Heimatmuseum Ebermannstadt

Besuch am Sonntag, 18.10.2020, knapp 1,5 Std. Ein Heimatmuseum gibt es mit Unterbrechungen seit 1923 in Ebermannstadt. Zur 1000-Jahr-Feier 1981 wurde es im Obergeschoss des ehemaligen Amtsgerichts aus dem Jahr 1870 wiedereröffnet und seitdem sukzessive erweitert. Seit 1992 betreut ein ehrenamtlicher Beirat das Heimatmuseum.

Alte Schullandkarte mit der Fränkischen Schweiz
Foto: Gerd Walther

Das nicht sehr große Museum ist in 8 Räumen im Obergeschoss untergebracht. Dazu 2 Räume für Sonderausstellungen, das Treppenhaus und der Gang. Der chronologisch angelegte Rundgang beginnt mit der Paläontologie, also mit Funden von Lebewesen in der Vorzeit, versteinerten Ammoniten etwa bis hin zu einem Meereskrokodil und Knochen von Höhlenbären. Daran ist auch der Umkreis von Ebermannstadt nicht zuletzt wegen der vielen Höhlen nicht arm. Es schließt sich ein Raum zur Frühgeschichte seit der Jungsteinzeit um etwa 5200 bis zur Römer- und Völkerwanderungszeit ca 400 n.(Chr.) an. Natürlich spielen keltische Funde vom nahen Walberla, der Ehrenbürg, auch im Museum eine wichtige Rolle. Selbstredend sind die ausgestellten Exponate von hoher Qualität. Aber leider sind die Erläuterungen etwas textlastig. Da ließe sich manches verknappen bzw. als Textblatt zum Lesen oder Mitnehmen auslegen. Und die Texte mit einer rel. kleinen Schriftgröße sind zudem oft an den Rückwänden der Vitrinen schwer lesbar.

Nach einem kurzen Schwenk zum Mittelalter mit der 1.urkundlichen Erwähnung 981 und dem Modell einer Turmburg im nahen Rüssenbach spannt der nächste Raum den Bogen bis zum Übergang an Bayern 1802/03. Mehrfach wurde Ebermannstadt schwer im Mitleidenschaft gezogen, so im 30-jährigen Krieg 1633 oder durch napoleonische Truppen 1796. Im Bauernkrieg 1524/25 beteiligte sich der ‚Ebermannstädter Haufe‘ an der Zerstörung mehrerer Burgen im Umland, bevor er niedergemetzelt wurde. Grafiken von Albrecht Dürer bis zur frühen Romantik geben einen informativen Einblick in die Ortsentwicklung.

Leider wird die Zeit um 1800, als die Romantiker die Fränkische Schweiz mit ihrem Einfallstor Ebermannstadt entdeckten, rel. wenig gewürdigt. So schrieb J.M. Füssel in seinem 1788 veröffentlichten Reisebericht: „Ebermannstadt, ein Bambergisches Städtchen, hat eine ziemlich gleiche, reine und gut gepflasterte Hauptstraße, alle übrigen aber sind schmutzig und krumm, und bestehen aus niedrigem, sehr baufälligem Fachwerk. Hier bauet man unter anderem auch etwas Hopfen, und wie zu Streitberg, sehr viel und hohen Hanf.“

Blick in den Ausstellungsbereich ‚Welt der Frau‘
Foto: Gerd Walther

Die folgenden beiden Räume ‚Welt der Frau‘ und Handwerk‘ thematisieren mit diversen Raumensembles und Installationen Leben und Arbeit in Ebermannstadt im 19. und 20.Jh. Das ist hübsch gemacht und gibt einen guten Einblick in das Leben einer kleinen Ackerbürgerstadt mit entsprechendem Handwerk, mehreren Brauereien und einem zeitweilig mit der Eisenbahn 1891 aufkommenden Fremdenverkehr, der allerdings wieder abnimmt, als die Bahn weiter nach Heiligenstadt (1915) bzw. Behringersmühle (1922-30) verlängert wird. Unverständlich ist, wieso man nicht einen Teil der sehr interessanten Fotos und Texte, die jetzt im Gang und im Treppenhaus isoliert hängen, mit der Ortsgeschichte verbindet. Beides bildet doch eine Einheit, würde das ausgestellte Leben daheim oder im Wirtshaus gut ergänzen, das Bild stimmig abrunden.

Ein anderer Punkt: Im Gang befinden sich Hinweise auf die vielen Auswanderungen ‚infolge gesunkenen Wohlstands‘. In einem Räumchen zwischen Frühgeschichte und Mittelalter wird dann des bedeutendsten Ebermannstädters fast wie in einer Pflichtübung mit einem großen Portrait gedacht. Und das ist nicht – man verzeihe mir – der Barockkünstler Theiler, der einen eigenen Raum erhält, sondern der in einem armen Bauernhaushalt in Gasseldorf 1772 geborene Johann Georg Lahner, der Erfinder des ‚Wiener Würstchens‘. Kein großer Schlachtenlenker mit fragwürdigem Ruhm. Nein, ein König der Schlachtschüssel, der mit seiner Erfindung viele Kinder und Erwachsene bis heute beglückt. Aber man macht (fast) nichts draus. Zu alltäglich wohl, gibt’s ja bei jedem Metzger. Gerade deshalb. Trotz dieser kritischen Anmerkungen haben wir insgesamt in Ebermannstadt ein zwar kleines, aber hübsch gemachtes und informatives Heimatmuseum mit sehr vielen interessanten Exponaten vor uns.