Museumshafen Övelgönne

Besuch am Freitag, 23.8.2019, ca 2,5 Std. Der Museumshafen liegt am nördlichen Ufer der Norderelbe am Schiffsanleger Neumühlen/Övelgönne. Nach einem Vorläufer wurde 1976 der private Verein ‚Museumshafen Oevelgönne e.V.‘ gegründet, der das Museum noch heute in Zusammenarbeit mit anderen v.a. Hamburger Museen durch ehrenamtliche Mitglieder betreibt. 1988/89 und 2005 wurde der 1977 eröffnete Museumshafen erweitert.

Teilansicht des Museumshafens vorne und  von Containerterminals hinten
Foto: Gerd Walther

Nach Övelgönne kommt man am besten und angemessensten mit der HADAG-Fährlinie 62, die von den Landungsbrücken nach Finkenwerder (Airbus) verkehrt. Bevor man richtig merkt, dass man einen Museumshafen vor sich hat, gefällt nach der Hektik der Landungsbrücken die idyllische Lage. Einige ältere Schiffe, ein paar Strandlokale, am Ende der Kiosk ‚Alter Schwede‘, dann eine kleine Badebucht. Gegenüber zeigt der moderne Containerterminal Burchardskai, wie ein Hafen heute aussieht. Dass direkt unter dem Museumshafen der neue Elbtunnel verläuft, merkt man nicht. Bis auf den Terminal auf der anderen Elbseite ist alles nicht groß, heimelig auf den 1.Blick, einladend.

Im Museumshafen liegen ca 10 – 20 ältere Boote und Schiffe, z.T. Museumsbestand, z.T. von anderen Museen bzw. Einrichtungen hier zur Pflege eingestellt: Segel- und Dampfschiffe, Schiffe mit Dieselmotoren, Kräne, ein alter Leuchtturm, ein altes Wartehäuschen, die ‚Döns‘. Ziel des Trägervereins ist es, alte Arbeitsschiffe der Niederelbe sowie der Nord- und Ostsee zu erwerben und so zu restaurieren, dass sie wieder fahrbereit sind und (etwa für Ausflüge bei Vereinsfeiern) genutzt werden können. „Insofern,“ heißt es auf einer Tafel „ist der Museumshafen Oevelgönne nicht als totes ‚Schiffsmausoleum‘, sondern als lebendiges und mobiles Museum zu verstehen.“ Auf vielen Schiffen werkeln Mitarbeiter, was dem ganzen Museum eine angenehm ‚beschäftigte Atmosphäre‘ verleiht. Die knappe und gut gemachte Internetpräsentation stellt 28 Schiffe aus dem Besitz oder Umfeld des Museumsvereins vor und gibt bei Fahrten ihre jeweilige Position an. Wer möchte, kann mittels WebCam einen aktuellen Blick auf den Museumshafen werfen.

Blick in den Heizraum des Dampf-Eisbrechers ‚Stettin‘
Foto: Gerd Walther

Besuchen kann man im Prinzip alle Schiffe. Da das Museum aber ehrenamtlich betrieben wird, sind nicht immer alle zugänglich. Und manche sind ja auch unterwegs. Richtig große Schiffe findet man hier nicht, größere schon, etwa bei meinem Besuch den Dampf-Eisbrecher Stettin. 1933 für den Hafen Stettin gebaut, kam er von 1945 bis 1979 im Hamburger Hafen zum Einsatz. Man kommt im Schiff, das gerade für eine Feier vorbereitet wurde, (fast) überall hin, von der Kommandobrücke bis in den eindrucksvollen ‚Bauch‘ des Schiffes mit dem Maschinenraum mit der 2200 PS Maschine und den Heizkesseln mitsamt Kohlebunker, wo 6 Heizer für die nötige Energie sorgten. Einzelne Schilder verdeutlichen knapp die jeweilige Funktion der Maschinen, ab und an ergänzt durch eine Prinzipdarstellung. Natürlich begreift man als Laie nicht alle Details, aber in der hier herrschenden Enge erfasst man den Aufbau von der Befeuerung über die Antriebsmaschinen hin zur Kurbelwelle für den Schiffspropeller. Und – wohl wichtiger noch als manche technischen Details – man ahnt ein bisschen, was es bedeutet hat, hier in diesem Moloch von Hitze, Schmutz und Lärm zwischen Schmieröl und Ruß zu arbeiten.

Daneben wurde das Boot VI der Hafenpolizei, ‚Otto Lauffer‘, eine 1928 in der Stülckenwerft in Hamburg gebaute Dampfbarkasse, die bis 1968 Dienst tat, für einen Ausflug am nächsten Tag vorbereitet. Der Kessel stand unter Dampf, ein Rauchwölkchen kam aus dem Schlot. Auf meine Frage zeigte mir der freundliche Mitarbeiter ’sein‘ Schiff, das natürlich viel kleiner, aber deshalb nicht weniger interessant war. Und auf meine Frage gab er auch Einblick in seine Tätigkeit und die des Museumsvereins. Es ist diese enge Verflechtung von interessanten, funktionsfähigen, alten Schiffen und der Aktivität der Museumsmitarbeiter, die dieses nicht sehr große Museum abseits der Hektik so attraktiv macht. Eigentlich will es gar kein Museum sein, aber natürlich ist es eines – und ein sehr interessantes, sehenswertes und gut gemachtes obendrein.

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