Museumsschiff ‚Rickmer Rickmers‘

Besuch am Sonntag, 25.8.2019, ca 2,5 Std. Das Dreimast-Segelfrachtschiff ‚Rickmer Rickmers‘ liegt seit 1987 als Museumsschiff am Fiete-Schmidt-Anleger – benannt nach der treibenden Kraft zum Erhalt des Schiffes – bei den Landungsbrücken. Betreiberin ist die privatrechtliche ‚Rickmer Rickmers Stiftung‘ des ‚Vereins Windjammer für Hamburg‘. Natürlich bietet es sich in einer Hafenstadt an, Schiffe als Museen zu nutzen. Hamburg hat mehrere davon.

Die ‚Rickmer Rickmers‘, im Hintergrund die Elbphilharmonie
Foto: Gerd Walther

Die ‚Rickmer Rickmers‘ ist benannt nach dem Enkel des Reeders Rickmer Clasen Rickmers. R.C. Rickmers wurde 1807 auf Helgoland geboren, dem Jahr, als die Insel von Dänemark an England kam, wo sie bis 1890 blieb. 1834/36 gründete er eine Werft in Bremerhaven. Zum Schiffsbau kamen die Reederei, also der Besitz von Schiffen, und bald der Handel und die Verarbeitung von Reis. Unter seinen Söhnen wurde 1896 die ‚Rickmer Rickmers‘ gebaut, ein Segelschiff aus Stahl. Zwar dominierten seit dem Suezkanal 1869 vermehrt Dampfschiffe – diese Route nach Asien war wegen ungünstiger Windverhältnisse für Segelschiffe ungeeignet, so dass sie Afrika umsegeln mussten. Aber Segelschiffe waren im Unterhalt billiger. Die 1.Reise ging mit 26 Mann Besatzung mit Kohle nach Hongkong und kam mit Reis aus Saigon zurück. 1904 verlor es in einem Orkan den (hinteren) Besanmast. Die ‚Rickmer Rickmers‘ wurde daraufhin vom Vollschiff mit drei Masten, an denen die Segel quer zum Schiff hängen, zur Bark, an deren hinterem Mast die Segel längs zum Schiff laufen, umgebaut. 1909 wurde das Schiff verkauft. Zunächst fuhr es als ‚Max‘ zum Salpetertransport nach Chile um Kap Hoorn. Später wurde Petroleum in Fässern von Philadelphia nach Japan gebracht. 1916 von Portugal beschlagnahmt, diente es unter dem Namen ‚Sagres‘ von 1924 bis 1962 als Segelschulschiff mit bis zu 400 Mann an Bord. 1983 endete seine Verwendung als Depotschiff mit der Überführung nach Hamburg, wo die ‚Rickmer Rickmers‘ seit 1987 als Museumsschiff liegt.

Eine Nutzung als Museumsschiff ist im Grunde eine dankbare Aufgabe. Bau und Verwendung sind zeitlich eng umrissen und meist gut dokumentiert. Der Aufbau sowie die Einrichtung des Schiffes sind auf engem Raum kompakt vorhanden. Und natürlich macht so ein Schiff auch optisch viel her, ein Segelschiff zumal. Man hat in Hamburg diese Chance gut genutzt. Nicht allzu lange, fundierte Texte verdeutlichen den Aufbau des Schiffes und die Funktion der einzelnen Teile. Die Mannschaft wird mit den jeweiligen Tätigkeiten kurz vorgestellt: Kapitän, 2 Steuermänner, 2 Köche, Schiffszimmermann, Segelmacher, Donkeyman (für die Hilfsdampfmaschine), 11 Vollmatrosen, 3 Leichtmatrosen und 4 Schiffsjungen. Irgendwann auch ein Funker. Man kommt auf der obersten Ebene in die engen Unterkünfte der Mannschaft und Werkstätten vorne im Schiff sowie den Poop genannten Offiziersbereich hinten. Das ist sehr anschaulich und auch für Laien verständlich erläutert. Vieles erklärt sich auch von selbst inkl. der hier herrschenden Hierarchie. Der Kapitän hat sein eigenes Klo, die Offiziere auch, das der Mannschaft ist entsprechend einfach. Und natürlich gab’s auch zwei Kombüsen. Man erfährt, was die einzelnen Seeleute verdient haben, welche Aufgaben mit welchem Werkzeug sie zu erfüllen hatten, wie die Tagesrationen der Seeleute aussahen, bzw. sein sollten. Mit einem Segelschiff war man ja u.U. länger unterwegs als geplant.

Blick in die Offiziersmesse, links die Türen zum Hospital-, Funk- und Kartenraum, geradeaus zur Kapitänswohnung
Foto: Gerd Walther

Das Lager im 2. Deck wurde zu einem Restaurant für Feiern umgebaut. Im 3. Deck liegen die informativ und abwechslungsreich gestalteten Ausstellungsräume zur Geschichte des Schiffes und der risikoreichen Fahrt mit Segelschiffen. 1930 wurde ein Maschinenraum mit zwei Dieselmotoren eingebaut. Ein Segelschulschiff hatte auch offizielle Termine pünktlich wahrzunehmen. Dazu hat man jetzt eine Dampfmaschine ergänzend hinzugefügt, um die drei historischen Antriebsarten dokumentieren zu können: Wind, Dampf, Diesel. Das alles wird recht anschaulich dokumentiert, Filme ergänzen die Präsentation wie auch andere moderne Museumsmedien. Aber das Schiff, sein Aufbau, seine Geschichte stehen immer deutlich im Mittelpunkt. Das ist gut gemacht, sehr interessant, anschaulich und abwechslungsreich präsentiert.