Museu Arqueologico do Carmo

Besuch am Montag, 18.4.2016, ca. 1 Stunde. Gegründet wurde das Archäologische Museum (außerdem gibt es in Lissabon noch das Museu Nacional de Arqueologia) 1863/64 von einem Vorgänger des Vereins Portugiesischer Archäologen. Für dieses frühe Gründungsdatum und den prominenten Trägerverein ist der Bestand des Museums doch etwas dünn, seine Vorzüge liegen an anderer Stelle – brach.

Das ehemalige Langhaus der Klosterkirche Foto: Gerd Walther

Das ehemalige Langhaus der Klosterkirche
Foto: Gerd Walther

Das Museum befindet sich in der Ruine der gotischen Klosterkirche des Karmeliterordens im Zentrum. Ab 1389 wurde sie erbaut, 1755 beim Erdbeben Lissabons, einem zentralen Datum der Stadtgeschichte, weitgehend zerstört. Es stehen noch die Außenmauern und Säulen von Haupt- und Querschiff, was dem Ambiente mit seiner gotischen Formensprache seinen eigenartigen Reiz gibt. Viele Exponate stammen aus der alten Klosterkirche und aus anderen Klöstern, um sie nach der Aufhebung der Klöster 1834 zu bewahren und zu schützen. Es befinden sich – auch im offenen Kirchenschiff – durchaus interessante Exponate darunter. So ein manuelinisches Grab, also aus der etwas überbordenden spätgotischen Glanzzeit Portugals unter Kg Manuel im frühen 16. Jh.

Der frühere Altarraum mit je zwei Chören links und rechts wurde wieder eingedeckt. Sie bilden den kleinen überdachten Bereich des Museums. Im 1. Raum rechts außen sind Artefakte aus Funden der Stein- bis in die Bronzezeit ausgestellt, v.a. der kupferzeitlichen Wehrsiedlung von Azambuja (ca. 3500 – 2000 v. Chr.) mit Exponaten, einem Modell, einer großen Luftaufnahme sowie Fotos von der Ausgrabungen. Immer dort, wo man sich bemüht, nicht nur Einzelfunde zu präsentieren, sondern Zusammenhänge durch verschiedene Ausstellungselemente herzustellen, gewinnt das Museum an Dichte.

Der Raum daneben zeigt Funde aus der Zeit der Römer, Germanen und Araber bis ins frühe Mittelalter, so einen römischen Sarkophag mit Musendarstellungen (3./4. Jh. n.Chr). Daneben, im früheren Altarraum bildet das Grab von König Fernando I. (Kg von 1367 – 1383) das Zentrum. Er war der letzte Burgunder auf portugiesischem Thron, genannt auch ‚der Unbeständige‘, besser wäre ‚der Glücklose‘. Auch die Statue eines Königs aus dem 13. Jh. ist sehenswert. Es ist der größte Ausstellungsraum.

2 Peruaner, 1 Ägypter, 2 Präsidenten und viele Buchrücken machen noch kein Museum. Foto: Gerd Walther

2 Peruaner, 1 Ägypter, 2 Präsidenten und viele Buchrücken machen noch kein Museum.
Foto: Gerd Walther

Gleich groß ist etwa die ehemalige Sakristei, in der gerade der Museumsshop umgebaut wurde. Ob da die räumliche Gewichtung stimmig ist? Aber man konnte offenbar auch mit dem wenigen Raum nicht viel anfangen. Neben dem Altarraum, der Prospekt spricht großzügig vom ‚Saal‘ 4, wird der Archäologische Verein selbst zum Schwerpunkt bzw. zwei seiner Präsidenten im 19. Jh.. In der Bibliothek, die der eine hier eingerichtet hat, zieren Buchrücken hinter Glas einen Großteil der Wände. Vom anderen stammen wohl die zwei Mumien des 16. Jhs aus Peru sowie ein ägyptischer Sarkophag des 5. – 4. Jhs v. Chr.. Nicht, dass die Exponate für sich genommen uninteressant wären – und die Mumien nicht gruselig. Hier aber fehlt der Bezug. Man kann gute Exponate auch durch einen falschen Standort entwerten. Im 5. ‚Saal‘ wendet man sich wieder mit einem Modell der Kirche, Grabungsfunden vor Ort und schönen Fliesen mit religiösen Motiven der Geschichte des Hauses zu. Bisweilen hat man aber mehr den Eindruck, hier werde v.a. Raum gefüllt.

Dabei bleibt die eigentliche Pracht am Rande liegen, die Atmosphäre dieser Ruine einer gotischen Basilika mit freiem Himmel. Schön auch der gleichnamige Platz vor der Kirche mitsamt Brunnen und dem alten Eingangsportal. Schön der von Schülern Gustave Eiffels errichtete Elevador do Carmo, schön der Blick vom Rossio-Platz unten oder dem Castelo gegenüber auf die Ruine. Da hat man mit dem Erdbeben von 1755 ein zentrales Datum zur Stadtgeschichte und die einzige noch vorhandene Großruine und macht (fast) nichts draus (was leicht möglich wäre), statt es an dem Ort zu dokumentieren, der förmlich danach schreit. Schade. Die Ausstellung im neuen Lisboa Story Centre kenne ich nicht.

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