, Ausgangspunkt der Studentenunruhen 1968, erinnert eher an eine Kleinstadtuniversität der amerikanischen Ostküste. Die Domäne Dahlem erschließt sich zuerst durch einen (kostenfreien) Besuch der großen Freifläche, die von einem Bioland-Bauernhof bewirtschaftet wird, also nicht nur Museum ist. Die Stallungen sind deshalb oft nur von außen einsehbar, aber Hühner, Schweine und anderes Getier v.a. bedrohter Nutztierrassen befinden sich sowieso im Auslauf, auf der Weide oder der Streuobstwiese.

Neben kleinen Handwerksbetrieben und der Hof-Remise (mit einer Gaststätte) sind das alte Herrenhaus und der frühere Pferdestall für zwei unterschiedliche, aber nicht nur räumlich benachbarte Ausstellungen (gegen Eintritt) geöffnet. Da ist das alte Herrenhaus, dessen älteste Teile auf 1560 zurückgehen, was es zum ältesten intakten Gebäude Berlins macht. Sehr hübsch und sensibel hat man hier alte Strukturen meist aus den 1920er/30er Jahren wieder aufgebaut, etwa einen Kolonialwarenladen mit Unmengen alter, vertrauter oder auch unbekannter Produkte in ebensolchen Verpackungen. Daneben liegt eine Metzgerei, die hier Fleischerei heißt, mit alten Geräten und einer wunderschönen Glasdecke. Küchenräume schließen sich an, eine gemauerte Stube, die zeitweise als Kapelle diente. Zwei Räume zeigen Apparate zur Lebensmittelkontrolle des Kaiserlichen Gesundheitsamts, das seit 1905 in Dahlem über umfangreiche Einrichtungen verfügte. Der Keller mit Lagerutensilien ist teilweise zugänglich. Im 1.Obergeschoss befindet sich die (ebenfalls) sehr interessante Ausstellung zur Bienenzucht um die Sammlung von Ludwig Armbruster, 1923 – 1934 Direktor des Instituts für Bienenkunde in Dahlem.

Über den Hof gelangt man zum sog. ‚Culinarium‘ (von lat. Küche, Essen) mit seiner räumlich großzügig gehaltenen Präsentation zur Kulturgeschichte der Ernährung von der Erzeugung zur Verarbeitung, vom Verkauf bis zum Verzehr mit dem Schwerpunkt im 20. Jh. Es ist eine Ausstellung entstanden, in der man sich gerne aufhält, die abwechslungsreich unterhält und tiefgründig erklärt, die mit knappen Texten, vielen Fotos, Filmen und dreidimensionalen Objekten immer wieder mit Aha-Effekten Alltägliches nahe bringt und zudem über einen vorzüglichen Kinderbereich verfügt, so dass man auch mit Kindern die Ausstellung genießen kann. Dabei sind die vielen kleinen Spiele, Fragen, Möglichkeiten zum Mitmachen nicht nur für Kinder interessant.

Der Milchwagen wurde bis 1973 verwendet
Foto: Gerd Walther

Das Erdgeschoss konzentriert sich um einen 1-PS-Milchwagen, mit dem die ‚Dahlemer Vorzugsmilch‘ der Domäne bis in die 1970er Jahre ausgefahren wurde, auf die Erzeugung von Milchprodukten, Fleisch und Brot. Über ein Treppenhaus, das auf kurzweilige Art viele Infos bereithält, gelangt man ins 1.Obergeschoss zum Verkauf und Verzehr nicht nur im Wandel der Zeit, sondern auch mit regionalen Unterschieden etwa zwischen Ost und West (-Berlin). Da geht es um Essen zum Stillen des Hungers und um Hunger selbst, um Essen und Kommunikation (oder auch nicht), um Kochen, Fast-Food, Kochsendungen und (inzwischen intelligente) Küchen in einem Umfeld, in dem immer weniger gekocht wird, um Essgewohnheiten, Curry-Wurst, Döner, Pizza, Hamburger und was es heute noch alles gibt, um Luxus- und Erlebnisrestaurants und ‚Büdchen‘, Kioske, um Märkte und Supermärkte. Durch einen Lichthof zum 2. Obergeschoss mit dem eher für Kinder gestalteten Bereich wirkt die ganze Ausstellung auch räumlich hell und freundlich, macht den Aufenthalt nicht nur sehr informativ, sondern ebenso unterhaltsam und kurzweilig. Das ist alles sehr, sehr gut gemacht. Eine tolle Überraschung ‚mitten‘ am Rande Berlins.

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