Stadtmuseum Herzogenaurach

Besuch am Samstag, 12.3.2016, ca. 2,5 Std. Im Jahr 1908 eröffnete der Historische Verein erstmals ein Museum in Herzogenaurach. Nach einer Plünderung 1945 wurde bis 1969 wieder eine Sammlung zusammengestellt. 2000 zog das städtische Museum an den jetzigen Standort im ehemaligen Pfündnerspital gleich neben der alten Stadtkirche.

Das Museum zeigt im 1.Obergeschoss Stadt- und Hausgeschichte sowie die Sammlung Maier. Man wird begrüßt von Großfotos des alten Herzogenaurach mitsamt Schubkarre und Kraxe auf einem niedrigen Podest davor. Doch schnell ist man über ein bisschen Gründungsgeschichte und die Stadtordnung von 1382 beim ‚3. Reich‘. Um im 20. Jh zu bleiben: Nichts von der späten Elektrifizierung 1921 und einem Leben ohne Strom. Wenig vom Bau der Wasserleitung 1933 und der früheren Wasserversorgung aus Brunnen. Das ‚3.Reich‘ wird mit ein paar Fotos und Dokumenten sowie einem Glasfenster eher abgehandelt als veranschaulicht. Kaum etwas vom schwierigen Eindringen der Nazis in das konservativ-katholische Milieu eines Ortes mit industrieller Monostruktur und hoher Arbeitslosigkeit. Alltagsgeschichte könnte auch spannend präsentiert werden.

Was von einem Menschen übrig blieb. Foto: Gerd Walther

Was von einem Menschen übrig blieb.
Foto: Gerd Walther

Ansätze sind ja vorhanden: Ein Raum zur Geschichte des Hauses zeigt den kargen Besitz einer Pfündnerin bei ihrem Tod 1850. Es folgen 2 Räume mit der Hinterlassenschaft des Heimatforschers (und Ehrenbürgers) Luitpold Maier (1887-1967), der lange Zeit außerhalb Herzogenaurachs lebte. Und so haben die Exponate zwar viel mit Maier, aber wenig mit Herzogenaurach zu tun. Altes Zeugs in Vitrinen, dazu eine minimalistische Beschriftung. Bei der Stube im nächsten Raum steht: „Sammlung Luitpold Maier, Wohnraum“. Die raumhohe Glasabsperrung erlaubt einen Blick aus der Distanz. Da hat man schon bei der Einrichtung des Museums die Besucherfreundlichkeit geringen Personalkosten geopfert.

Die nächste Etage widmet sich zunächst dem Zunftwesen zwischen 1462 und dem 19.Jh. Mehrere Handwerksladen – wieder auf dem Fußboden auf einem niedrigen Podest stehend – sowie die Dokumente darüber und eine Innungsfahne lassen vermuten, dass der Fundus wohl mehr zu bieten hätte. Bis ins 19.Jh dominiert das überörtlich wichtige Handwerk der Tuchmacher. Gezeigt werden die einzelnen Schritte der Textilherstellung in alten Grafiken, Dokumenten, Exponaten. Dazu ein schöner Handwebstuhl. Aber das, wovon viele Herzogenauracher Familien über Jahrhunderte wohl mehr schlecht als recht gelebt haben, bleibt letztlich steril, trocken, die Exponate wirken eher wie Staffage.

Dokumentation zum Handwerk der Tuchmacher Foto: Gerd Walther

Dokumentation zum Handwerk der Tuchmacher
Foto: Gerd Walther

Seit dem späten 19.Jh wird die Schuhproduktion wichtig. Zunächst werden einfache Schlappen im Auftrag Fürther Kaufleute hergestellt. Seit den 1920er Jahren dominieren dann allmählich die Sportschuhe, machen mit ‚Adidas‘ und ‚Puma‘ der Gebrüder Dassler auch den Ort berühmt. Eine Schuhmacherwerkstatt und eine Stube befinden sich wieder hinter Glas, gegenüber sind die Anfänge industrieller Schuhherstellung ausgestellt. Hinzu kommen Vitrinen mit der Bekleidung berühmter Sportler. Da ließe sich was draus machen, aber hier ist’s reingestellt. Oder Schaeffler, das 3. Weltunternehmen im Ort: 2 Tafeln mit Fotos der Gebäude und Unternehmer, wenige Exponate, das Licht geht nicht, beim Monitor ist der Stecker gezogen. Ein pfleglicher Umgang mit Geschichte sieht anders aus.

Die 3. Etage ist rund um zwei Ehrenbürger dem kirchlichen Leben Herzogenaurachs gewidmet. Da ist der Pfarrer Michael Störcher (1817-1888), dessen Gemälde andernorts aus gutem Grund abgehängt wurden. Auch bei der Bildhauerin Maria Lerch (1884-1962) hat man eher den Eindruck, dass Platz gefüllt wurde, der sich sinnvoller hätte nutzen lassen. Stadt-, Wirtschafts- und (religiös geprägte) allgemeine Geschichte bleiben im Museum in einer sterilen Präsentation säuberlich getrennt. Leider liefert Herzogenaurach zu seiner Geschichte nur ein Standardprogramm auf einfachster Ebene, eine Pflichtübung.