Gößweinstein – Burg

Besuch am Samstag, 31.7.2021, ca 1 Std. Gößweinstein ist mit der Wallfahrts-Basilika und der Burg eines der Traumziele romantisch veranlagter Menschen seit dem frühen 19. Jh. Hoch über dem Wiesenttal thronend bietet die Burg, wenn man von Tüchersfeld her kommt, vom Tal aus einen eindrucksvollen Anblick. Die Burg ist im Privatbesitz, aber in Teilen für das Publikum zugänglich.

Blick über Gößweinstein auf die Burg, rechts hinter dem Baum liegt die Basilika;
Foto: Gerd Walther

Die Burg wurde in der Mitte des 11.Jhs wohl vom namengebenden Graf Gozwin gegründet. Seit etwa 1100 bis 1803 war sie Sitz von Amtsleuten des Bistums Bamberg inkl. etlicher Unterbrechungen durch Verpfändungen, die Auslagerung des Amts ins nahe Pottenstein oder Zerstörungen z.B. im Bauernkrieg 1524-26. Zur Strafe mussten die Bewohner Gößweinsteins die Burg (bis 1532) wieder aufbauen, was einen Blick in das Verhältnis von (Burg-)Herren und Untertanen ermöglicht. Sonst war die Burg häufig marode. Teile wurden wegen Baufälligkeit abgerissen, so der alte Turm (im späten 17.Jh) oder die Burgkapelle (1720). Der jetzige Turm entstand (ein Stockwerk niedriger) um 1700. 1875 verkaufte das Königreich Bayern die Burg an den Freiherrn von Sohlern, dessen Nachfolger die Burg heute noch besitzen. Der Freiherr ließ um 1890 das Anwesen nach romantischen Vorstellungen einer mittelalterlichen Burg im katholischen Umfeld einer Wallfahrtskirche v.a. optisch umgestalten. Die Gebäude erhielten im Stil der Neugotik Treppengiebel, der Turm eine weitere Etage mit Zinnen, im Gebäude der alten Registratur entstand eine neue Kapelle, eine 1787 errichtete lange Treppe mit 150 Stufen vom Amtsknechtshaus im Ort zur Kemenate wurde abgerissen, die Zufahrt zur Burg erweitert.

Heute betritt man die hoch über Gößweinstein thronende Burg über das ‚untere Tor‘ am südlichen Zwinger. Durch das ‚mittlere Tor‘ gelangt man in den westlichen Zwinger, von dem früher der Burghof abermals durch eine Mauer mit Tor getrennt war. Man sollte sich bewusst sein, dass man es mit Ausnahme des Baukörpers mitsamt den engen Räumen und den Außenmauern mit Phantasien des späten 19.Jhs zu tun hat. Dies betrifft auch die Inneneinrichtung, macht aber die Burg nicht uninteressant. Man hat altes Zeugs aus dem Umfeld von Rittertum und Burgen hineingestellt: Schwerter, Spieße und andere häufig etwas rostige Waffen, Rüstungsteile, Tiegel und Töpfe, ein Spinnrad, Bücher, Möbel. In der Sakristei befinden sich ein paar alte steinzeitliche Funde nebst Teilen von Höhlenbären aus der Umgebung. Begehen kann man die jetzige Kapelle mit Sakristei. Daneben das Burgverlies mit dem Loch, in das die Gefangenen mussten. Im Palas kommt man in einen engen Gang, die Kemenate mit Feuerstelle, das sog. romanische Zimmer(chen), sowie die Steintreppe, die wohl ursprünglich in Verbindung mit der langen Treppe vom Ort herauf stand.

Schöne Ausblicke nach allen Seiten hat man auch jetzt schon, hier ins Tal der Wiesent. Evtl muss man 100 m laufen; Foto: Gerd Walther

Die Burg lebt von ihrer Lage und der Phantasie der Menschen, vom Blick aus dem Wiesenttal und von Gößweinstein hinauf und von den Zwingern hinunter. Das hat sie (neben der Ruine Neideck) zu einem bekannten Bauwerk der Fränkischen Schweiz gemacht. Leider wird diese Romantisierung wenig thematisiert. So könnte man Vergrößerungen der seit dem späten 18.Jh häufigen Bilder und Grafiken ausstellen, diese erläutern und damit die Geschichte der phantastischen, aber zweifellos hübschen Burg erden. Denn die Burgenphantasien der Eigentümer und eines Großteils der Besucher ließen sich spannend mit der jeweiligen Burgenrealität verknüpfen. Dann hätte man sogar so etwas wie ein richtiges Burgmuseum.

Natürlich hat die stolze Burg auch so eine hohe Aufenthaltsqualität. Nicht zuletzt, wenn man sich bei einem fränkischen Bier (oder einem anderen Kaltgetränk), das man angenehm unprätentiös an der Kasse kaufen kann, an einen der Tische im südlichen Zwinger setzt. Hinten Kemenate und Turm, vorne über die Burgmauer der Blick auf Gößweinstein mit der Basilika inmitten einer schönen Landschaft. Es empfiehlt sich, die Gegend wochentags zu besuchen, wenn der Ausflüglerverkehr nicht so heftig ist. Denn der setzt jeglichen romantischen Anwandlungen deutliche Grenzen. Ob der geplante Skywalk – als weltweit erster Castlewalk angepriesen – der Burg mehr nutzt als er ihr schadet? Ich habe da meine Bedenken.