Heimatmuseum Langenzenn

Besuch am Sonntag, 6.5.2018, ca. 1 Std. Das Heimatmuseum gibt es in Langenzenn seit 1976 in der ehemaligen Friedhofskapelle gleich neben dem Augustiner-Chorherrenstift im hübschen Ortszentrum. 1995 kam eine Erweiterung im Nachbargebäude hinzu, der sog. Fronveste, einem ehemaligen Gefängnis unten und der Wohnung des Büttels im Obergeschoss. Planungen von etwa 2009, ein weiteres benachbartes Haus einzubeziehen, wurden noch nicht umgesetzt. Träger des Heimatmuseums ist der ‚Heimatverein Langenzenn‘ in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Das Museum hat jeweils am 1. Sonntag im Monat von 14-16 Uhr geöffnet.

Blick ins Museum
Foto: Gerd Walther

Folgt man den Darstellungen im Internet, so verfügt Langenzenn über eine sehr lange und interessante Geschichte. Der Ort geht auf einen fränkischen Königshof zurück, 954 wurde hier ein Reichstag abgehalten, was eine gewisse Größe voraussetzt. Seit 1248 hohenzollerisch, kamen um 1350 das Stadtrecht und eine Münze hinzu. Es gab ein Hochgericht, ab und an wurde der Ort durch Kriege oder Feuer zerstört. Im späten 19. Jh. entstanden dann große Ziegeleien, die Baumaterial für die rasant wachsenden Städte Nürnberg und Fürth lieferten. Im Heimatmuseum erfährt man wenig bis nichts Zusammenhängendes davon. Einige zusammengepferchte Bruchstücke hie und da, eher Ahnungen von Geschichte als sinnvoll zusammengestellte Zeitdokumente. Hauptsache altes Zeugs. Das Obergeschoss der ehemaligen Friedhofskapelle umfasst 5 Räumchen und ein schmales Treppenhaus. Ursprünglich wohl sinnstiftend geordnet, hat man seitdem alle möglichen weiteren Erwerbungen dazugestellt, weil sie irgendwie alt waren, weil hier und da noch ein Plätzchen frei war.

Zunächst kommt man zu alten Bierflaschen und -krügen neben Kanonen- und anderen Kugeln, Säbeln, jeder Menge Orden v.a. aus dem ‚Dritten Reich‘. Es folgt ein Raum mit einer Einrichtung aus dem Biedermeier, dazu eine Münzabteilung, ein Hochrad, Fernrohr, Handwerks- und andere Truhen, Stühle und sonstiges. Weiter geht’s in ein Zimmer mit Textilien aus dem Umland, aber auch aus Siebenbürgen und andernorts. Eine Vitrine aus der Frühzeit des Museums enthält viele Taschenuhren, Kämme, Konfirmantenschmuck. Eine Art Küche schließt sich an mit gemauertem Herd, einem alten Küchenschrank und vielen Gerätschaften, Töpfen und Pfannen. Den Schluss bildet eine Kammer mit einer ehemaligen Schusterwerkstatt und einem Tischchen mit Schiefertafeln und Griffeln. Die allermeisten Exponate sind mit Ein-Wort-Erläuterungen versehen, die wenig aussagen. Bisweilen, etwa bei den Münzen und Feierabendziegeln, wird dies ergänzt von langen Texten von Fachleuten für Fachleute. Dabei sind schöne und interessante Exponate darunter, die sich aber gegen den Wust nicht durchsetzen können, stumm bleiben.

Apotheke in der Fronveste
Foto: Gerd Walther

In der Fronveste ist unten eine alte Apotheke eingebaut. Das Obergeschoss behandelt das 19. und 20. Jh. mitsamt den Ziegeleien. Aber alles bleibt bruchstückhaft, wo man sich einen strukturierten Überblick über den Ort und seiner Bewohner im Laufe der Zeit erhofft. Auch Firmengeschichten müssen mehr sein als einige Fotos der Firmengründer und alter Anlagen, die nicht erläutert werden. Zudem hat man offenbar Probleme im Umgang mit der Ortsgeschichte im 20. Jh., man tabuisiert, schwafelt herum, erwähnt willkürlich oder auch nicht. Das neben einer Ziegelei befindliche ‚Arbeitserziehungslager‘ der Gestapo bleibt unerwähnt. Zu einem kurzzeitigen Kriegsgefangenenlager der Amerikaner gibt es zwar eine Schautafel mit Fotos und Aussagen von Zeitzeugen, diese wird aber hinter einer Art Jalousie versteckt. Wieso man hiermit nicht offensiver umgeht, bleibt unklar. Es war halt so, und ein Museum sollte dies zeigen. Über 70 Jahre ist das her, die Zeit danach fehlt fast gänzlich. Keine Geschichte mehr seit 1950?

Agonie ist der Begriff, der den Zustand des Langenzenner Heimatmuseums wohl am ehesten umschreibt. Zur wünschenswerten Wiederbelebung – denn Langenzenn hat eine lange und interessante Geschichte und das Museum auch schöne Exponate – wäre mehr Platz nötig, denn eine geordnete Struktur braucht mehr Platz als eine Rumpelkammer. Aber das alleine genügt nicht. Mindestens ebenso wichtig wäre die moderne Gestaltung des Museums, ein schlüssiges, sich an wissenschaftlichen Kriterien orientierendes Konzept. Das ist derzeit nicht sichtbar. Und wohl alleine mit ehrenamtlichem Personal bei allem lobenswertem und liebevollem Engagement ist das nicht zu leisten. Aber die Stadt hätte ein schönes Museum verdient.

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