Hammer – Nürnberg

Besuch am Sonntag, 26.5.2019, ca 1,5 Std. Das ehemalige Messing- und Walzwerk ist ein alter Fabrikort an der Pegnitz östlich von Nürnberg im heutigen Ortsteil Laufamholz. Heute führt durch das idyllische Örtchen ein stark befahrener Radweg zur Industriegeschichte. Träger der Anlage, die mittlerweile der Stromversorgung dient, ist die Nürnberger N-Ergie AG.

Infotafel in Hammer
Foto: Gerd Walther

Schon 1372 wird hier erstmals eine Mühle erwähnt, 1472 erfolgte die Einrichtung eines Messinghammerwerks. Andere Funktionen, etwa eine Schleifmühle, eine Drahtziehmühle, eine Glühhütte und ein Brennofen, ein Walzwerk zur Herstellung von Metallfolien und Lahngold, also metallumwickelte Fäden, gesellten sich im Laufe der Zeit hinzu. 1552 wird Hammer im 2.Markgräflerkrieg zerstört, danach vergrößert mit fünf Mahlgängen wieder aufgebaut und im 30jährigen Krieg 1632/34 abermals zerstört. Später werden eine Schule und ein Wirtshaus eingerichtet, 1691 der Kupferhammer zum Messinghammer umgebaut. 1820 hat Hammer 140 Einwohner, darunter 21 Arbeiter, in 37 Wohnungen. Die Zahl der Arbeiter steigt im Zuge der Industrialisierung. Seit 1894 wird Strom erzeugt. 1943 wird der inzwischen nach Nürnberg eingemeindete Ort bei einem Luftangriff schwer getroffen. Gießerei, Walzwerk, Herren- und Wirtshaus, Arbeiterhäuser und der Bauernhof werden zerstört. Der Wiederaufbau scheitert in den 1950ern, weil Hammer mittlerweile im Wasserschutzgebiet liegt. So erfolgte 1977 der Verkauf an die EWAG zur Stromerzeugung. Nach umfangreicher Restaurierung befindet sich seit 1992 im ehemaligen Uhrenhaus eine Ausstellung zur Geschichte des Industrieguts.

So begegnet uns Hammer heute noch. Umgeben von einer Außenmauer, betritt man das Gelände durch einen der beiden Zugänge. Die Arbeiterhäuschen aus dem 18. und 19. Jh. stehen noch, vom Herrenhaus und dem Wirtshaus nur Teile der Außenmauern. Daneben liegen das Uhrenhäuschen, das Verwalterhaus mit der Schule, die Schmiede und die ehem. Gießerei, die wie andere Gebäude wieder bewohnt sind bzw. genutzt werden. Vom Bauernhaus stehen nur noch die Grundmauern, hinzu kommt die moderne Wehranlage. Optisch wird die gesamte Anlage beherrscht von einem Obelisken, der 1709 im Volckamer’schen Hesperidengarten in Gostenhof errichtet und 1861 hierher versetzt worden war. Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen. Was heute wie ein friedliches Idyll erscheint, war früher laut und hat die Luft verpestet. Sieben Wasserräder zeigt eine Grafik aus dem 19.Jh.

Blick in die Küche
Foto: Gerd Walther

Auf der Rückseite des Uhrenhauses beherbergen die drei erdgeschossigen der sechs Arbeiterwohnungen eine Ausstellung. Jeweils zwei Zimmer sowie eine Kammer bildeten eine Wohnung, die alles erwärmende Küche im Flur, dazu ein Plumpsklo. Im 19.Jh. lebten auf knapp über 50 qm ca acht Personen, nicht selten drei Generationen. Das galt als ungemein fortschrittlich und sozial. Miete wurde nicht verlangt, dafür durfte man nicht kündigen. In der intensiven und informativen Ausstellung wird der Fabrikort vorgestellt, ein nicht nur räumlich eng umschlossenes Gebilde. Teilweise ist die Ausstellung etwas textlastig, aber sie ist nicht übermäßig groß. Man befindet sich in Wohnungen, deren Einrichtung etwa der Zeit von 1920 entspricht. Und so erfahren wir viel von der Entwicklung der Mühle zum Fabrikort, zur Stromerzeugung bis zum heutigen Wasserschutzgebiet. V.a. erfahren wir viel vom Leben hier (und im nahen Laufamholz), vom Arbeitsalltag, vom Leben der Arbeiter, Meister, und Hammerherren mitsamt ihren Familien. Die Familie von Forster stellte seit 1814 in Nachfolge der Volckamer die Hammerherren. In einem Raum steht noch ein alter Tisch aus dem Wirtshaus ‚Einkehr zum Hammer‘, an einer Wand hängt, wie früher üblich, ein Rahmen mit den Portraits der vielen Mitglieder im ‚Pfeifenclub Laufamholz‘. Die informativen Metalltafeln mit Texten und Bildern zu Hammer und dem nahen Laufamholz werden durch dreidimensionale Objekte in kleinen Vitrinen und die Einrichtungsgegenstände ergänzt.

Das ist alles recht hübsch und informativ gemacht. Man bekommt einen guten Einblick in diese kleine Fabrikwelt seit dem 14.Jh bis in die nahe Gegenwart. Ein Ausflug etwa mit dem Rad entlang der Pegnitz in dieses (nach-)industrielle Idyll lohnt sich allemal. Die Ausstellung ist nur im Sommer sonntags geöffnet.

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