Rundfunkmuseum der Stadt Fürth

Besuch am Sonntag, 27.8.2018, 2,5 Std. Im Jahr 1987 beschloss der Fürther Stadtrat den Aufbau eines Rundfunkmuseums, wozu ich im Mai 1988 zunächst auf ABM-Basis eingestellt wurde. Am 29.Oktober 1993 eröffnete das Museum auf etwa 280 qm im Marstall im Schloss Burgfarrnbach. Durch ein vielfältiges Programm (z.B. wurden ab 1996 als erstes Museum Kindergeburtstage gefeiert) stieg die Besucherzahl bis 1998 auf über 9000, so dass der damalige OB Wenning (CSU) einen Umzug erwog. 2001 erfolgte dieser in die Kurgartenstraße mit über 1000 qm Ausstellungsfläche, anfangs eine Großbaustelle. Trotzdem steigerte das Museum kontinuierlich seine Besucherzahlen bis 2012 auf über 19.000 Besucher, fast so viele, wie die anderen musealen Einrichtungen Fürths zusammen. Nach fast 30 Jahren Aufbauarbeit gab mir die Stadt 6 Monate vor meinem Renteneintritt 30 min Zeit, meinen Arbeitsplatz zu räumen, ich erhielt Hausverbot, sollte versetzt werden. Das musste man vor dem Arbeitsgericht zurücknehmen, so dass ich – als Museumsleiter freigestellt – am 31.12.2013 planmäßig in Rente ging. Träger des Rundfunkmuseums ist die Stadt Fürth, vertreten durch den Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (SPD) und die Kulturreferentin Elisabeth Reichert. Beider Stärke liegt nicht in der Kultur, sondern im politischen Hinterzimmer. Der jetzige Leiter von Stadt- und Rundfunkmuseum, Dr. Schramm, mag seine Fähigkeiten haben, Museum kann er nicht. (Siehe hierzu meine Beiträge unter Fürth, Ausstellungen aktuell, Ausstellungen Archiv.) Gefragt ist jetzt weniger qualifizierte Museumsarbeit, sondern Kampagnenfähigkeit in des Oberbürgermeisters Vorwahlkampf mit Amtsbonus.

Museumsladen
Foto: Gerd Walther

‚Rundfunkmuseum Backstage‘ heißt eine kleine Jubiläumspräsentation zum 25-jährigen Bestehen des Museums, das 2017 noch 10.882 Besucher zählte. „Anlass genug, einen Blick hinter die Kulissen zu wagen.“ Ein Blick darauf, was unter den Teppich gekehrt wurde, wäre spannender, interessanter, aufschlussreicher. Was man hier auf langen Texttafeln und einer PC-Installation fast 9 Monate bis zum 13.1.2019 zeigt, könnte man besser an einem ‚Tag der Offenen Tür‘ unterbringen. Erfreulich ist, dass man beim Jubiläum ohne Rückblick keine weiteren Unwahrheiten hinzufügt.

Volksempfänger-Installation, inzwischen entfernt
Foto: Gerd Walther

Im zunächst chronologisch geordneten Museum folgte nach dem Café der Teil mit den ältesten Geräten. Hier hat man jetzt dauerhaft einen Museumsladen eingebaut, der an Unsäglichkeit kaum zu überbieten ist. „So inszeniert es (das Museum – GW) umfassende Bilder der Vergangenheit, in die BesucherInnen sinnlich und emotional eintauchen können.“ Abgesehen davon, dass man auch bei Inszenierungen mitdenken soll, sind diese inzwischen weitgehend verschwunden. Man hat jetzt oft mehr Platz, was Vorteile hat. Aber gleichzeitig hat man den Räumen die innere Spannung genommen. Und da man die meisten Vorhänge mit den großen, dazugehörigen Motiven entfernt hat, ist es zwar heller, aber die oft defekten Jalousien können ebenso wenig inspirieren wie die intakten.

Blick in den Raum heute
Foto: Gerd Walther

Eine Ebene höher hat man den Raum zum 2. Weltkrieg weitgehend belassen. Allerdings sollte man darauf achten, dass auch alles funktioniert, die Lampen brennen etc. Das fällt wohl schwer, da man inzwischen viele hochkarätige Helfer vergrault hat. Natürlich brauchen Museen ehrenamtliche Mitarbeiter. Aber mit Praktikanten, Bufdis etc. dünnen mittlerweile diese billigen Kräfte zusammen mit Personal von Fremdfirmen den notwendigen Stamm an festem Personal immer mehr aus. Man sollte auch genau hinschauen, wenn sich Helfer in Naturalien bezahlen lassen, sprich in alten Radios und Zubehör. Zudem hatte man einen Nachfolger gewählt, der Museumsarbeit nur aus einem Volontariat kannte und nicht wusste, was ein ‚magisches Auge‘ bei einem alten Radio ist. Also null. Was die Museumsmacher bewogen hat, zwischen Weltkrieg und Nachkriegszeit eine Schreibwerkstatt einzurichten, bleibt unergründlich. Wenn schon, dann eher im Zimmer vor dem Weltkriegsraum, das mittlerweile als Rumpelkammer dient. Die Textsequenz, dass Hermann Göring einen Großteil seiner Kindheit in Fürth verbracht hat, wurde inzwischen gelöscht. Sie passte wohl nicht ins heile Fürther Weltbild. Und im schmalen Räumchen, in dem sich eine exquisite Sammlung von Bedienelementen, UKW-Vorsätzen und Bauteilen befand, stehen nun neue Kühlschränke, Haartrockner, Waschmaschinen etc. auf denen zwar Grundig drauf steht, aber nicht drinnen ist.

Installation Nachkriegszeit, entfernt
Foto: Gerd Walther

Eine gelungene Neuerung ist der Raum zu den Beatles eine Etage höher, selbst wenn die Schallplatten (nicht nur hier) in den Musikboxen oft falsch eingeordnet sind, falls die pflegeintensiven Boxen überhaupt funktionieren. Wo früher eine Inszenierung zur Fernseh-Quote und eine Abteilung zu den neuesten Entwicklungen die Präsentation abrundeten, befindet sich ein weiterer Raum für Sonderausstellungen. ‚Made in Franken – Von Hinterhoffabriken und Weltfirmen“ läuft 10 Monate bis zum 17.3.2019. Das ist nun etwa die 30. Ausstellung zu diesem Themenkomplex. Langsam könnte man sich mal was Neues einfallen lassen.

Schreibwerkstatt heute
Foto: Gerd Walther

Wo in Ebene 5 der Raum für kleinere Sonderausstellungen war, steht jetzt für weniger Personal mehr Büro- und Werkstattraum zur Verfügung. Auch die Amateurfunkstation des Museums hat man beseitigt. Schlimmer noch ist man im Kellergeschoss mit der Ausstellung zur Sende- und Studiotechnik umgegangen. Sie war mit der (Wieder-)Entdeckung und Nutzbarmachung der elektrischen Leitfähigkeit der Erde durch Steinheil 1838 an der Ludwigseisenbahn in Fürth verknüpft. Für die aufkommende drahtgebundene Telegraphie war diese Entdeckung in Fürth von immenser Wichtigkeit. Man hat verscherbelt, was dem Museum zum treuen Erhalt gegeben wurde, teilweise gegen Metallwert an Alteisenhändler. Wochenlang standen Müllkippen beim Museum, in die ohne Kenntnis seiner Bedeutung und der Besitzverhältnisse Sammlungsgut weggeworfen wurde. „Die Sammlung ist das Herzstück jedes Museums,“ heißt es in der Jubiläumsausstellung. Derzeit liegen hier mehrere Rumpelkammern nebeneinander. Eine Experimentierwerkstatt ist geplant. Nicht dass das uninteressant wäre. Aber das gab’s früher schon. Der ehem. Berufsschulrektor und Fördervereinsvorsitzende Oskar Goller und andere waren diesbezüglich wohl aktiver, als das heute der Fall ist. Da standen die Versuchsaufbauten auf Platten und wurden nach der Vorführung in Schränken verstaut. Jetzt zerstört man ganze Abteilungen, verscherbelt anvertrautes Kulturgut, damit ein oder zwei ältere Ehrenamtliche Vorführungen machen können.

Senderraum mit Entdeckung der el. Leitfähigkeit der Erde 1838 an der Ludwigseisenbahn in Fürth, abgebaut
Foto: Gerd Walther

Natürlich unterliegen auch Museen notwendigen Veränderungen. Aber hier hat man eine gut funktionierende und angenommene Einrichtung willkürlich abgebaut ohne schlüssiges neues Konzept. So etwas nennt man Zerstörung. Die Begleitmusik kam u.a. von Matthias Boll, dem leitenden Kulturredakteur der Lokalzeitung. „Und dass Objekte hinter Glas gehören,“ schrieb er am 27.12.2017 in seinem Jahresrückblick bezogen auf das Rundfunkmuseum, „wenn am Eingang ‚Museum‘ steht, hat sich hier und dort herumgesprochen, in Fürth noch nicht.“ Da wird nicht einmal unterschieden, ob die Nofretete ausgestellt ist oder Alltagskultur des 20. Jhs. Mit Verlaub, Herr Boll, das ist (museums)kulturelle Klippschule. Aber da sind Sie in Fürth nicht alleine.

Räume heute von außen
Foto: Gerd Walther

Künftige Experimentierwerkstatt
Foto: Gerd Walther

Ehem. Raum zur Studioausstellung
Foto: Gerd Walther

Advertisements