Hafenmuseum Hamburg

Besuch am Montag, 26.8.2019, ca 2,5 Std. Das Hafenmuseum Hamburg liegt – mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Veddel schwer erreichbar – auf der südlichen Elbseite am Hansahafen. Trägerin des Museums ist die ‚Stiftung Historische Museen Hamburg‘.

Der Hansahafen (rechts) früher, nach vorne rechts ist im Kaischuppen 50A (mit Kopfbau) das Museum untergebracht.
Abfotografiert: Gerd Walther

Das Museum befindet sich in letzten alten Hafenanlagen der Zeit vor dem 1.Weltkrieg in einem Teil des Kaischuppens 50A mitsamt dem ehemaligen Kopfbau, also am historischen, authentischen Ort. Zum Innenbereich im Kaischuppen kommt der Außenbereich mit Schiffen, Kränen, einer Hafenbahn und anderen Exponaten. Innen liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung der Arbeiten und Berufe im Hafen, wobei häufig der Bogen bis in die Gegenwart gespannt wird. Vor dem Aufkommen des Containerverkehrs seit den 1960ern, der nicht nur die Hafenarbeit veränderte, sondern auch den Schwerpunkt des modernen Hamburger Hafens westwärts verlagerte, haben wir es mit arbeitsintensiven Tätigkeiten beim Be- und Entladen der Schiffe zu tun. Von den Schiffen kamen die Güter entweder gleich auf die Bahn oder Lastwagen zum Abtransport. Oder sie wurden mittels Schuten in die Speicherstadt verbracht, die für Hochseeschiffe nicht zugänglich war. Oder sie wurden in den Kaischuppen zwischengelagert. Gezeigt werden auch die vielen anderen Hafenarbeiten, v.a. der früher bedeutsame Schiffsbau in den großen Werften, von denen ‚Blohm + Voss‘ übriggeblieben ist, das Lotsenwesen und verschiedene Aufgaben im Umfeld eines Hafens.

Das wird recht anschaulich vorgestellt, wobei das Museum durch die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter eine ganz eigene Note erhält. Hier wird gearbeitet: weniger Schauarbeiten und Vorführungen, sondern anfallende Reparaturen und Restaurierungen sowie die vielen Tätigkeiten, die zum Aufbau und Unterhalt des Museums nötig sind. Diese Arbeitsatmosphäre prägt das Museum sehr positiv, macht es lebendig. Vergangenes wird durch viele Fotos und Exponate bis hin zum VW-Käfer mitsamt originalem Verladegeschirr dokumentiert. Mit knappen Texten und typischen Utensilien werden die mannigfaltigen Berufe im Hafen vorgestellt, so dass sich diese komplexe Welt allmählich erschließt. Hinzu kommen der Wiederaufbau einer alten Lotsenstube aus Brunsbüttel, diverse Modelle von Hafenanlagen und natürlich von Schiffen, die einen Blick in die Geschichte des Schiffsbaus ermöglichen. Zugleich hütet man sich, den Besucher mit einer Unzahl an Schiffsmodellen zu erschlagen.

Schutensauger IV (rechts), Schwimm-Dampfkran ‚Saatsee‘ (links) und Stückgutfrachter ‚Bleichen‘ (hinten) im Außenbereich des Museums
Foto: Gerd Walther

Außen sind neben alten Schuppen, einer Hafenbahn, den optisch dominanten alten Kränen vier Wasserfahrzeuge zu besichtigen. Und dies meist umfangreich von der Kommandobrücke (soweit vorhanden) bis in den Kohlenbunker und Motorraum. Knappe, präzise Beschreibungen erläutern einzelne Maschinen und Geräte sowie ihre Funktion auf dem Schiff auch für Laien gut. Da ist etwa der Schwimmkran ‚Saatsee‘ von 1920, eingesetzt u.a. zur Reparatur von Schleusen. Oder der 1909 hergestellte Schutensauger, mit dem Schüttgut wie Getreide aus Schiffen gesaugt wurde. Sehr interessant dann die Kastenschute aus dem Jahr 1913, mit der Güter von den Schiffen in die Speicherstadt gebracht wurden. Ohne Motor wurde sie entweder geschleppt oder mit Muskelkraft fortbewegt. Insbesondere die Schilderungen der hier arbeitenden Menschen macht die Darstellung sehr lebendig. Den Betreuern des Stückgutfrachters ‚MS Bleichen‘ (der ‚Stiftung Hamburg Maritim‘) von 1958 wünscht man allerdings etwas weniger Angst um ‚ihr‘ schönes Schiff. Museumsbesucher sind ja in der Regel so harmlos, wie sie aussehen, interessiert sind sie aber schon. Vielleicht ließe sich eine Besucherlinie grafisch gestalten, damit man sich beim eigenständigen Besuch nicht verläuft.

Das Hamburger Hafenmuseum zeigt sehr anschaulich und lebendig, wie ein Hafen funktionierte. Demnächst soll in der Nähe um den Viermaster ‚Peking‘ der Hamburger Reederei Laeisz als Leitexponat mit viel Geld ein ‚Deutsches Hafenmuseum‘ entstehen. Das jetzige Hafenmuseum wird dann zur Außenstelle mit hoffentlich besserer Verkehrsanbindung. Es ist zu hoffen, dass die jetzige hohe Museumsqualität auch beim künftigen touristischen Highlight erhalten bleibt.