Deutsches Hirtenmuseum

Besuch am Samstag, 15.8.2015 und auch schon früher. Trägerin des Museums ist die Stadt Hersbruck. Es waren wenige Besucher im Museum. Die Ausstellung des Hirtenmuseums verteilt sich auf zwei Gebäude mit je 3 Etagen, das alte Ackerbürgergebäude aus dem 16.Jh. und, über einen Innenhof, eine große Scheune.

Ebenerdig befasst sich das Museum mit Alltagsgegenständen einer Ackerbürgerstadt, in der also handwerkliches Arbeiten durch Feld- und Viehwirtschaft ergänzt wurde oder umgekehrt. Küchenutensilien, Arbeitsgeräte zum Wäschewaschen, Beleuchtungsmittel, hochwertiges Spielzeug wohl aus Heimarbeit. Es sind sehr schöne Exponate dabei, überraschend in ihrer Vollständigkeit bzw. Vielfalt, aber das Ganze wirkt nicht museal aufbereitet, sondern abgestellt, eher Schaudepot als Museum. Auch der Schmiede mitsamt den gezeigten Arbeitsschritten beim Herstellen einer Schelle fehlt es an Leben.

Eine Etage höher befindet sich derzeit die umfangreiche Wanderausstellung ‚Alphörner‘ mit interessanten Exponaten aus der ganzen Welt. Aber für solch eine profunde Sammlung ist die Beschriftung der Exponate wirklich bescheiden, etwa ‚Naturtrompete, Ochsenknochen‘. Da würde man doch gerne mehr erfahren: wann, wo, wie, wer.

Ein Teil der Hirtenausstellung Foto: Gerd Walther

Ein Teil der Hirtenausstellung
Foto: Gerd Walther

Sehr schön die zweite Etage des Hauses mit der Hirtenabteilung. V.a. das Gebäude selbst
beeindruckt, die Raumgröße, das Gebälk, das wunderbare Knarzen der Bodendielen bei jedem Schritt. Dieses Haus lebt und spricht mit seinen Besuchern. Natürlich bräuchte die Ausstellung, die wie das Museum auf das Jahr 1933 zurückgeht, in den 1950ern umgestaltet wurde und im letzten Jahrzehnt nochmals größere Änderungen erfuhr, eine Überarbeitung. Aber die Exponate sind doch toll, auch die uralten Vitrinen. Hilfreich wäre, das Licht einzuschalten. Schön aber frühe haptische Ansätze, bei denen man Felle verschiedener Schafrassen streicheln kann, einfach über Holzböcke geworfen. Dazu braucht’s doch nicht viel. Oder die ganz interessante handschriftliche Biografie des letzten Gemeindehirten von Hersbruck, der bis in die 1950er Jahre tätig war.

Die Scheune wurde dem alten ‚Hirten- und Heimatmuseum‘ in den 1960ern für Ausstellungen hinzugefügt. Leider kann man mit der Fläche wenig anfangen. Erdgeschossig seitlich läuft ein sehenswerter Film über das Hersbrucker Hirtenwesen in den 1950ern. Dazu der schöne Laden einer Lederwarenhandlung, den man nur durch die Glas-Eingangstüre bewundern kann. Die Hauptfläche dient eher als Lagerraum für nicht benötigtes Mobiliar einer Gaststätte im Hof, die öffnet, wenn das Museum schließt.

Blick in den leider verschlossenen Laden einer Lederwarenhandlung Foto: Gerd Walther

Blick in den leider verschlossenen Laden einer Lederwarenhandlung
Foto: Gerd Walther

Im ersten Obergeschoss stehen alte Bauernschränke und zwei Hirtenwagen längs der Wände im Dunklen. Der Stolz des Museums scheint aber eine Etage höher der Ausstellungsbereich ‚Mensch und Tier‘ aus dem Jahr 2009 zu sein. Der Raum hat viele Knöpfe zum Drücken – aber leider keine Seele. Das ist viel Katalogware aus dem Vertrieb für moderne Museumseinrichtungen, die auch dadurch nicht besser wird, dass man die Hörer für Audio-Beiträge mit Holz ummantelt hat. Authentizität schaut anders aus.

Man hat den Eindruck, dass das ‚Deutsche Hirtenmuseum‘ schon bessere Zeiten erlebt hat, dass sich Museumsleitung und evtl. auch Stadtverwaltung nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen die Köpfe zerbrochen haben, ohne dass mehr als nicht zusammenpassendes Stückwerk herausgekommen ist. Dabei spricht das Haus doch. Warum geht man nicht in den alten Hirtenbereich, schaut sich um, hört dem wunderbaren Knarzen zu, atmet die einzigartige Atmosphäre des Hauses sensibel ein, setzt sie kreativ um? Dann bräuchte es auch wenig aus dem Einrichtungskatalog für Museumsdidaktik.

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